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Börse

Deutsche-Börse-Chef Kengeter tritt zurück

Carsten Kengeter, der des Insiderhandels verdächtige Chef der Deutschen Börse, tritt zum Jahreswechsel von seinem Posten zurück. Kengeter wird das Unternehmen noch bis zum 31. Dezember führen.

"Der Aufsichtsrat hat den Rücktritt mit großem Bedauern akzeptiert", teilte das Unternehmen nach einer Krisensitzung des Kontrollgremiums am Donnerstag mit. Wer Kengeters Nachfolger werden soll, werde "in Kürze" bekanntgegeben. Kengeter werde den Dax-Konzern solange weiter führen und habe dafür "das volle Vertrauen des Aufsichtsrats".

Erst vor wenigen Tagen hatte das Frankfurter Amtsgericht eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Kengeter gegen eine Geldzahlung abgelehnt. Das Gericht übergab das Verfahren zum Verdacht des Insiderhandels wieder an die Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen gehen weiter

Die Ermittler werfen Kengeter vor, schon im Sommer 2015 mit der Führung der Londoner Börse (LSE) Gespräche über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen geführt und das Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Hängepartie verärgerte sowohl Mitarbeiter als auch Investoren des Dax-Konzerns. Denn schließlich hatten die Finanzaufsicht Bafin und die hessische Börsenaufsicht angekündigt, die Causa Kengeter nach Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens auch noch genauer unter die Lupe nehmen zu wollen.

Den Verantwortlichen bei der Deutschen Börse lief die Zeit davon: Der Aufsichtsrat hatte sich darauf festgelegt, erst nach dem Abschluss aller Verfahren über eine Verlängerung von Kengeters Ende März 2018 auslaufendem Vertrag zu entscheiden.

Nach den Staatsanwälten kommen die Finanzaufseher

Der Manager hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte in dem eigens für Kengeter geschnürten Vergütungsprogramm weitere 69.000 Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten die Deutsche Börse und die London Stock Exchange ihre - inzwischen gescheiterten - Fusionspläne öffentlich, was die Kurse trieb.

Der Versuch, eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu erreichen, war Anfang der Woche am Widerstand des Frankfurter Amtsgerichts gescheitert. Kengeter hätte 500.000 Euro aus seinem Privatvermögen an die Staatskasse zahlen sollen. Die Börse war bereit, zwei Geldbußen in Gesamthöhe von 10,5 Millionen Euro zu akzeptieren.

Das Amtsgericht meinte: Angesichts des Gewichts der Vorwürfe und der Stellung des Beschuldigten sei eine Einstellung nicht angemessen. Daher ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter - Ausgang offen. Nach dem Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens wollen zudem noch die Finanzaufsicht Bafin und die hessische Börsenaufsicht die Causa Kengeter genauer unter die Lupe nehmen.

Rasant beschleunigt und dann zu bremsen vergessen

Als Kengeter am 1. Juni 2015 den Chefposten vom glücklosen Reto Francioni übernahm, blühte die Deutsche Börse zunächst auf. Kaum im Amt, zog der Manager zwei Übernahmen für mehr als 1,3 Milliarden Euro durch, krempelte den Vorstand um, gab dem Aktienhandel wieder ein stärkeres Gewicht und legte ein Effizienzprogramm mit dem bezeichnenden Namen "Accelerate" ("Beschleunigen") auf.

dk/hb (dpa, afp, rtr)