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Kultur

Deutsche Überlebende sammeln für Bam

Beim Erdbeben im iranischen Bam Ende vergangenen Jahres starben mehr als 45.000 Menschen. Deutsche Überlebende der Katastrophe wollen nun helfen.

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Seit dem Erdbeben in Bam sind 75.000 Menschen obdachlos

"Es hat überall gedonnert und alles wackelte. Alles ist sofort zusammengebrochen." Die 26-jährige Yvonne Stephan schlief, als das Erdbeben sie überraschte. Wie so viele wurde auch die Studentin von den Trümmern eingeklemmt. Zum Glück habe sie keine Schmerzen gehabt - sie lag in einem Hohlraum. "Aber es war schrecklich, die anderen Erdbebenopfer zu hören: Es klang so, als wären sie gerade am Ersticken. Ich wollte das nicht hören; ich habe mir dann die Ohren zugehalten," erzählt sie.

Als Yvonne hörte, dass jemand nach ihr grub, bekam sie Angst, der Hohlraum könne zusammenbrechen. Durch ein Loch, durch das sie ihren Arm stecken konnte, nahm sie Kontakt zur Außenwelt auf. "Jemand hat meine Hand gedrückt. Das war ein tolles Gefühl und da wusste ich, dass alles gut wird."

Rettende Betten

Auch David, Yvonnes Freund, überlebte das verheerende Beben. Zwar leicht verletzt und mit gequetschten Beinen, aber ohne bleibende Schäden. Die beiden Studenten hatten in relativ stabilen Doppelstockbetten aus Metall geschlafen. Ihr großes Glück, denn sie boten den einzigen Widerstand

gegen die herunterstürzenden Lehmbrocken des Dachgeschosses.

Ihre Rettung haben sie einem deutschen Touristen zu verdanken: Michael Runkel aus Nürnberg. Er war unverletzt und zusammen mit einigen Iranern begann er sofort zu graben. Wenig später wurden die drei Deutschen dann in ein Krankenhaus nach Teheran gebracht.

Benefiz für Bam

Zurück in Deutschland riefen sie sofort eine Spendenaktion ins Leben. Das Medieninteresse an den deutschen Überlebenden half ihnen, Spender zu finden. Das Telefon steht nicht mehr still. David, Yvonne und Michael organisieren Benefiz-Aktionen und Dia-Vorträge, sie rufen zu Spenden auf und stehen in Kontakt mit Menschen aus Bam und Teheran.

An die 100.000 Euro haben sich schon auf dem Spendenkonto angesammelt. Noch ist aber unklar, wann und wie sie ihr Geld in ein Projekt investieren. Zwar sind alle großen Hilfsorganisationen in Bam, aber wirklich konkrete Projekte gibt es dort noch nicht. Denn bis jetzt ist noch nicht entschieden, ob Bam wieder aufgebaut werden

soll.

Einschneidendes Erlebnis

Die Ereignisse in Bam haben das Leben der drei Deutschen jedenfalls auf grundlegende Weise verändert. "Als wir zurück waren in Deutschland hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass wir jetzt wieder zurück in unserer heilen Welt sind. Wir haben eine warme Wohnung, wir haben genug zu essen und wir haben Kleider." Die ersten Tage in Deutschland seien schlimm gewesen. Mit dem Kopf waren sie immer noch in Bam. Die Spendenarbeit helfe ihnen, das Geschehene zu verarbeiten. Und es sei ihnen wichtig, "Danke" zu sagen, erklärt Yvonne.

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