1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Deutsch-türkische Groß-Razzia gegen Schleuser von Flüchtlingen

Der Bundespolizei und türkischen Behörden ist ein Schlag gegen kriminelle Schleuser gelungen, die tausende Flüchtlinge mit schrottreifen Schiffen nach Europa geschmuggelt haben sollen. Es gab erste Festnahmen.

Die Bundespolizei hat gemeinsam mit der türkischen Nationalpolizei ihren bisher größten Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Menschenhändler geführt. 493 Polizisten durchsuchten in sechs Bundesländern insgesamt 16 Wohnungen sowie einen Geschäftsraum. Das teilte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann, in Potsdam mit.

Die durchsuchten Wohnungen befanden sich in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg und Bayern. Schwerpunkte lagen in Berlin und Hannover. Es seien fünf Haftbefehle vollstreckt worden, sagte Romann. Zeitgleich wurden zehn Wohnungen in der Türkei durchsucht und zehn Verdächtige festgenommen. In der Türkei führte die Polizei Razzien in Istanbul, Ankara und Mersin durch. An dem Einsatz beteiligt waren Bundespolizei, türkische Nationalpolizei sowie die Spezialeinheiten GSG 9 und BFE+.

Geisterschiffe auf Autopilot

Die Verdächtigen sollen in der Türkei schrottreife Schiffe gekauft haben, auf denen sie zahlreiche Flüchtlinge ohne Besatzung auf den Weg nach Griechenland und Italien schickten. Solche Schiffe werden auch als "Geisterschiffe" bezeichnet. Sie seien per Autopilot an ihr Ziel gelenkt worden.

Der Tod von Menschen sei dabei billigend in Kauf genommen worden, sagte Romann. Er sprach von einer "menschenverachtenden, internationalen Form organisierter Kriminalität", die mit altruistischer Fluchthilfe nichts zu tun habe. "Hier geht es nur ums Kassemachen."

Die Flüchtlinge mussten den Ermittungen zufolge zwischen 4.500 und 6.000 US-Dollar an die Schleuser zahlen. 1.766 Menschen seien mit Schiffen des Netzwerks losgeschickt worden. Das ergebe einen Bruttoerlös von 9,5 Millionen Euro.

kle/sti (epd, afp, dpa)

Audio und Video zum Thema