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Politik

Deutsch-Türken würden SPD wählen

Mehr als jeder zweite Deutsch-Türke, würde, wenn jetzt Bundestagswahl wäre, die SPD wählen. Auch die Grünen kommen gut weg. Eine Überraschung ist das nicht.

Eine türkische Frau mit Kopftuch wirft ihren Stimmzettel in eine Wahlurne (Foto: ture-alliance)

55,5 Prozent der Deutsch-Türken wollen ihr Kreuzchen bei der SPD machen

Archivbild: Zwei Türkinnen laufen vor einem Wahlplakat, auf dem Gerhard Schröder abgebildet ist, her und schauen sich zu diesem um (Foto: dpa)

Die Nähe der Deutsch-Türken zur SPD ist über viele Jahre gewachsen

Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre? "Also Merkel auf keinen Fall", sagt der türkischstämmige Bauarbeiter. "Am besten die Grünen". Sein Kollege verrät: "Ich würde die SPD wählen". Der Deutsch-Türke im Kiosk nebenan stimmt überein: "Ja, die SPD. In Deutschland machen die glaube ich die beste Ausländerpolitik."

Ähnlich antworteten auch 2999 türkische Einwanderer aus ganz Deutschland, als das Berliner Marktforschungsinstitut Data 4U sie nach ihrer persönlichen Wahl fragte. Das Ergebnis in Zahlen: 55,5 Prozent der Befragten würden die SPD wählen. Richtig überraschend ist dieser Spitzenwert nicht. Viele Migranten und deren in Deutschland geborene Nachkommen fühlen sich seit Jahrzehnten, wenn sie sich denn politisch engagieren, der SPD verbunden.

Özdemir soll Kanzler werden

"Das hat was mit Köpfen zu tun. Ganz häufig wird der Name Willy Brandt genannt. Ganz viele Türken sind nach Deutschland gekommen, als Willy Brandt Bundeskanzler war. Das hat einfach einen sehr starken Eindruck hinterlassen", glaubt Ernesto Harder, der Vorsitzende der Bonner SPD. Ein weiterer Grund sei natürlich die Programmatik. Die SPD und auch die Grünen, die immerhin 23,3 Prozent der Deutsch-Türken wählen würden, seien eben die Parteien, die sich am stärksten für die Einwanderer und deren Integration in Deutschland einsetzten.

Cem Özdemir lächelt und stützt seinen Kopf auf seine Hand (Foto: picture-alliance)

Ihn sähen viele Deutsch-Türken gern als Bundeskanzler: Cem Özdemir

Gefragt nach ihrem Favoriten für das Kanzleramt wünschten sich ein Viertel der Deutsch-Türken Cem Özdemir, den Bundesvorsitzenden der Grünen. Hinter der SPD und den Grünen holt die Linkspartei auch in der Gunst der Deutsch-Türken auf: Immerhin 9,4 Prozent würden der Studie zur Folge die Linke wählen.

Die CDU/CSU liegt mit 10,1 Prozent gerade einmal knapp vor der Linken. Durchaus verwunderlich findet ein türkischer Mann in der Bonner Einkaufszone: "Die Türken wählen in der Türkei die nationalistischen Parteien, weil sie dort sehr nationalistisch sind. In Deutschland wählen sie die Linksparteien – die Grünen, die SPD und die Linke". Trotz konservativer Werte wie Familie und Religion, für die seit jeher die CDU/CSU steht und die auch für viele Türken von großer Bedeutung sind, kommt die Union bei den Deutsch-Türken offenbar nicht gut an. "Die linken Parteien bemühen sich einfach mehr um die Ausländer", sagt der Verkäufer in einem Dönerladen.

Kein Wahlkampf auf türkisch

Türke schneidet im Dönerladen Fleisch vom Dönerspieß ab. (Foto: picture-alliance)

Viele Türken arbeiten zwar in Deutschland, dürfen aber nicht wählen

Der Bonner SPD-Vorsitzende Ernesto Harder bestätigt das natürlich. Einen eigens auf diese Klientel abgestimmten Wahlkampf gebe es aber nicht. "Wir bewerben unsere Plakate und unsere Veranstaltungen in der Regel auf Deutsch. In Einzelfällen haben wir Veranstaltungen, beispielweise Podiumsdiskussionen zum Thema Integration, auch in Türkisch und Arabisch beworben, aber das sind Einzelfälle."

In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Auf den ersten Blick: Jede Menge Stimmenpotential für die Parteien. Allerdings gibt es ein Problem: Nur rund 690.000 von ihnen sind über 18 Jahre alt, besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft und haben somit das Recht zu Wählen. Auch das spiegelt sich in der Studie wider: Nur ein Drittel der befragten Türkischstämmigen verfügt über die deutsche Staatsbürgerschaft. Ärgerlich für die SPD.

Autor: Benjamin Wüst

Redaktion: Dеnnis Stutе

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