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Wirtschaft

Deutsch-russische Wirtschaftsfreundschaft

Seit knapp einem Jahr behindern Sanktionen den Handel mit Russland. Doch darüber will der russische Handelsminister bei seinem Besuch in Deutschland lieber nicht reden. Er hat lockendere Gespächsthemen.

Lebensmittelkauf in russland

Die Lebensmittelpreise in Russland sind drastisch gestiegen

Er ist zu Besuch bei Freunden. Der Industrie- und Handelsminister der Russischen Föderation, Denis Manturow, ist in das Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin gekommen, um am deutsch-russischen Wirtschaftsdialog teilzunehmen. Manturow lässt seinen Blick durch den Raum wandern. 250 Plätze, der Saal ist voll. Fast alles Unternehmer, die gerne mehr Geschäfte mit Russland machen wollen und ihre russischen Kollegen. Das gefällt ihm.

Aber dafür die Zeiten sind nicht gerade günstig. Vor mehr als einem Jahr wurden wegen der Ukraine-Krise Sanktionen verhängt. Waffen und Güter, bei denen die militärische Nutzung nicht ausgeschlossen werden kann, fallen unter das Embargo. Darüber hinaus wurde Russland der Zugang zum europäischen Kapitalmarkt erschwert. Und russische Politiker werden meist eher mit Skepsis als mit Freude empfangen. Aber nicht hier!

Deutschland Deutsch-russischer Wirtschaftsdialog Denis Manturow

Industrie- und Handelsminister Denis Manturow

"Wir arbeiten auch unter einem Sanktionsregime an den Partnerschaften weiter", verheißt ihm Volker Treier - er ist Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie und Handelskammertages. Das ist eine angenehme Botschaft nach den jüngsten Pressemeldungen zur Lage. Denen zufolge zeigen die Sanktionen nämlich inzwischen richtig Wirkung.

Der Rubel ist geschwächt, die Versorgungslage angespannt und die Rating-Agenturen sind kritisch. Aber all das ficht Manturow nicht an. "Am besten, Sie lesen keine Zeitung", rät der russische Minister, in dessen Aufgabenbereich es fällt, die Folgen der Handelshemmnisse zu bewältigen.

Das Publikum schmunzelt. Wenigstens auf dieser Konferenz kommt er mit der launigen Bemerkung davon. Manturow seinerseits bedient die freudige Erwartungshaltung der Wirtschaftsvertreter. Er wartet mit einem ganzen Strauß von Maßnahmen auf, mit denen Russland die Ansiedlung von deutschen Unternehmen unbürokratisch und schnell vorantreiben will: Investitionsprogramme, Bürgschaften und Industrieparks gehören dazu. Wenn die deutschen und europäischen Unternehmen da nicht zugriffen, fügt er lakonisch hinzu, würden das eben andere machen. "Das ist wie eine Tasse, sie bleibt nicht leer!"

Zuhörer Deutsch-russischer Wirtschaftsdialog

Deutsche Unternehmer richten den Blick nach Osten

17 Milliarden Euro Verlust durch die Sanktionen

Wenn Manturow mit deutschen Managern spricht, dann hat er ein relativ treues Publikum. Nach Angaben der deutsch-russischen Handelskammer hätten die Sanktionen bisher noch nicht dazu geführt, dass deutsche Unternehmen den Markt im Osten verlassen hätten. Aber so wie früher ist es auch nicht mehr. "Vieles was in den letzten 25 Jahren aufgebaut worden ist, ist in der Zwischenzeit erschüttert worden", klagt Eckard Cordes, der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft.

Er unterstreicht das mit düsteren Zahlen. Im Vergleich zum Spitzenjahr 2012, so schätzt er, wird Deutschland 2015 Jahr nur noch die Hälfte nach Russland ausführen. 17 Milliarden Euro Verlust bedeute das für die Wirtschaft und er setzt sich daher vehement für ein Ende der Sanktionen ein. Aber der Wirtschaftsfunktionär sieht inzwischen auch Licht am Ende des Tunnels. Cordes sieht Hinweise auf eine "Deeskalierung": Die jüngste Reise von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nach Russland und die von Moskau zugesicherten Erdgaslieferungen in die Ukraine geben ihm Hoffnung. "Wir brauchen den Frieden, Business braucht Frieden!", beschwört er.

Rüdiger Kapitza

Unternehmer Rüdiger Kapitza bleibt zuversichtlich

Und mehr noch braucht es Vertrauen: "Das ist schon schwieriger geworden heute - die Kontakte, die Bürokratie", schildert Rüdiger Kapitza, Vorstandsvorsitzender des Werkzeugmaschinenbauers DMG MORI die Situation. Er macht seit 35 Jahren Geschäfte in Russland und zeigt sich überzeugt von den wirtschaftlichen Chancen dort.

Jetzt müsse man den Kontakt aufrecht erhalten: "Man muss sich dann wieder gegenseitig abklopfen: Wo man steht, ob man noch gut Freund miteinander ist", sagt Kapitza im Gespräch mit der DW. Er bleibe aber zuversichtlich. Letztlich seien die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder ziemlich fest und die Verluste im Handel mit Russland könnten wieder wett gemacht werden. "Der Bedarf ist doch da und dann wird das eben nachgeholt, wenn die Sanktionen fallen."

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