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Bandtagebuch

Deutsch lernen mit Hip-Hop

Mit Musik geht vieles im Leben leichter – auch Deutsch lernen. Die Hip-Hop-Band EINSHOCH6 zeigt, wie man eine Deutsch mit mehr Spaß lernen kann und geht mit ihrem erfolgreichen Format Bandtagebuch in der Welt auf Tour.

„Du hast was zu sagen, doch gib acht/wähl deine Worte mit Bedacht./So, wie wir miteinander reden,/bestimmt, wie wir zusammen leben.“ Diesen Song hat die Münchner Hip-Hop-Band EINSHOCH6 speziell für eine Webserie der Deutschen Welle komponiert – über Liebe, Freundschaft und Schmerz, über das Leben und was sonst noch alles wichtig ist. Sogar die Fallstricke der deutschen Grammatik lassen sich besser erkennen, wenn Worte und Sätze so klangvoll daherkommen.

Die Hip-Hop-Band und ein Klassik-Orchester auf der Bühne

Klassik trifft Hip-Hop

Die Idee für das Projekt Bandtagebuch ist 2011 entstanden. „Die Musiker waren schnell gefunden“, erinnert sich Projektleiterin Shirin Kasraeian. „Wir haben die Band auf dem Beethovenfest gesehen und fanden sie großartig.“ Das Besondere an diesem musikalischen Bandtagebuch: Man kann damit Deutsch lernen. Das Besondere an der Münchner Band EINSHOCH6: Klassische Musiker treffen hier auf Beatboxer und Rapper.

Musikalisches Bandtagebuch

Themenfelder werden abgesteckt, erste Texte entworfen, schließlich entstehen 40 Reise-Episoden quer durch die Republik und 13 Songs und Musikvideos, die 2013 veröffentlicht werden. Die Musik ist eine Auftragskomposition extra für das Projekt. Es gibt interaktive Übungen, Vokabelhilfen, Tipps für Lehrer und Lehrerinnen, die das Format im Unterricht einsetzen wollen. Sogar Karaoke-Versionen zum Mitsingen gibt es. Projektleiterin Shirin Kasraeian findet das besonders wichtig: „Erst das Ganzheitliche, also sowohl Hören als auch Sehen und dann auch noch Mitsingen, das ist ein guter Weg, um in eine Sprache reinzukommen.“

Rapper und Schülergruppe singen gemeinsam

Bei einem Workshop in Indonesien: Jeder kann auf Deutsch rappen!

Das Konzept geht voll auf. „Auch die Leute, die überhaupt nicht auf Hip-Hop stehen, sind sofort von dieser Musik eingenommen und begeistert. Nach der Veröffentlichung trudelten die ersten Touranfragen rein. Zuerst ging es in die Ukraine, dann nach Italien und Südafrika. Seitdem gibt die Band auf der ganzen Welt Konzerte und Workshops für Deutschlerner.“ Auf diesen Tourneen entstand das zweite Album des Bandtagebuchs „Reise um die Welt“ mit 12 neuen Songs und Musikvideos, das 2017 veröffentlicht wurde. 

Für die Band EINSHOCH6 ist das Projekt ein internationales Aushängeschild, meint Rapper und Beatboxer Kurt Achatz: „Ich finde es persönlich sehr wichtig, wenn man eine Sprache nicht nur so lernt, wie sie in Büchern steht. Sondern dass man sie auch ein bisschen so lernt, wie die Menschen sie sprechen. Dass wir jetzt auch noch die Chance haben, mit den Lernern auf der ganzen Welt live in Kontakt zu treten, ist eine einmalige Gelegenheit. Beide Seiten profitieren von diesen Begegnungen.“

Echte Sprache, gute Texte

Kurt bekennt sich zu seiner Schwäche für gute Texte. Er mag es, wenn „alles so schön ist, dass der Deutschlehrer sagen würde: Ahhh, gut, grüner Haken dahinter.“

Zwei Musiker der Band auf dem Münchner Oktoberfest mit Lebkuchenherz in der Hand

„I mog di“: Liebesbekundung auf Bairisch

Projektleiterin Shirin Kasraeian sieht auch in einer Dialektfärbung kein Hindernis, um die deutsche Sprache korrekt zu lernen. Bei den Dreharbeiten in ganz Deutschland kam sie aber doch an ihre Verständnisgrenzen. „Ich persönlich habe mit dem bairischen Dialekt so meine Probleme. Wenn die Jungs aus Spaß tiefstes Bairisch gesprochen haben, wussten sie ganz genau: Ich verstehe jetzt kein Wort. Aber es hat für mich einen großen Lernwert gehabt. Mittlerweile verstehe ich sie ohne Probleme.“ Dazu Kurt: „Das muss man ein bisschen in Kauf nehmen. Ich finde, das sollte man nicht so abtun, so einen Heimatsound, sondern als Herausforderung sehen.“

Die Band, die inzwischen mehr als 300 Konzerte im In- und Ausland gespielt hat, musste auch lernen, sich in ihrer Arbeitsweise umzustellen. „Schnell war klar, dass die typische Gangsta-Rapper-Sprache für das Projekt nicht geeignet ist“, erzählt Shirin Kasraeian. „Mit der hätten wir natürlich nicht so furchtbar viel anfangen können. Die Jungs benutzen schon das Genre, aber sie haben zum Glück auch viele andere Themen. Und sie haben eine andere Sprache, mit der man auch Deutsch lernen kann. Die Zusammenarbeit war und ist daher sehr einfach. Die Themen für das zweite Album haben wir sogar mit den Deutschlehrern und Deutschlehrerinnen, die wir auf Tour getroffen haben, besprochen.“

Gerappte Sprachkurse

Video ansehen 03:33

Lass uns reden – das Musikvideo (MP4)

Was es bedeutet, für Deutschlerner zu texten, ist der Band erst im Laufe des Projekts bewusst geworden, wie Bandleader Amadeus Hiller bekennt. In einigen Situationen wurde klar: „Das können wir so nicht sagen.“ Und er resümiert: „Da wird einem erst bewusst, was man mit Sprache bewirken oder eben auch anrichten kann.“

Die jungen Musiker können sich nach den Erfahrungen dieses Musikprojekts auch noch ganz andere Varianten vorstellen: Hip-Hop zum Beispiel auf Türkisch oder auf Arabisch: als Sprachkurse für interessierte junge Deutsche.

Schlagzeuger Amadeus: „Mit Musik eine Sprache lernen, ist ja schon naheliegend. Also, ob es jetzt Tokio Hotel war, wo alle auf einmal Deutsch lernen wollten. Oder ob das Rammstein ist, wo die Amerikaner die deutschen Texte können." Neu, so findet er, sei die Art und Weise, wie Musik speziell für Lerner aufbereitet wurde. „Und das ist es, was es für uns so spannend gemacht hat.“

Spaßfaktor statt Langeweile

Bandtagebuch mit EINSHOCH6 Elfenbeinküste 2014 (DW)

Auch die Schüler in der Elfenbeinküste sind begeistert!

Kurt, der sich in seinem eigenen Deutschunterricht während der Schulzeit immer gelangweilt hat, schätzt den besonderen Spaßfaktor des Projekts. Dass es hier möglich ist, „eine richtige Band, die auch wirklich existiert, kennen zu lernen“, findet er wesentlich attraktiver als „einfach nur verstaubte, alte, gedruckte Deutschbücher“ auswendig zu lernen. Das Bandtagebuch wird derweil weiter auf Tour gehen, um mehr Spaß in den Deutschunterricht bringen.

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