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Top-Thema – Podcast

Deutsch jenseits von "Blitzkrieg"

Längst sind es nicht mehr nur Militärausdrücke aus der Nazizeit, die den Weg in andere Sprachen gefunden haben. Germanismen werden weltweit verwendet und gelten sogar als schick.

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"rollmop" - das ursprünglich deutsche Wort wird auch in England und Amerika verwendet

Besonders im englischsprachigen Raum schmücken " bildungsbürger" ihre Schrift und Sprache immer häufiger mit einem irgendwie deutsch klingenden "ersatz". " Schadenfreude" empfinden die Engländer und Amerikaner alleine schon mangels echter muttersprachlicher Alternative - ähnliches gilt für " wunderkind", " glockenspiel" und den " rollmop" [sic]. Die "angst" dagegen ist mittlerweile so fest als dunklere, psychologische Variante des englischen "fear" etabliert, dass sie bereits seit längerem in englischen Wörterbüchern zu finden ist. Meist sind es Journalisten, die die deutschen Ausdrücke als Erste benutzen, weil sie interessant klingen möchten. Diese werden dann im Lauf der Zeit von den Lesern übernommen und etablieren sich über kurz oder lang in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen.

Doch deutsche Sprachfragmente gibt es bei weitem nicht nur im angloamerikanischen Raum – sie sind in unterschiedlicher Ausprägung weltweit zu finden. Bei deutschen Sprachwanderungen sind bestimmte Muster zu beobachten: Immer dann, wenn Deutsche auf einem bestimmten Feld weltweit Maßstäbe gesetzt haben - sei es im Ingenieurswesen, in den Geisteswissenschaften, im Naturschutz - sind auch entsprechende Fachausdrücke exportiert worden, die sich dann langsam den Weg in die jeweilige Alltagssprache gebahnt haben. Gängige Beispiele sind Sigmund Freuds 'über'-Begriff als trendige Steigerungsform in der englischen Sprache, oder 'le waldsterben' im Französischen.

Für deutschsprachige Menschen sind Germanismen oft sehr lustig. Beispiele gibt es viele. So schreibt man auch in Tschechien den "líbesbríf", " wihaister" bedeutet Dingsbums in Polen und in Norwegen trinkt man nach dem Essen noch ein " nachspiel", sprich einen Absacker – alles ein Heidenspaß, nicht nur für Etymologen!

GLOSSAR

Germanismen (pl.) – deutsche Wörter in anderen Sprachen

schick – modisch

schmücken – verzieren

Bildungsbürger, der – Gesellschaftsschicht, die klassisches Bildung, Literatur, Wissenschaft und Staatsengagement als sehr wichtig betrachtet

mangels – weil etwas nicht vorhanden ist; weil etwas fehlt

Wunderkind, das – ein Kind, das etwas außergewöhnlich gut kann

Glockenspiel, das – ein Musikinstrument

Rollmops, der – ein in Salz und Essig eingelegter Hering

Variante, die – eine von mehreren Möglichkeiten, eine andere Form von etwas

etabliert – etwas das einen festen Platz in der Gesellschaft einnimmt

Sprachfragment, das – ein kleiner Teil, ein Bruchstück der Sprache

Ausprägung, die – hier: das Ausmaß

Maßstäbe setzen – Normen festlegen

sich den Weg bahnen – den Weg finden

gängig – üblich

trendig – modern, stylisch

Wihaister – Lautschrift für „Wie heißt er?“

Dingsbums, das – Umgangssprache für einen Menschen, einen Gegenstand oder schlicht eine Sache, dessen Name oder Bezeichnung man entweder nicht weiß oder einem nicht einfällt

Nachspiel, das – die Folge; die Konsequenz

Absacker, der – ein Gläschen Schnaps, das man nach dem Essen trinkt

Heidenspaß, der – ein besonders lustiger Spaß

Etymologie, die - Wissenschaftszweig, der die Herkunft der Wörter ergründet

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Audio und Video zum Thema

  • Datum 18.08.2006
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8yeN
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