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Europa

Deutsch-italienische Versöhnung

Schröder reist nach Italien. Sechs Wochen nach der Absage seines Italien-Urlaubs besucht der Kanzler zusammen mit EU-Kommissionschef Prodi in Verona eine Opernaufführung. Berlusconi ist auch dabei.

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Nicht nur am Telefon: Schröder und Berlusconi wollen sich auch wieder persönlich unterhalten

Rechtzeitig zum Beginn der Oper "Carmen" wird Gerhard Schröder am Freitagabend (22.8.2003) wieder italienischen Boden betreten. Organisiert wurde das Versöhnungstreffen mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi allerdings auf Umwegen.

Zunächst hatte sich Schröder nur mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi im norditalienischen Verona zum Gespräch und dem gemeinsamen Besuch der Oper "Carmen" verabredet. Erst später nahm Berlusconi eine Einladung von Veronas Bürgermeister Paolo Zanotto an, ebenfalls der Aufführung beizuwohnen. Von da war dann der diplomatische Weg auch zu seiner Begegnung mit Schröder am Samstagmorgen (23.8.2003) nicht mehr weit.

"Frage, ob man sich sehen könne"

Ohnehin sind beide Seiten bemüht, die Misstöne der vergangenen Wochen tief zu hängen. "Die politischen Differenzen, die es in der einen oder anderen Frage geben mag, sind nicht größer als die mit anderen europäischen Partnern auch", sagte Schröder kürzlich in Berlin, und mit Berlusconi habe er sich "ja nicht in den Haaren gelegen". Ein "Versöhnungstreffen" sei daher nicht notwendig, heißt es in Berlin. "Die engen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland könnten nicht besser sein", hatte zuvor bereits Berlusconi in der "Bild"-Zeitung versichert. Dass die Initiative von ihm ausging, wird allseits höflich verschwiegen. "Dann hat es die Frage gegeben, ob man sich sehen könne", lautet Schröders Sprachregelung.

Immerhin waren die Verstimmungen so gravierend gewesen, dass der Kanzler sich veranlasst sah, den Adria-Strand gegen Hannovers Maschsee einzutauschen. Erst hatte Berlusconi Anfang Juli 2003 den deutschen Europa-Abgeordneten Martin Schulz vor dem EU-Parlament als Idealbesetzung für die Filmrolle eines KZ-Aufsehers bezeichnet. Dann ließ der Ministerpräsident Schröder auflaufen, als er dessen Darstellung, Berlusconi bedaure den Vorfall, umgehend um die Bemerkung ergänzte, für eine Entschuldigung sehe er keinen Anlass. Schließlich bezeichnete Italiens Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani Touristen aus Deutschland als "supernationalistische Blonde", die lärmend über Italiens Strände herfielen. Als auch er sich nicht entschuldigen wollte, war bei Schröder das Maß voll.

Realpolitische Gründe

Selbst als Stefani wenig später zurücktrat, blieb er in Hannover. Schröder verteidigte kürzlich seine damalige Entscheidung als notwendig. Das Verhältnis zu Italien sei nach seiner Urlaubsabsage nicht schwieriger geworden. "Leichter ist sie auch nicht geworden", fügte Schröder hinzu. Ergänzend wies der Kanzler jetzt darauf hin, dass es für den wieder freundlicheren Umgangston handfeste realpolitische Gründe gibt. Beide Seiten seien "auf ein sehr gutes Verhältnis angewiesen", in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Darüber hinaus stehen auf EU-Ebene wichtige Entscheidungen an. "Das gemeinsame Interesse, das wir an Europa haben, ist, dass die europäische Verfassung unter italienischer Präsidentschaft beschlossen wird, und dass damit die italienische Präsidentschaft ein Erfolg für Europa wird. Dies steht im Vordergrund", stellte Schröder klar.

Allerdings schienen der sozialdemokratische Arbeitersohn aus Hannover und der populistisch-konservative Multimillionär aus Mailand bislang auch persönlich ganz gut miteinander klarzukommen. Gemeinsame Fußball-Begeisterung und auch des Kanzlers Sympathien für die italienische Lebensart wurden bei Begegnungen gern medienwirksam zur Schau gestellt. Bei den deutsch-italienschen Konsultationen im März 2003 in Bremen ließen beide grundlegende Differenzen in der Irak-Frage nicht in den Vordergrund treten. "Ich weiß, dass ich Dich nicht überzeugen kann und Du weißt, dass Du mich nicht überzeugen kannst", lautete die gemeinsame Formel.

Gemeinsamer Einzug des Trios

Beim anstehenden Besuch Schröders in Italien sollte es keine größere inhaltlichen Differenzen mit Berlusconi geben. Die sind eher zwischen den sich eigentlich politisch näher stehenden Operngästen Prodi und Schröder vorhanden: Besonders die geplante deutsche LKW-Maut sorgte für Zwist mit Brüssel. Offizielle Tagesordnungen gibt es jedoch für keines der Gespräche. Insofern bleibt Raum für politische Symbolik. So will sich Berlusconi bereits am Freitag zur Begegnung Schröders mit Prodi hinzugesellen, damit das ungleiche Trio dann gemeinsam zu "Carmen" in die 2000 Jahre alte Arena von Verona einziehen kann. (mik)

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