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Deutschland

Deutsch- Israelischer Schulbuchdialog

Schulbücher in Deutschland und Israel geben vom jeweils anderen Land ein unzureichendes Bild wieder. Die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission hat Empfehlungen, die teils einseitigen Darstellungen zu korrigieren.

"Krisenherd Nahost" – "Israel, Krieg ohne Ende ?" – "Siedlungspolitik liefert weiter Konfliktstoff" – solche und ähnliche aktuelle Schlagzeilen beherrschen etliche Kapitel zu Israel in deutschen Schulbüchern. Israel erscheint überwiegend im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Andere Aspekte zu dem Land fehlen. Dabei seien die Schulbuchautoren aber überwiegend bemüht, die Sachverhalte objektiv und ausgewogen zu beschreiben, stellen die Bildungsfachleute fest, die in den Jahren von 2011 bis 2014 über 400 Schulbücher in den Fächern Geschichte, Geografie und Sozialkunde analysiert haben. Koordiniert und gefördert hat die Untersuchung von israelischen und deutschen Forschern das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig. Es ist seit 40 Jahren bemüht, die schulische Bildung weltweit zu verbessern und beschäftigt sich auch mit Lehrplänen aus 160 Ländern.

Frau Prof. Simone Lässig - Foto: David Ausserhofer

Prof. Simone Lässig: "Es gilt einiges zu korrigieren".

"Israel findet als Zivilgesellschaft mit einer Normalität kaum statt und häufig mangelt es an sensibler Sprache", kritisiert die Direktorin des Georg-Eckert-Instituts, Professor Simone Lässig. Schulbücher in Deutschland beschreiben Israel mit oft "unreflektierten Bildern aus der aktuellen Berichterstattung". "Das führt zu Verzerrungen bei den jungen Lesern. Israel erscheint zu häufig nur als Aggressor". Dem Einwand vieler Schulbuchautoren, der politische und historische Hintergrund Israels sei zu komplex für den wenigen Raum, der in den deutschen Schulbüchern eingeräumt werde, möchten Simone Lässig und die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission gerne begegnen.

Es würde schon hilfreich sein, den Einfluss der Massenmedien und ihrer Bildsprache zurückzunehmen und mehr Sorgfalt bei den verwendeten Quellen walten zu lassen. "Wo bleiben zum Beispiel Betrachtungen zum Thema 'Israel als Demokratie'?", fragen Simone Lässig und ihre Fachleute, darunter viele Schulpädagogen. Nur in einigen bayrischen Geschichtsschulbüchern für die höheren Schulklassen habe man umfangreichere Kapitel zu Israel entdecken können. Darunter Seiten zum politischen System im Land.

Deutschlandbild endet 1945

Auch das Bild von Deutschland in israelischen Schulbüchern wird von den Schulbuchforschern bemängelt. Die Demokratieentwicklung werde kaum betrachtet. Auch fehle meistens die Einordnung, was Deutschland zur Einigung Europas beigetragen hat. "Vermisst haben wir zum Beispiel Beschreibungen darüber, wie Deutschland versucht hat, sich Israel wieder anzunähern", sagt Professor Simone Lässig vom Georg Eckert Institut im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Deutschland erscheint in israelischen Schulbüchern, vor allem im Fach Geographie, meist im Zusammenhang mit Wirtschaftsdaten oder Umweltschutz. Die Betrachtung der jüngeren Geschichte Deutschlands nach 1945 tauche nur selten auf. Gedeckt werde dies im übrigen durch den Lehrplan für Geschichte, der in Israel seit dem Jahr 2010 gilt. Der Plan sehe die Behandlung allgemeiner Geschichte nach 1945 nicht explizit vor, so schreibt die Schulbuchkommission. Erfreulicherweise habe das israelische Bildungsministerium bereits den Willen signalisiert, die Geschichte Deutschlands nach 1945 stärker zu berücksichtigen.

Bibliotheksbenutzerin im Georg-Eckert-Instiut. Foto: Hanna-Luise Lass

Bibliothek im Georg-Eckert-Institut in Braunschweig

Feststellungen mit Leben füllen

Die Empfehlungen der Deutsch-israelischen Schulbuch-Kommission sind am Dienstagabend im Auswärtigen Amt vorgestellt worden. Die Komission wünscht sich, weitergehen zu können, als die Schulbuchkommission, die in den Jahren 1981 bis 1985 schon einmal Schulbücher in Israel und Deutschland untersuchte. "Unsere Hoffnung ist, in einen Dialog mit den Schulbuchautoren in beiden Ländern zu treten und gemeinsam zu überlegen, was wir verbessern können", erklärt die Direktorin des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung, Simone Lässig.

Angedacht sind im Rahmen des 50-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zum Beispiel Schulungen für Lehrer in den Fächern Geschichte und Sozialkunde in beiden Ländern. Wie aus dem Auswärtigen Amt zu hören ist, haben beide Seiten ein großes Interesse daran, den gesuchten Schulbuch-Dialog fortzuführen.