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Nahost

Deutsch-israelische Beziehungen: Die Normalität des Abnormalen

Ein normales Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ist nach dem Holocaust undenkbar. Ein freundschaftlich-solidarisches Verhältnis haben sich die Länder allerdings erarbeitet - auch wenn der Anfang schwer war.

Bundespräsident Horst Köhler legt in der Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem einen Kranz nieder

2005: Bundespräsident Köhler in der Gedenkstätte Jad Vaschem

Zwischen Deutschland und Israel könne es keine Normalität geben, sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede vor der Knesset. Das war im Jahr 2005, als beide Länder bereits 40 Jahre lang diplomatische Beziehungen pflegten. Noch viel stärker war dieses Gefühl des Nicht-Normalen im ersten Jahrzehnt nach dem Holocaust. Der jungen deutschen Demokratie war die moralische Verantwortung für den millionenfachen Mord an den Juden in die Wiege gelegt.

Das ungeheure Ausmaß des Holocaust ließ den Gedanken an Versöhnung zunächst wie Hohn erscheinen. Die erste Möglichkeit für Bundeskanzler Konrad Adenauer, einen Kontakt herzustellen, war Wiedergutmachung - finanzielle Entschädigung. Die Bundesregierung überwies seit 1952 insgesamt 3,45 Milliarden Mark an Israel, "um damit den Weg zur seelischen Bereinigung unendlichen Leides zu erleichtern", wie Adenauer es formulierte.

Darf man Hände schütteln?

Treffen Adenauer - Ben-Gurion: Guter Dinge sind der israelische Premierminister und der deutsche Bundeskanzler bei einem Treffen im New Yorker Waldorf-Astoria Hotel am 14.03.1960

1960: Adenauer und Ben Gurion in New York

Die Entschädigungszahlungen sind in Israel umstritten, weil mit Geld nichts gutzumachen sei. Jemals wieder einem Deutschen die Hand zu reichen, ist für viele Israelis völlig unvorstellbar. Nicht aber für den ersten Ministerpräsidenten David Ben-Gurion, der sich 1960 mit Adenauer in New York trifft und ihm freundlich begegnet. Seine Überzeugung: Deutschland habe sich geändert und sei nicht mehr Nazi-Deutschland. "Wir dürfen zwar nicht vergessen, was geschehen ist, aber wir dürfen auch unser Handeln nicht auf das begründen, was geschehen ist", sagt Ben-Gurion.

Für seine versöhnliche Haltung gegenüber Deutschland erntet Ben-Gurion innenpolitisch scharfe Kritik, während Adenauer für seine Annäherung an Israel von den arabischen Staaten unter Druck gesetzt wird.

"Relativ früh"

Als erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland überreicht Dr. Rolf Pauls (l) 1965 dem israelischen Präsidenten Salman Schasar sein Beglaubigungsschreiben

1965: Als erster Botschafter der Bundesrepublik überreicht Rolf Pauls (links) dem israelischen Präsidenten Salman Schasar sein Beglaubigungsschreiben

Im Jahr 1965 - 20 Jahre nach dem Krieg - nehmen die Bundesrepublik Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf. "Relativ früh", findet das der erste deutsche Botschafter Rolf Pauls, der in Israel mit Protesten empfangen wird.

Beide Länder tasten sich vorsichtig aneinander heran. Zwischen den Zivilgesellschaften entwickelt sich ein Netz von Kontakten, das die Beziehungen auch durch Krisen hindurch trägt. Für Israel ist wichtig, dass Deutschland sich in schweren Stunden solidarisch zeigt, zum Beispiel während der Kriege gegen arabische Nachbarländer.

Shimon Peres begrüßt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (März 2008)

2008: Shimon Peres begrüßt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel

Diesem Wunsch nach Solidarität kommt Deutschland jederzeit nach – auch 60 Jahre nach der Gründung des Staates Israel. "Deutschland trägt eine besondere Verantwortung gegenüber dem Staat Israel, seine Existenz zu schützen und seine Existenzberechtigung zu verteidigen", beschreibt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier einen Grundpfeiler der deutschen Außenpolitik.

Die Sprachlosigkeit gehört dazu

Diese Haltung führt aber auch dazu, dass die Bundesregierung in der Beurteilung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern befangen ist. Zur Unaufgeregtheit, die in die Beziehungen inzwischen eingekehrt ist, gehört immer noch eine gewisse Sprachlosigkeit. Auch diese Botschaft steckt im Satz des Bundespräsidenten von der Normalität, die es zwischen Deutschland und Israel nicht geben könne.

Eine Rede in Deutsch - auch im Jahr 2008 wollten nicht alle in der Knesset das hören. Aber die meisten Abgeordneten reagierten mit langem und freundlichem Beifall, als Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 60. Jahrestag der Staatsgründung gratulierte und beteuerte, Deutschland werde Israel nie allein lassen.

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