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Aktuell Nahost

Deutsch-irakische Initiative gegen IS-Vandalismus

Die IS-Terrormiliz geht nicht nur gnadenlos gegen Andersgläubige vor, auch Kulturschätze sind Ziel ihrer Zerstörungswut. Deutschland und der Irak haben bei den UN eine Initiative gegen diesen Vandalismus gestartet.

Tor in der antiken Stadt Nimrud - vor der Zerstörung (Foto: picture alliance)

Tor in der antiken Stadt Nimrud - vor der Zerstörung

Deutschland und der Irak haben einen gemeinsamen Entwurf für eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen gegen den Kulturvandalismus der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angekündigt. In dem in New York vorgestellten Papier wird die Staatengemeinschaft nach Angaben der deutschen UN-Vertretung aufgerufen, die Verantwortlichen für "kulturellen Vandalismus" zur Rechenschaft zu ziehen und mit strengeren Gesetzen den Handel mit gestohlenen Kunstschätzen zu unterbinden.

Außerdem wird die internationale Gemeinschaft in die Pflicht genommen, dem Irak bei der Dokumentation und Bewahrung seines antiken Erbes zu helfen. Die Resolution soll den Angaben zufolge in den kommenden Tagen in die UN-Vollversammlung eingebracht werden und könnte dort im Mai angenommen werden.

"Wiege der Menschheit"

"Der Irak ist eine Wiege unserer gemeinsamen Zivilisation", erklärte der stellvertretende deutsche UN-Botschafter Heiko Thoms. "Wir können ihn bei dieser Herausforderung nicht alleine lassen." Es sei höchste Zeit für ein gemeinsames Vorgehen der Weltgemeinschaft, sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer.

Der irakische UN-Botschafter Mohammed Ali Alhakim erklärte, dass die Zerstörung antiker Stätten "nicht nur Kriegsverbrechen und einem unersetzlichen Verlust für die Menschheit gleichkommt, sondern auch ein niederträchtiger Angriff auf die Bemühungen der irakischen Regierung ist, Versöhnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen allen Irakern zu erreichen". Der UN-Sicherheitsrat hatte im Februar bereits eine Resolution verabschiedet, die unter anderem den Verkauf von Antiquitäten aus Syrien und dem Irak verbietet.

Aufnahme aus dem IS-Video über die Zerstörung von Nimrud (Quelle: Youtube)

Aufnahme aus dem IS-Video über die Zerstörung von Nimrud

Systematische Zerstörungen

Die IS-Dschihadisten sind in ihrem Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien systematisch dabei, das geschichtliche Erbe beider Länder auszulöschen. Dabei berufen sie sich auf ein in ihrer fundamentalistischen Interpretation des sunnitischen Islam verankertes Bilderverbot.

Danach sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da niemand außer Allah selbst angebetet werden dürfe. In den vergangenen Monaten zerstörte die IS-Miliz Exponate im Museum der irakischen Stadt Mossul und richtete in den antiken Stätten Nimrud, Chorsabad und Al-Hadra schwere Verwüstungen an.

Ein kürzlich von den Extremisten veröffentlichtes Video zeigt das ganze Ausmaß der Zerstörungen in Nimrud, in vorchristlicher Zeit Hauptstadt des Reiches der Assyrer. Die ins Netz gestellten Aufnahmen zeigen etwa, wie IS-Kämpfer Pulverfässer in einen Raum mit kunstvollen Darstellungen assyrischer Gottheiten rollen. Danach zeigt die Kamera eine gewaltige Explosion, die das UNESCO-Weltkulturerbe in Schutt und Asche legt.

Nach Angaben von Experten für Antiquitäten verkauft der IS aber auch Kulturschätze, die ihm in die Hände fallen, und zerstört nur diejenigen, die nicht transportiert werden können.

wl/qu (dpa, afp)