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Amerika

Deutsch-brasilianischer Handel: Gute Perspektiven

Der Handel zwischen Deutschland und Brasilien hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Eine gute Ausgangslage für die deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage, die zurzeit in Brasilien stattfinden.

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Logo der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage

In der Rangfolge der Handelspartner Deutschlands ist Brasilien nicht unter den ersten Positionen zu finden, allerdings wächst der Handel mit dem größten südamerikanischen Land. In den letzen zehn Jahren hat sich das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern mehr als verdoppelt, von 8,4 Milliarden Euro 1998 auf 18 Milliarden im Jahr 2008.

Wichtiger Partner

Damit ist Brasilien der achtgrößte Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU und der wichtigste in Lateinamerika, mit deutlichem Abstand vor Mexiko. "In den letzten fünf Jahre gab es für beide Seiten ein starke Wachstum im Exporte und Importe", sagt Ingo Plöger, von der deutsch-brasilianischen Außenhandelskammer São Paulo. "Wir hatten allerdings im ersten Halbjahr diesen Jahres einen Rückgang von 20 bis 25 Prozent aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise."

Ende des Schwellenland-Images?

Sao Paulo (Foto: ap)

Längst keine Schwellenregion mehr: Die Millionen-Metropole Sao Paulo boomt

Auch wenn Brasilien für Deutschland wirtschaftlich noch nicht so bedeutend ist wie Russland und China, so geht Peter Rösler, vom deutschen Unternehmerverband Lateinamerika Verein aus Hamburg davon aus, dass Brasilien als Markt Zukunft hat.

"Wir können auch sehen, dass Brasilien immer mehr von einen Schwellenland weg zu einem echten Industrieland wird. Deutschland hat den meisten Warenaustausch nicht mit Entwicklungsländern sondern mit Industrieländern", sagt Peter Rösler. "Je mehr Brasilien auch zu einem Industrieland wird, desto mehr gehe ich davon aus, dass der Warenaustausch zunimmt."

Starker Anstieg der Exporte

Aus brasilianischer Sicht gehört Deutschland bereits jetzt zu den wichtigsten Handelspartnern. Nach Daten des brasilianischen Handelsministeriums war Deutschland im Jahr 2008 der fünftgrößte Abnehmer brasilianischen Exporte und der viertwichtigster Lieferant von Importen.

Die brasilianischen Exporte nach Deutschland sind 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf knapp 8,9 Milliarden Dollar gestiegen. Die Deutschen kaufen vor allem Eisenerz, Kaffee und Soja.

Die Importe Brasiliens aus Deutschland stiegen sogar noch stärker um fast 39 Prozent und erreichten 12 Milliarden Dollar. Vor allem deutsche Maschinen, Chemie- und Elektrotechnikprodukte erfreuten sich großer Nachfrage in Südamerika.

Zukunftsmarkt: Neue Energien und Umwelt

Windrad (Foto: ap)

Sind erneuerbare Energien ein Zukunftsmarkt für Lateinamerika?

Peter Rösler vom Lateinamerika Verein sieht Raum für neue Märkte für deutsche Produkte in Brasilien, vor allem im Bereich erneuerbare Energien und Umwelttechnik. Auch für brasilianische Produkte gibt es noch ungenutzte Möglichkeiten im deutschen Markt.

"Es ist sicher in der Zukunft möglich, noch viel mehr Industrieprodukte nach Deutschland zu schicken. Ich will daran erinnern, dass die Lufthansa von kurzen die ersten Embraer-Flugzeuge gekauft hat. Und das ist nur ein Beispiel. Es gibt auch viele andere Möglichkeiten, wie im Landwirtschaftsbereich."

Ein Wachstum der brasilianischen Agrarexporte nach Deutschland - und nach Europa insgesamt - hängt allerdings stark von einer weiteren Liberalisierung der Märkte zwischen der EU und dem Mercosur, dem Gemeinsamen Markt Südamerikas, ab. Beide Seiten verhandeln seit Jahren ohne Erfolg über ein solches Handelsabkommen.

Im Juli kündigten spanische und brasilianische Diplomaten an, dass die Verhandlungen noch 2009 wiederbelebt werden sollen. Spanien übernimmt Anfang 2010 die Präsidentschaft der EU und hat schon Interesse gezeigt, das Thema wieder in die europäische Tagesordnung zu setzen.

Konkurrenz aus China

Spielzeugfabrik in China (Foto: ap)

Vor allem Spielzeug kommt aus China

Während die Europäer noch überlegen, ob sie mit Brasilien und dem Mercosur wieder über Freihandel sprechen wollen, sind chinesische Produkte in Lateinamerika bereits auf dem Vormarsch. Für Brasilien ist China hinter den USA heute schon der zweitwichtigste Handelspartner. Die Chinesen haben dabei schon das südlichen Nachbarnland Argentinien überholt.

Deutschland sollte China als einen langfristigen Konkurrenten in Brasilien sehen, meint Peter Rösler vom Lateinamerika Verein: "Wir spüren diese Konkurrenz noch nicht so stark, weil deutsche Produkte nach wie vor einen hohen Standard einhalten.

Massive Markt-Macht

Aus China kommen vor allem Produkte aus Bereichen wo eher mit brasilianischen Herstellern ein Konkurrenzverhältnis besteht, wie zum Beispiel Textilien oder Spielwaren." Aber die Tendenz sei sicher da und man müsse mit China als ernsthaften Konkurrenten rechnen, betont Peter Rösler.

Nach Angaben des brasilianischen Handelsministeriums wuchsen die chinesischen Exporte nach Brasilien zwischen 2007 und 2008 um 59 Prozent. Der Anteil Chinas an den Importen des südamerikanischen Landes beträgt heute 12 Prozent, fast doppelt so hoch wie der Anteil Deutschlands.

Noch bis zum 1. September diskutieren in Vitória im Bundesstaat Espírito Santo über tausend Unternehmer und Politiker auf den 27. deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen. Zu Besuch sind unter anderem der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sowie die Chefin des brasilianischen Kabinetts Dilma Rousseff.

Autor: Alexandre Schossler

Redaktion: Johannes Beck