1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Deutsch-Boom in Indonesien

Deutsch ist als Fremdsprache in Indonesien sehr gefragt. Denn immer mehr bildungsbewusste Indonesier wollen ihre Kinder zum Studium ins Ausland schicken. Deutsche Universitäten liegen dabei besonders hoch im Kurs.

Junge Indonesier beim Deutschkurs im Goethe-Institut Jakarta (Foto: Thomas Latschan/DW)

Goethe-Institut Jakarta: Indonesier beim Deutschkurs

Stolz präsentiert Maria Fischer-Siregar ihre neuesten Zahlen: Rund 4000 Indonesier, sagt die Sprachkurskoordinatorin des Goethe-Institutes in Jakarta, melden sich allein hier jedes Jahr zum Deutschkurs an. Aus den Klassenräumen ihres Institutes hört man Sprachübungen. In den Intensivkursen kämpfen junge Indonesier angestrengt mit den Tücken der deutschen Grammatik.

Zum Studieren nach Deutschland

Daniel Leon und Imanuel Hakiki (Foto: Thomas Latschan/DW)

Daniel Leon und Imanuel Hakiki wollen unbedingt nach Deutschland

Die meisten der Deutschlerner hier sind jung, zwischen 20 und 30, kommen meist frisch von der Schule oder haben gerade ihr Grundstudium absolviert. Jetzt wollen sie den nächsten Schritt wagen und zum Studium nach Deutschland gehen. Einer von ihnen ist Daniel Leon. Der junge Mann hat in Jakarta bereits sein Grundstudium in Medizin absolviert. Seit vier Jahren arbeitet er für eine private Klinik in der Hauptstadt. Doch im Sommer ließ Daniel sich beurlauben: "Seitdem lerne ich nur noch Deutsch", erzählt er, "fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag in einem Intensivkurs". Mit leiser Stimme und noch ein wenig unsicher erklärt Daniel, dass er jetzt den nächsten Karriereschritt anstrebt und eine Facharztausbildung zum Kardiologen absolvieren möchte. Dafür, sagt Daniel, will er unbedingt nach Deutschland, "weil Deutschland von allen europäischen Ländern das fortschrittlichste in Medizin ist."

Auch Imanuel Hakiki möchte zum Studieren nach Deutschland. Der 19-Jährige, der von den anderen Kursteilnehmern nur Kiki genannt wird, gehört zu den Jüngsten im Kurs. Er hat gerade erst die Oberschule abgeschlossen. Dort hatte er bereits zwei Jahre Deutsch gelernt, jetzt will er seine Kenntnisse vertiefen. Schon Indonesiens früherer Staatspräsident Jusuf Habibie hatte in den 1950er Jahren in Deutschland an der RWTH Aachen Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Kiki hat sich Habibie zum Vorbild genommen: "Habibie ist sehr klug und sehr bekannt in Indonesien", sagt Kiki, "und wie er möchte auch ich etwas Technisches in Deutschland studieren - am liebsten Umwelttechnik in Braunschweig."

Gute Qualität, kaum Gebühren

Ausländische Studenten an einer deutschen Universität (Foto: dpa)

Junge Indonesier erhoffen sich von deutschen Unis ein hochwertiges Studium

Insgesamt gebe es rund 100.000 Indonesier, die Deutsch lernen, schätzt Fischer-Sirigu, gerade auch an den staatlichen Schulen. Unter den Fremdsprachen, die dort gelehrt werden, nimmt Deutsch mittlerweile nach Englisch den zweiten Rang ein. Das liege nicht zuletzt am hervorragenden Bild, das viele Indonesier von Deutschland hätten. "Deutsche Technik, deutsche Effizienz, auch deutscher Fußball – das alles wird hier hoch geschätzt und steigert auch das Interesse an der deutschen Sprache", sagt Fischer-Siregar. Außerdem sei die Aussprache der indonesischen sehr ähnlich, was es für viele Indonesier leichter mache, Deutsch zu lernen.

Dass sich so viele junge Indonesier für ein Auslandsstudium in Deutschland interessieren, hat für Maria Fischer-Siregar noch weitere Gründe: Zum einen sei Deutschland dafür bekannt, dass seine Universitäten einen hohen Standard besäßen und dass dieser Standard auch an allen Universitäten mehr oder weniger gleich sei. Zum anderen habe die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen in Deutschland zu einer besseren Vergleichbarkeit der Abschlüsse mit dem indonesischen System geführt. Und außerdem sei ein Auslandsstudium in Deutschland deutlich günstiger als etwa in Australien oder in den USA, wo viele Universitäten hohe Studiengebühren verlangen und auch die Lebenshaltungskosten höher sind.

Eine Perspektive in Deutschland?

Das Goethe-Institut in Jakarta (Foto: Thomas Latschan/DW)

Das Goethe-Institut in Jakarta verzeichnet steigende Teilnehmerzahlen

Das Geld spielt für die Familien von Daniel und Kiki eine große Rolle. Die beiden sind Kinder aus der wachsenden städtischen Mittelschicht in Indonesien. Viele Indonesier haben vom wirtschaftlichen Aufschwung des Landes in den letzten Jahren profitiert und wollen ihren Kindern jetzt bessere Berufschancen durch ein Auslandsstudium ermöglichen. Doch das kostet viel Geld, vor allem wenn man bedenkt, dass das Durchschnittseinkommen in Indonesien gerade einmal rund 50 Euro im Monat beträgt. Gleichzeitig erzeugt es auch einen gewissen Leistungsdruck: Kiki erzählt, dass sein Vater ihm verboten habe, nach Indonesien zurückzukommen, bevor er nicht einen deutschen Masterabschluss besitze.

Aber das, sagt Kiki, habe er auch gar nicht vor. Wenn es nach ihm ginge, würde er auch gerne über seine Uni-Zeit hinaus noch ein wenig im Ausland bleiben: Zwei Jahre lang würde er gerne in seinem Beruf Erfahrungen sammeln und danach noch promovieren. Erst dann möchte Kiki wieder zurück nach Indonesien. So wie er spekulieren viele Indonesier darauf, auch nach ihrem Studium noch einige Zeit in Deutschland zu verbringen. Deutlich höhere Gehälter und ein sicheres Sozialsystem erscheinen vielen verlockend. Auf der anderen Seite sucht Deutschland händeringend qualifizierte Fachkräfte im Ausland. "Da ergänzen sich zwei Bedürfnisse perfekt", erklärt Maria Fischer-Siregar vom Goethe-Institut in Jakarta. Auch Daniel Leon spielt mit dem Gedanken, über seine Facharztausbildung hinaus noch einige Jahre in Deutschland zu bleiben. "Wenn bei euch in Deutschland weiter Ärztemangel besteht", lächelt Daniel, "klar, warum nicht?"

Autor: Thomas Latschan
Redaktion: Gaby Reucher