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Politik

Deutsch-amerikanische Förmlichkeiten

Die "Washington Post" warnte kürzlich Amerikas Uni-Elite: Geben Sie sich in Deutschland bloß nicht als "Doktor" aus, wenn Sie einen amerikanischen PhD haben. Das kann Sie ins Gefängnis bringen!

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Christina Bergmann

Grund, so hieß es in dem Zeitungsartikel, sei ein Gesetz aus der Nazizeit. Ein amerikanischer PhD (Philosophiae Doctor) entspricht zwar dem deutschen akademischen "Dr". Aber nach dem Gesetz, so erklärte die Washington Post, dürften sich in Deutschland nur solche Gelehrte ein "Dr." vor ihren Namen setzen, die diesen auch im Land gemacht hätten. Ganz so ist es nun nicht mehr. Vor allem europäische Titel werden problemlos anerkannt. Aber es gibt in der Tat eine Menge Gesetze und Vorschriften zu dem Thema. Denn in Deutschland haben Titel offenbar noch eine besondere Bedeutung. Schließlich genügten dem Hauptmann von Köpenick einst eine Uniformjacke und ein sicheres Auftreten, um die Obrigkeit zum Narren zu halten.


Jeder Abschluss minutiös vermerkt

So widmet die Kultusministerkonferenz der "Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen" eine ganze Menge Internetseiten, auf denen haarklein nachzulesen ist, welche Hochschulabschüsse es in welchen Ländern gibt, welches die deutsche Entsprechung ist und wie es um die Anerkennung bestellt ist.

In den USA sieht man das alles etwas entspannter. "Nennen Sie mich Steven", schrieb mir ein Interviewpartner kürzlich schon bei der ersten Email. Der Mann war lange Jahre im Auswärtigen Dienst der USA, in den Achtzigern Botschafter in Osteuropa, ist Historiker und forscht am Holocaustmuseum. Eine, wie man in Deutschland so schön sagt, "Respektsperson". Er könnte sich Dr. nennen, denn er hat einen PhD. Doch darauf legt er offensichtlich keinen Wert. Und hält es damit wie viele Amerikaner, die eine Anrede mit "Dr." als zu pompös und Aufmerksamkeit heischend ablehnen – es sei denn, es handelt sich um einen Arzt.

Dann lieber ohne Namensnennung

In Emails habe ich mit der formlosen Anrede inzwischen kein Problem mehr. Bei einem persönlichen Treffen finde ich das nicht so einfach und versuche manchmal, eine Namensnennung ganz zu vermeiden. Was hier eigentlich extrem unhöflich ist. Deutsche, die länger in den USA leben, reden sich untereinander übrigens oft mit dem Vornamen an – bleiben aber dennoch beim förmlichen "Sie".