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Studieren in Deutschland

Deutsch als Zweitsprache

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen heute mit mehreren Sprachen auf. Wie das in der Schule berücksichtigt werden kann, damit beschäftigte sich eine internationale Konferenz an der Universität Hildesheim.

Deutsch mit Schrift auf der Tafel © HandmadePictures #30716692

Symbolbild Deutschunterricht

Das Erlernen einer oder sogar mehrerer Fremdsprachen ist in Deutschland in den weiterführenden Schulen Pflicht. Doch auch in ihren Elternhäusern sprechen mittlerweile immer mehr Kinder zwei oder sogar mehrere Sprachen. Was das für Schule und Gesellschaft bedeutet, erforschen Wissenschaftler sei einigen Jahren und tauschen sich darüber auch international aus. Etwa auf der weltweit größten "Konferenz zum Zweit- und Fremdsprachenerwerb Deutsch", die gerade an der Universität Hildesheim stattfand. Dort ist Elke Montanari Professorin für Deutsch als Zweitsprache. Ein Fach, das in der Lehrerausbildung immer wichtiger wird.

Deutsche Welle: Frau Montanari, was genau bezeichnet man als Zweitsprache?

Montanari: Der wichtigste Unterschied zwischen der Fremdsprache und der Zweitsprache zeigt sich in der Verwendung der Sprache. In der Begriffstradition haben wir zunächst nur den Begriff der "Fremdsprache" verwendet, bis dann Folgendes deutlich wurde: Wenn Menschen in zwei Sprachen leben und in der zweiten Sprache ihre Kinder ansprechen, ihre Partner ansprechen, dann ist das keine fremde Sprache, sondern eine zweite Sprache.

Diese Art, mehrere Sprachen im Alltag zu verwenden, gehört doch schon lange zur Gesellschaft in Deutschland. Kinder sprechen mit ihren Eltern zum Beispiel Türkisch, Urdu oder Englisch – und mit ihren Lehrern Deutsch. Warum ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Zweitsprache jetzt so wichtig geworden?

Elke Montanari ist Sprachwissenschaftlerin und befasst sich damit, wie Kinder mehrere Sprachen erwerben

Elke Montanari

Es ist zum Glück, auch dank der PISA-Vergleichsstudien, in der Bildungspolitik angekommen, dass wir in Deutschland viele Schülerinnen und Schüler mit besonderen Potenzialen haben, für die wir in der Schule auch besondere Angebote bereitstellen sollten. Zum Beispiel Angebote, die ihre Mehrsprachigkeit anerkennen und ihnen helfen, diese Mehrsprachigkeit weiter zu entwickeln. Wichtig ist, dass wir in der Schule beginnen, über das Thema Zweitsprache zu reden. Manche Kinder lernen zum Beispiel Ortsbezeichnungen wie "in", "auf", "über" oder "unten" nebenbei, andere tun sich dabei – je nach Herkunftssprache – sehr schwer. Deshalb ist es wichtig, solche Wörter nicht einfach in der dritten Klasse als Vokabel abzufragen, sondern das muss mit den Schülerinnen und Schülern auch thematisiert werden.

Wer wäre in der Schule dafür verantwortlich: Machen das die Fachlehrer nebenbei oder wird es Lehrer speziell für den Zweitspracherwerb geben?

Im Moment gibt es in vielen Bundesländern große Bestrebungen, dass die Frage, wie unterrichte ich Deutsch als Zweitsprache, stärker in die reguläre Lehrerbildung integriert wird. Also dass wir unsere späteren Lehrkräfte, egal, welches Fach sie unterrichten, mit dem Thema vertrauter machen.

Gibt es Länder, die diesbezüglich für Deutschland ein Vorbild sein könnten?

Ja, durchaus. In Kanada zum Beispiel gibt es sehr erfolgreich arbeitende sogenannte Immersionsschulen, deren Arbeit wissenschaftlich gut dokumentiert ist.

Das sind Schulen, in denen ein muttersprachlicher Ansatz verfolgt wird, d.h. die Pädagogen lehren die Fremdsprache ohne ständige Grammatikübungen.

Genau. Wir haben in Deutschland eine ganze Reihe Schulen, die davon gelernt haben. Und zwar auch, wenn es darum geht, zu sagen, wir investieren jetzt viel Geld, um das Thema wissenschaftlich zu begleiten. Die Universität Hildesheim zum Beispiel plant demnächst einen Masterstudiengang Deutsch als Zweitsprache.

Das Gespräch führte Svenja Üing.