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Afrika

Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative: Den Fremden zum Freund machen

Den anderen kennenlernen und begreifen: Die neue Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative will mehr jungen Afrikanern einen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen. Zurzeit gehen vor allem Deutsche nach Afrika.

Wenn Erick Crispin Nyoni an Hamburg denkt, fangen seine Augen an zu leuchten. "Das war eine tolle Zeit, die mir enorm viel gebracht hat", sagt der Mittzwanziger. Vor zwei Jahren bekam der Tansanier die Möglichkeit, über die Süd-Nord-Komponente des weltwärts-Programms von der Deutsch-Tansanischen Partnerschaft e.V. in einem Infozentrum für globales Lernen in der Hansestadt zu arbeiten. Seine Aufgabe: Jungen Deutschen mehr über afrikanische und tansanische Kultur beizubringen.

Wie Nyoni sollen nun mehr junge Leute aus Afrika die Möglichkeit erhalten, nach Deutschland zu kommen - für ein freiwilliges soziales Jahr über das sogenannte "weltwärts"-Programm, über einen Schüleraustausch oder eine andere bestehende Austauschinitiative. Mit einem Festakt in Bonn gab

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

jetzt den Startschuss für die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ), ein Gemeinschaftsprojekt des Ministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) mit der

Kommission der Afrikanischen Union

. Das Ziel: Bestehende Austauschprogramme stärker zu unterstützen und zu begleiten, um so nachhaltig die Partnerschaft Deutschlands mit afrikanischen Ländern zu stärken. Pilotländer sind Südafrika, Tansania und Benin.

Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative, Startschuss in Bonn (Foto: DW/Katrin Matthaei)

Hoffnungsvoll: Josefine Matysíak und Erick Crispin

Alles ist anders - und doch wieder nicht

Auch bei Josefine Matysíak glänzen die Augen, wenn sie sich an Ruanda erinnert, wo sie 2010 für ein Jahr in Kunst- und Sportprojekten mit Schülern gearbeitet hat. "Es gibt dort viel Wärme zwischen den Menschen", sagt sie. "Viele Ruander waren sehr interessiert an mir, haben viel gefragt oder wollten einfach nur was mit mir zusammen unternehmen." Der Kontakt sei unkompliziert gewesen. "Viele haben mich einfach angesprochen, was ich rührend fand. Das ist etwas, was mir in Deutschland manchmal fehlt." Sie habe sich anfangs in Ruanda auf eine völlig andere Mentalität und Kultur eingestellt, um dann festzustellen: "So unterschiedlich sind wir gar nicht."

Den Blick auf das andere Land oder den Kontinent verändern, sich selbst kennenlernen, herausfinden, was die eigene und die andere Kultur ausmacht und was man voneinander lernen kann, das empfinden sie beide als die wichtigste Erfahrung ihres Auslandsaufenthalts. Beide, Nyoni und Matysíak, sind in das Konferenzzentrum im früheren Bundestag gekommen, um die DAJ mit aus der Taufe zu heben. Sie hoffen, dass die Initiative auch

mehr Afrikaner nach Deutschland

bringt. Bislang ist das nicht so: So kamen etwa im vergangenen Jahr nur 72 junge Afrikaner mit dem Freiwilligendienst "weltwärts" nach Deutschland - dagegen reisten 1229 Deutsche über das Programm in afrikanische Länder.

Eine Chance für Jugendliche aus allen Schichten

Erick Nyoni versteht den Austausch als echte Hilfe zur Entwicklung. "Junge Leute bekommen die Chance, hier zu lernen und sich Fähigkeiten anzueignen, mit denen sie dann die Dinge in ihrem Land grundlegend verändern können." Das sei eine langfristige Investition und wesentlich nachhaltiger als Hilfsgelder, die afrikanische Staaten ohne eigenes Know-how nicht nachhaltig investieren könnten, glaubt Nyoni, der jetzt an einer tansanischen Uni das Fach Entwicklung studiert.

Bundespräsident Gauck grüßt junge Tansanier in Daressalaam (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Tansania ist Schwerpunktland in der deutsch-afrikanischen Entwicklungszusammenarbeit

Er selbst musste ziemlich kämpfen, bis er die Zusage für einen der zwei Plätze für Tansanier bekam. "Die Organisation hat ganz schön ausgesiebt, es hatten sich unglaublich viele Leute beworben", erinnert er sich. Bislang habe es einfach ein Missverhältnis gegeben, sagt er: "Das ganze weltwärts-Programm war vor allem auf den Nord-Süd-Austausch ausgerichtet - und nicht auf Süd-Nord." Die afrikanischen jungen Leute bekämen so aber nicht die Chance, ihren Blick auf Deutschland und Europa zu verändern. "Das Deutschlandbild in Afrika ist stark von den Medien bestimmt, es gibt viele Klischees, beispielsweise, dass alle Deutschen reich sind, was ja nicht stimmt."

Weil die Auswahl der Kandidaten über zivilgesellschaftliche Organisationen laufe, bestehe nicht die Gefahr, dass nur Jugendliche mit wohlhabenden Eltern an dem Programm teilnehmen könnten, findet Erick Nyoni. Er selbst ist das beste Beispiel: Seine Eltern leben auf dem Land in sehr bescheidenen Verhältnissen.

Initiative "lässt uns Flügel wachsen"

"Bis jetzt gab es keine Institution, die sich übergeordnet um deutschen und afrikanischen Jugendaustausch gekümmert hat", sagt Josefine Matysíak. Die Initiative könne jetzt die Organisationen untereinander vernetzen, hofft sie. Mit ihren Qualitätsstandards sorge sie dafür, dass Jugendliche durch ihr Auslandsjahr begleitet würden. Dazu gehören Ansprechpartner vor Ort, an die sie sich mit Problemen wenden können.

Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative, Startschuss in Bonn (Foto: DW/Katrin Matthaei)

Der frühere Bundestag bot die Kulisse für den Auftakt

Dass diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist in Südfarika das Anliegen von Roweena Stewart. Sie arbeitet für das Southern African weltwärts Network (SAwN). Darin vernetzen sich Austauschorganisationen in Südafrika, Botswana, Namibia, Lesotho und Mosambik mit dem deutschen Freiwilligenprogramm weltwärts. Junge Deutsche arbeiten dort etwa in Schulen, Waisenhäusern oder mit physisch oder psychisch kranken Kindern und Jugendlichen.

Stewart erzählt leidenschaftlich von der persönlichen Entwicklung, die junge Deutsche während ihres Auslandsaufenthalts in einem der Länder durchlaufen. Dass es jetzt die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative gibt, sieht sie als enorme Chance - und als Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit der Organisatoren in Afrika. "Das ist eine wunderbare Initiative, sie lässt uns Flügel wachsen, damit wir uns wirklich gut aufstellen und unsere Entwicklung voranbringen können", sagt Stewart.

Als das Interview zu Ende ist, schaut sie nachdenklich auf den Rhein, der direkt hinter dem früheren Bundestag in Bonn vorbeifließt. "Eigentlich ist der Fluss wie wir: Unsere Austauschprogramme sind wie lauter kleine Seitenarme, die in einen großen Fluss münden, und der fließt immer in eine Richtung: Zum Ziel der Verständigung zwischen den Menschen."

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