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Deutsch à la carte – ein persönlicher Erfahrungsbericht

Deutschlernen oder Deutschlehren ist wie ein abwechslungsreiches kulinarisches Menü. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, keine Magenbeschwerden mehr hat, isst die Speisekarte rauf und runter. Immer wieder.

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Deutsch à la carte – ein persönlicher Erfahrungsbericht – die Folge als MP3

Deutsch lernen? Warum? Wozu? Die Antworten könnten lauten: „Weil ich in Deutschland studieren will!“ Oder: „Weil meine Familie schon dort lebt.“ Oder: „Weil es mein Kindheitstraum ist, Deutschlehrerin zu werden.“ So oder so: Meist ist es eine bewusste Entscheidung, warum jemand Deutsch lernt. Bei mir war es die bewusste Entscheidung meiner Eltern. Im zarten Alter von sieben Jahren wurde ich auf ihren Wunsch hin in eine Schule mit erweitertem Deutschunterricht geschickt. Anfangs hatte ich gar keine Lust auf Deutsch. Aber bekanntlich kommt der Appetit mit dem Essen.

Spielerische Appetitanreger und lernintensive Appetithemmer

Symbolbild - Sprache

Buchstabensalat: Wer findet die versteckten Wörter am schnellsten?

Denn bald stellte sich heraus, dass Deutsch kein gewöhnliches Unterrichtsfach ist. In welcher anderen Stunde hätte man sich Filme anschauen oder Lieder singen können? Unsere Lehrerin wusste auch unseren Appetit anzuregen und hat immer die richtigen Zutaten für ihren Unterricht gewählt, nämlich Spiele. Ob Wortschatzmemo, Textpuzzle oder Pantomime – wir Schüler wurden immer mitgerissen, auch diejenigen, die sonst keine Lust zum Mitmachen hatten.

Trotz aller Freude, gab‘s auch einige Appetithemmer. Da unsere Klasse damals die einzige war, die so früh mit dem Deutschlernen angefangen hatte, wollte die Schulverwaltung immer unseren Fortschritt kontrollieren. Viel öfter als andere Schülerinnen und Schüler mussten wir verschiedene Prüfungen ablegen. Das bedeutete für uns: pauken, pauken, pauken!

Umgangssprachliche Appetithäppchen

Ein richtiger Leckerbissen für uns war da ein Austauschprogramm mit der Friedrich-Ebert-Realschule in Oberhausen, unserer deutschen Partnerschule. In der 9. Klasse konnten wir, ukrainische Schülerinnen und Schüler, nach Deutschland reisen und Kostproben der Alltagssprache nehmen.

Natürlich sammelten wir dabei sehr viele neue sprachliche Erfahrungen. Unsere deutschen Freunde haben uns mit allergrößter Freude umgangssprachliche Ausdrücke wie „keinen Bock haben“, „Du doofe Nuss!“, „bescheuert“ oder „glotzen“ als Appetithäppchen serviert – um nur ein paar Ausdrücke aus dem mehr als reichhaltigen umgangssprachlichen Menü zu erwähnen.

Deutsch ist keine Diätkost

Nachdem ich nun auf den Geschmack gekommen war und das Schuldeutsch mit bestem Appetit verzehrt hatte, schmeckte es nach mehr. Deswegen, keine Frage, musste ich im Anschluss Germanistik studieren! Allerdings hatte es der Hauptgang in sich. Nicht nur, dass fast alle Seminare und Vorlesungen in deutscher Sprache gehalten wurden – was das Studium manchmal auch um einiges komplizierter machte. Sauer stießen solche Fächer wie Theoretische Grammatik oder Textinterpretation auf.

Symbolbild - Bauchschmerzen

Deutsche Grammatik ist keine leicht verdauliche Speise!

Sodbrennenbekamen die meisten gar bei der schwer verdaulichen deutschen Grammatik. Viele Regeln, noch mehr Ausnahmen. Ganz zu schweigen von der Artikel-, Substantiv- oder Adjektivdeklination. Was richtige Verdauungsstörungen verursachte, waren die Wortstellung im Nebensatz und die Zeitformen. Trotzdem griffen viele nicht nach der Magentablette, sondern suchten noch nach Herausforderungen – beispielsweise das Plusquamperfekt perfekt zu beherrschen.

Notwendige Küchenhygiene – aber bitte nicht übertreiben!

Verdauungsstörungen hin, Magenbeschwerden her. Wem das Essen wirklich schmeckt, der überwindet auch das – und genießt weiter. Was aber nützt das leckerste Essen, wenn bei der Küchenhygiene geschlampt wird! Das ist in der Küche so – und auch beim Lernen. Ein korrekter Umgang mit sprachlichen Mitteln ist unbedingt notwendig. Wobei man im Unterschied zur Küche den Perfektionismus im Unterricht doch nicht übertreiben darf.

Denn nichts kann den Appetit aufs Deutschlernen so schnell verderben und das Essen versalzen wie Lehrer, die einen ständig unterbrechen und jedes kleine Fehlerchen korrigieren. Manchmal würde es ja völlig ausreichen, nur ein bisschen Salz dazu zu geben. Klar ist doch, was mein Schüler hier gemeint hat: „Auf diesem Foto seht ihr mich unter dem Reichstagskumpel“…, oder?

Kreativ, variabel – einfach empfehlenswert!

Ein unabdingbares Gewürz für Deutschlernende und –lehrende ist die Landeskunde. Je unmittelbarer, desto besser. Ansichtskarten, alte Bus- und Zugtickets, Christstollen oder sogar Mauerstücke. Diese Kleinigkeiten machen den Unterricht sogar so appetitlich, dass alles dann ganz weggeputzt wird. Deutsch ist meine Lieblingsspeise. Übersättigt bin ich nie. Denn ich kann jederzeit die Rezeptur ändern, so dass ein völlig neues Gericht entsteht. Sei es nur als Imbiss oder als Hauptgericht: Ich kann es nur empfehlen!






Arbeitsauftrag
Wie schmeckt euch Deutsch am besten? Findet euch in Kleingruppen zusammen und diskutiert darüber, wie ihr selber den Deutschunterricht „zubereiten“ würdet. Präsentiert danach eure Ergebnisse im Plenum und einigt euch darauf, was ihr unbedingt einsetzen wollt.

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