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Fußball

Deutliche Worte, aber milde Strafen

Seit Beginn der EM gab es mehrere Berichte über rassistische Zwischenfälle. UEFA-Präsident Michel Platini kritisierte vor allem die kroatischen Fans in scharfer Form. Eine harte Strafe blieb jedoch aus.

"Jede Form des Rassismus ist ein Problem", sagte Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), als er in Warschau eine Zwischenbilanz der EM in Polen und der Ukraine zog. "Ein Fall ist schon einer zuviel." Doch es ist nicht bei einem Zwischenfall in der Vorrunde geblieben. Schon vor dem Turnierstart wurden dunkelhäutige Spieler des Vizeweltmeisters Niederlande beim öffentlichen Training in Krakau mit Affenlauten beleidigt. Während des Spiels Kroatien gegen Italien verunglimpften kroatische Fans den italienischen Stürmer Mario Balotelli ebenfalls mit Affenlauten. Auch Bananen wurden nach ihm geworfen.

Rio Ferdinand: "Lächerliche Strafen"

UEFA-Chef Platini fand dafür ungewöhnlich drastische Worte. "Ich bin nicht glücklich über Kroatien. Sie haben ein Team, das guten Fußball spielt, aber wenn du ein paar hundert Arschlöcher im Stadion hast, ist das nicht akzeptabel", sagte der Franzose. Diese mehr als deutliche Botschaft erreichte die UEFA-Disziplinarkommission offenbar nicht. Sie verhängte gegen den kroatischen Verband wegen "ungebührlichen Verhaltens der Anhänger (rassistische Sprechchöre, rassistische Symbole)" lediglich eine Geldbuße von 80.000 Euro. Auf eine Spielsperre wurde verzichtet. "Die UEFA verteilt lächerliche Strafen für Rassismus und richtig fette für vergleichsweise winzige Vergehen", kritisierte Rio Ferdinand, ein englischer Nationalspieler mit karibischen Wurzeln. Er spielte damit darauf an, dass der dänische Spieler Nicklas Bendtner 100.000 Euro zahlen und ein Pflichtländerspiel aussetzen muss, weil er beim Torjubel seine Unterhose mit einem unerlaubten Werbeaufdruck gezeigt hatte.

Der italienischen Nationalspieler Mario Balotelli ruht sich beim Training aus. Foto: dpa-pa

Der italienische Nationalspieler Mario Balotelli wurde mit Bananen beworfen und beleidigt

Nur 3000 englische Fans in Donezk

Der dunkelhäutige frühere englische Nationalspieler Sol Campbell hatte vor der EM vor Rassismus in der Ukraine gewarnt und die englischen Fans aufgefordert, zu Hause zu bleiben: "Riskiert es erst gar nicht! Es könnte sein, dass ihr im Sarg nach Hause kommt." Sein Appell verklang offenbar nicht ungehört. Beim direkten Duell Ukraine gegen England (0:1) kamen nur 3000 Fans der "Three Lions" ins Stadion von Donezk, eine für englische Verhältnisse ungewöhnlich niedrige Zahl bei einem so wichtigen Spiel. Boxweltmeister Witali Klitschko aus der Ukraine bezeichnete die Diskussionen über Rassismus in seinem Heimatland als "aufgeblasenen Quatsch".

Özil wehrt sich

Auch die deutsche Nationalmannschaft blieb nicht von Rassismus verschont. Der türkisch-stämmige deutsche Nationalspieler Mesut Özil setzte sich mit einer Strafanzeige gegen Anfeindungen im Internet zur Wehr. Unbekannte hatten über ein gefälschtes Twitter-Profil angeblich im Namen der Piratenpartei gegen Özil gehetzt. Der Spieler selbst wollte sich dazu vor dem Viertelfinale gegen Griechenland nicht äußern und verwies auf seinen Vater Mustafa Özil, der ihn auch berät. "Mesut ist in Deutschland geboren, hat mehr für Deutschland und auch für die Integration anderer Menschen getan als viele andere", sagte Mustafa Özil. "Es geht ja hier nicht allein um Mesut. Morgen ist es vielleicht Boateng, übermorgen Khedira, dann auch noch Gündogan und am Ende Podolski. Das geht doch nicht."

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