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Deutschland

Deutlich weniger Drogentote in Deutschland

Während die Zahl der Drogentoten in Deutschland im vergangen Jahr gesunken ist, steigt die Zahl der Erstkonsumenten illegaler Drogen. Sorge bereiten vor allem Drogenlabore in Afghanistan.

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. 2011 starben 986 Menschen an den Folgen übermäßigen Konsums illegaler Drogen wie Kokain, Heroin, Ecstasy, Cannabis oder Haschisch. "Damit haben wir den niedrigsten Stand seit 1988, im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutet dies einen Rückgang von 20 Prozent", sagte Mechthild Dyckmans, Mitglied der Liberalen und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, am Montag in Berlin. 2010 starben hierzulande noch 1.237 Menschen an Drogen. Weiterhin bleibe die Haupttodesursache eine Überdosis von Heroin. Die Zahl derer, die allerdings durch den Konsum mehrerer Drogen zu Tode kämen, sei im vergangenen Jahr beträchtlich gestiegen, berichtete die Drogenbeauftragte vor Journalisten.

Weniger Drogentote, mehr Erstkonsumenten

Drogenszene in Berliner Szenebezirk Foto: Britta Pedersen

Drogenszene im Berliner Stadtteil Kreuzberg

Für sie ist die sinkende Zahl der Drogentoten ein Beweis, dass die Präventionsprogramme bei Bund und Ländern Wirkung zeigten. Der eingeschlagene Weg, über Methadon-Behandlungen, kontrollierte Drogenkonsumräume und Hygienemaßnahmen bei Spritzen, habe sich bewährt. "Die Ergebnisse bekräftigen, dass die Konsumenten illegaler Drogen durch staatliche Überlebenshilfeangebote immer älter werden, zugleich aber auch der Heroinkonsum in den jüngeren Altersgruppen immer weniger verbreitet ist." Erklärungen, wie sich der deutliche Rückgang der Zahl von Drogentoten um 20 Prozent erklären lässt, konnte die Drogenbeauftragte nicht präsentieren.

Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), warnte davor, sich auf den Erfolgen der Präventionsarbeit auszuruhen. Vor allem die stetig steigende Zahl der Erstkonsumenten sei besorgniserregend, sagte Ziercke. 2011 kletterte demnach die Zahl der an die Behörden gemeldeten erstauffälligen Konsumenten harter Drogen um knapp 15 Prozent. Damit gehörten etwa 21.000 Personen jener Risikogruppe an, deren Größe als wichtiger Gradmesser für die weitere Entwicklung der Drogenkriminalität gilt. "Zum achten Mal in Folge stieg die Zahl der Erstkonsumenten von Amphetamin und Methamphetamin an", sagte der BKA-Präsident. Unter Amphetaminen und Methamphetaminen werden synthetisch hergestellte Drogen und Designerdrogen zusammengefasst.

Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) mit der Drogenbeauftragten des Bundes Foto: Stephanie Pilick dpa/lbn

BKA-Chef Ziercke und die Drogenbeauftragte Dyckmans

Erfolge konnte Ziercke bei der Sicherstellung illegaler Drogen vermelden. Noch nie hätten die Behörden mehr synthetische Drogen beschlagnahmt als im vergangenen Jahr. Bei über 11.000 Einzelfällen wurden in Deutschland insgesamt 1,4 Tonnen Amphetamine und Methamphetamine sichergestellt, ein Anstieg um 17 Prozent. Zum besonderen Problem scheint nach BKA-Sicht vor allem die Partydroge "Crystal" zu werden. Dabei handelt es sich um ein kristallines Methamphetamin, bei dem die sichergestellten Mengen um 50 Prozent (40 Kilogramm) und die Erstkonsumenten-Zahlen um 164 Prozent (2112 Fälle) nach oben schnellten. Während die Behörden zudem mehr Ecstasy-Pillen beschlagnahmten, sanken die Sicherstellungszahlen bei Cannabis, Kokain und Heroin.

Afghanischen Drogenlaboren den Nachschub abschneiden 

Hauptursprungsland des in Europa und in Deutschland gehandelten Heroins bleibt nach den Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes Afghanistan. "Allein mit den aus der Opium-Produktion in Afghanistan hervorgehenden Heroin-Mengen, im Moment 600 bis 650 Tonnen, lässt sich der Weltmarkt mehr als sättigen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Zum Vergleich: Nach Statistiken der Vereinten Nationen konsumieren weltweit zwischen 12 und 14 Millionen Menschen Heroin, die verbrauchte Menge soll sich dabei auf 375 Tonnen jährlich belaufen.

Schlafmohnanbau in Afghanistan Foto: AP Photo/Dusan Vranic

Schlafmohnanbau in Afghanistan

Die UN-Studie, deren Zahlen im Januar veröffentlicht wurden, untermauert dabei Afghanistans traurige Rolle bei der weltweiten Drogenproduktion. So hat sich der Studie zufolge die Gesamtanbaufläche für Schlafmohn 2011 in Afghanistan noch einmal um sieben Prozent erhöht. Auf über 130.000 Hektar werde damit jene Pflanze angebaut, aus deren Milchsaft Roh-Opium gewonnen wird. Für das vergangene Jahr gehen Experten von einer Rohopium-Produktion von 5.800 Tonnen in Afghanistan aus.  

Im Kampf gegen den internationalen Drogenschmuggel setzt das Bundeskriminalamt auf die Zerstörung der Nachschubketten. "Wenn wir weder in die Produktion noch in den Anbau eingreifen können, dann müssen wir zumindest bei der Veredlung von Opiaten  eingreifen", sagte Ziercke. So könne der Transport chemischer Grundstoffe für die synthetische Drogenproduktion in afghanischen Laboren zusammen mit Anrainerstaaten stärker kontrolliert und unterbunden werden. Das zumindest ist die Hoffnung des BKA-Präsidenten: "Wenn es ohne Chemie kein Heroin geben kann, dann muss man die Chemie, die für die Heroin-Produktion nach Afghanistan eingeführt werden muss, bekämpfen." Mit der chemischen Industrie in Deutschland habe das BKA bereits entsprechende Abkommen unterzeichnet. Diese Praxis will Ziercke mit diplomatischen Initiativen auch auf die Nachbarländer in der Region ausweiten. Vorbild sei dabei die Zusammenarbeit mit den Behörden in Peru, mit denen das deutsche Bundeskriminalamt gemeinsam gegen Kokain-Kartelle ermittelt.