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Politik

Detroiter Automesse zwischen Depression und Hoffnung

Die diesjährige Autoshow in Detroit hat nichts mehr vom Glanz und Glamour früherer Jahre: Wirtschaftkrise, Auftragseinbruch und eine verfehlte Modellpolitik zwingen die Autokonzerne zu neuer Bescheidenheit.

Chinesische Arbeiter fertigen Ford-Modelle in einem Werk in Chonqing (dpa)

Sorgenkind Autoindustrie

Selten haben auf einer Messe tiefe Depression und zugleich hoffnungsvolle Erwartung die Atmosphäre so stark geprägt wie derzeit bei der Autoshow in Detroit. Am Eröffnungstag (11.01.2009) war es der stark gebeutelte US-Autogigant General Motors, der für den ersten Gefühlsmix dieser Art sorgte. Nach Jahrzehnten des Baus von Sprit schluckenden Straßenkreuzern präsentierte er nun mit dem Chevrolet Spark einen Kleinwagen, der sich mit 5,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer begnügen soll. Ein erster Hoffnungsschimmer, dem schon im kommenden Jahr die wirkliche automobile Revolution folgen soll - das Elektroauto Chevrolet Volt.

Arbeitnehmer-Kundgebung statt spektakulärer Show

Doch umsäumt wurde die Vorstellung des Spark von Hunderten von GM-Mitarbeitern, die Plakate mit der trotzigen Aufschrift „Gekommen, um zu bleiben“ schwenkten und damit einmal mehr auf die katastrophale Lage des größten Autobauers der Welt aufmerksam machten. Zum Vergleich: Vor einem Jahr noch ließ etwa Chrysler zur Präsentation eines neuen Pick-ups spektakulär eine Herde Longhorn-Rinder vor die Messehalle treiben.

Präsentation eines Jaguar-Modells in Detroit im Jahr 2005 (ap)

Ein Bild aus besseren Tagen: Präsentation eines Jaguar-Modells in Detroit im Jahr 2005

Kein Zweifel: Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise und dramatischer Absatzeinbrüche hat in der Cobo Hall, Detroits Messezentrum unweit der GM-Zentrale, Bescheidenheit Einzug gehalten. Bereits seit Jahren kämpfen die US-Konzerne GM, Ford und Chrysler – die einstigen "Big Three" - mit Milliardenverlusten, mussten sie schon hunderttausende Stellen abbauen. GM und Chrysler retten derzeit nur Notkredite der Regierung vor dem Aus. 2009 wird für die US-Hersteller zum Schicksalsjahr. Ein mächtiges Wort hat dabei der künftige US-Präsident Barack Obama mitzusprechen: Er muss rasch nach seiner Amtseinführung am 20. Januar über weitere lebenserhaltende Milliardenspritzen entscheiden.

Smart und Mini als Retter

Die deutschen Autobauer stehen im Vergleich dazu noch ganz gut da. Auch sie verzeichneten zuletzt schmerzhafte Einbußen in den USA, doch so schlimm wie die drei Amerikaner und den japanischen Riesen Toyota, der ebenfalls im vergangenen Jahr dramatische Absatzeinbrüche in den USA erlitt, erwischte es Mercedes, BMW, VW & Co nicht. Der Gesamtabsatz der deutschen Hersteller sank im vergangenen Jahr in den USA um sechs Prozent auf rund 890.000 Fahrzeuge. Der Marktanteil stieg um einen Punkt auf annähernd sieben Prozent, weil andere noch weit mehr verloren.

Das verdankten die Deutschen vor allem ihren kleinen und Sprit sparenden Modellen. So verhinderten 2008 bei BMW und Daimler in den USA nur die Erfolge von Mini und smart einen noch größeren Absatzeinbruch - nicht zufällig baute Daimler gegenüber dem Messezentrum in Detroit einen Smart-Tower auf. Auch VW ist mit dem Jetta gut vertreten und erwägt nun, den Kleinwagen Polo in den USA auf den Markt zu bringen. Vorantreiben wollen die deutschen Hersteller, die in ihrem angestammten Oberklassen-Segment zuletzt Federn lassen mussten, nun auch besonders den Absatz von Diesel-Fahrzeugen, die in den USA von einem Siegeszug wie in Europa allerdings noch weit entfernt sind.

Öko-Trend setzt sich durch: Elektro und Hybrid

das Toyota-Hybrid-Modell Prius (Toyota)

In den USA erfolgreich: das Toyota-Hybrid-Modell Prius

Punkten sollen die deutschen Karossen vor allem aber mit umweltfreundlicher Technologie. Spritsparende Modelle und Fahrzeuge mit alternativen Antrieben wie Elektro und Hybrid - auf diesen Zug aber versucht die gesamte in Detroit vertretene Autobranche aufzuspringen. So will auch Ford die Entwicklung von Elektroautos vorantreiben und bereits im kommenden Jahr ein ausschließlich batteriebetriebenes Fahrzeug auf den Markt bringen. 2011 soll dann ein auf der Plattform des Focus basierender Kleinwagen vorgestellt werden, der Lithium-Ionen-Akkus an Bord hat. Als anfängliches Produktionsvolumen sind bis zu 10.000 Autos pro Jahr geplant.

Doch trotz aller ambitionierten Projekte braucht eine wirkliche Wende in der Modellpolitik viel Zeit. Bis zum massenhaften Absatz etwa von Elektroautos dürften nach Experten-Einschätzung noch Jahre vergehen – und damit noch so manches Klagelied über das Sorgenkind Automobilindustrie angestimmt werden. (sti)

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