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Wissen & Umwelt

Dessau - Modellregion für Klimaschutz 2.0

Die Stadtwerke Dessau standen lange vor einem Dilemma: Weil es günstiger war, verfeuerten sie lange Braunkohle, statt die eigenen Gaskraftwerke zu nutzen. Doch damit soll nun Schluss sein.

Schaufelradbagger in Dessau (Foto: Jutta Schwengsbier).

Neues Dessau: Der Schaufelradbagger nur noch als Industriedenkmal, die Seenlandschaft eine Touristenattraktion

Trotz klimaschädigender Wirkung boomt die Kohleverstromung in Deutschland. Verantwortlich dafür sind laut einer neuen DIW Studie aber nicht nur die niedrigen Preise für Kohle, sondern auch für CO2-Zertifikate. Am Ergebnis lässt die Studie keinen Zweifel: Emissionsärmere Gaskraftwerke werden aus dem Strommarkt gedrängt und die Bundesregierung wird ihr Klimaschutzziel deutlich verfehlen! Die will die Studie nun mit einem "Klimaschutzaktionsprogramm 2020" kontern und am 3. Dezember 2014 Maßnahmen vorstellen, wie Deutschland seine Ziele doch noch erreichen kann.

Thomas Zänger spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle: Der Geschäftsführer der Dessauer Stadtwerke gehört zu einer aus verschiedenen Akteuren bestehenden "Energieavantgarde", die gemeinsam mit dem Dessauer Bauhaus und der Landesenergieagentur an neuen Energiekonzepten arbeitet.

Angewandte Kunst als Transmissionsriemen des Strukturwandels

Ferropolis-Schild in Dessau (Foto: Jutta Schwengsbier).

Ferropolis: Von der Industriebrache zur Touristenregion

Die Visionen der Regional- und Städteplaner in Dessau hatten schon aus dem alten Braunkohle-Tagebau ein industrielles Gartenreich entstehen lassen. Mit Schaufelradbaggern als Industriedenkmälern und mit einer Seenlandschaft als Touristenattraktion. "Wenn aus einer zerstörten Industriebrache eine Touristenregion entstehen soll, braucht man ein völlig neues Image", sagt Rolf Kuhn. "Dann reicht Badestrand und Boot fahren nicht aus."

Der ehemalige Bauhausdirektor hat der Region deshalb zum Beispiel mit schwimmenden Häusern ein ganz neues Gesicht gegeben. Aus seinen Visionen entstand

Ferropolis

.

An die "Stadt aus Eisen", wo die Bagger noch vor zwei Jahrzehnten Kohle förderten, grenzt heute ein großer See. Aus dem ehemals wichtigsten Versorgungszentrum für Energie in der DDR ist inzwischen eine der beliebtesten Eventlokalitäten in Ostdeutschland geworden. Den Konzertbesuchern und Touristen folgten bald die Investoren. Dadurch ist Sachsen-Anhalt zu einem wichtigen Standort für Erneuerbare Energie in Deutschland aufgestiegen, erläutert Marko Mühlstein, Geschäftsführer der Landesenergieagentur. "Sachsen Anhalt ist Vorreiter im Bereich der Erneuerbaren Energien. Mit 2400 Windkraftanlagen und über 330 Biogasanlagen. Jede zweite Kilowattstunde, die in Sachsen-Anhalt verbraucht wird, kommt aus Erneuerbaren Energien."

Das Ziel: Erneuerbare Energien nutzen statt Kohle zu verfeuern

Diese Erneuerbaren Energien nun auch vor Ort zu nutzen, ist ein wichtiges Ziel der Energieavantgarde. "Statt wie bisher Windräder oder Solaranlagen abzuschalten, wenn kein Bedarf da ist", sagt Zänger, "investieren wir demnächst in Wärmespeicher. Technisch ergibt das wenig Sinn, ist inzwischen aber wirtschaftlich." Der Energiemanager ist überzeugt: "Zu bestimmten Zeiten wird Solarstrom schon bald kostenlos sein. Spätestens dann wird die Solarenergie die Kohle ganz aus dem Markt drängen. Und spätestens dann wird man auch wieder über Themen wie Wärmespeicher reden.

Auch wenn Thomas Zänger zurzeit hauptsächlich noch Kohle verfeuert, er und seine Stadtwerke haben sich längst auf den Aufbau einer dezentralen, auf Erneuerbaren Energien beruhenden Stromversorgung eingestellt. Nach dem Ende des Braunkohle-Tagebaus sollen in Sachsen-Anhalt nun auch die konventionellen Großkraftkraftwerke Schritt für Schritt durch eine dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien ersetzt werden. Damit wäre die "Energieavantgarde" von Dessau, das Bauhaus, die Landesenergieagentur und die Stadtwerke, einer der Vorreiter auch beim Klimaschutz.

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