1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Designer-Stühle: Made in Germany

Ob Picasso, Charlie Chaplin oder Angela Merkel - auf diesen Stühlen hat schon so manche berühmte Persönlichkeit gesessen. Das deutsche Unternehmen Thonet hat Möbelgeschichte geschrieben.

Thonet-Stühle in in die Wand eingelassenen Fächern im Showroom. Quelle: Nina Plonka

Die Stuhlwelten von Thonet

Mit lautem Zischen öffnet sich der Dampfkessel. Ein Arbeiter nimmt einen Stab aus massivem Buchenholz heraus. Zwei Stunden lang lag das feuchte Holz bei mehr als 100 Grad Celsius im Kessel, nun lässt es sich für kurze Zeit formen. Zwei Arbeiter spannen den Stab in eine Metallschiene und biegen ihn zu einer Rückenlehne, bevor sie ihn mit Schraubzwingen befestigen.

Mitarbeiter schneidet Lederteile in der Stuhlfabrik aus. Quelle: Nina Plonka

In der Polsterei berechnet ein Computer die Schnittmuster, damit wenig Verschnitt entsteht

Die sogenannte Bugholztechnik hat Firmengründer Michael Thonet vor etwa 170 Jahren erfunden. Dieses Verfahren revolutionierte nicht nur das Möbeldesign, sondern auch die Produktion. Von nun an konnte Thonet Stühle in großer Stückzahl serienmäßig fertigen. Außerdem ließ er sie demontiert und platzsparend in großen Kisten stapeln, um sie günstiger in die ganze Welt zu verschiffen. "Was IKEA heute macht, gab’s schon vor 150 Jahren,“ sagt Marketingchef Peter Thonet.

Klassiker aus Holz und Stahl

Brauner Holzstuhl mit gebogener Lehne und geflochtenem Rückenteil. Quelle: Thonet

Der Klassiker: Ein Kaffeehaus-Stuhl, den fast jeder kennt

Noch heute stellt Thonet im hessischen Frankenberg mit 170 Mitarbeitern Bugholzklassiker her. Der Stuhl Nr. 214 (damals Nr. 14) ist das berühmteste Produkt. Weltweit sind schätzungsweise 70 Millionen Variationen des Kaffeehausstuhls mit der gebogenen Rückenlehne und der geflochtenen Sitzfläche im Umlauf.

Doch nicht nur Holzmöbel haben Thonet bekannt gemacht. Stahlrohrmöbel im Bauhausstil werden seit den 1930ern in die ganze Welt exportiert. Mit den so genannten Freischwingern von berühmten Designern wie Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe produzierte Thonet bedeutende Möbelstücke des 20. Jahrhunderts.

Tradition und Innovation

Bauhaus-Stahlrohrstuhl mit hellem geflochtenem Bezug. Quelle: Thonet

Bedeutendes Design: Der Bauhaus-Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe

Es ist ein großes Erbe, dass die Geschäftsführer des 1819 gegründeten Familienunternehmens tragen. Seit April führen die Thonet-Brüder Peter und Phillip die Firma gemeinsam mit einem externen Geschäftsführer. Roland Ohnacker besitzt jedoch keine Anteile am Unternehmen. „Wir wollen und wir werden ein Familienunternehmen bleiben“, daran gibt es für Peter Thonet keinen Zweifel. Ohnacker soll neue Impulse und Ideen „von außen“ einbringen.

Peter Thonet ist stolz auf die Leistungen seiner Vorfahren und sieht eine Verpflichtung darin, deren Errungenschaften nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch weiterzuentwickeln. "Wir versuchen immer wieder neue Produkte auf den Markt zu bringen, die dem heutigen Standard entsprechen, die innovativ sind," sagt er. Rund 80 Prozent des Umsatzes machen Entwürfe aus den letzen 10 Jahren aus.

Verpackte Stahlrohr-Stühle nebeneinander aufgereiht. Quelle: Nina Plonka

Zum Abtransport bereit: Die Stühle gehen in die ganze Welt

Zwar ist Thonet hauptsächlich durch Möbel für den Wohnbereich bekannt geworden, Maßanfertigungen von Stühlen und Tischen für öffentliche Einrichtungen sind jedoch das wirtschaftliche Standbein der Firma. Die Fraktionsräume des Deutschen Bundestags und die Deutsche Botschaft in Peking hat Thonet zum Beispiel ausgestattet.

Neue Wege

In Zukunft will Thonet die Möbelproduktion für Wohnhäuser, zum Beispiel durch Produkte für den Essbereich, ausbauen. Gerade hat die Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Innenarchitektin Amy Lau begonnen. Sie wäre die erste Frau, die für das Unternehmen Thonet einen Stuhl entwirft.

Die Redaktion empfiehlt