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Wirtschaft

Design als Kaufgrund Nummer eins

Wie wichtig ist das Design von Autos in einer Welt, die immer stärker auf ökologische Antriebe setzt? Ein Interview mit dem Designchef der Marke Audi.

Stefan Sielaff Leiter Design der AUDI AG (Foto: Audi AG)

Stefan Sielaff Leiter Design bei Audi

DW-WORLD.DE: Herr Sielaff, wenn Menschen heutzutage ein Auto kaufen - wie wichtig ist das Design?

Stefan Sielaff: Es ist der Kaufgrund Nummer eins bei Audi. Ich glaube schon, dass sich die gesamte Kaufentscheidung in den letzten Jahrzehnten vom Kopf ins Herz verschoben hat. Das hängt sicher mit dem zunehmenden Wohlstand zusammen. Die Kunden können sich leisten für Ästhetik zu bezahlen und suchen ja nicht nur eine Kiste, die von A nach B fährt. Denn als Kunde gibt man mit seinem Auto immer auch ein persönliches Statement ab über sich selbst - wie man ist oder wie man sein möchte.

DW-WORLD.DE: Inwieweit muss das Design nationale Besonderheiten berücksichtigen? Mögen beispielsweise Amerikaner das gleiche Design wie Deutsche?

Stefan Sielaff: Wir machen definitiv Audi-Design als europäisches oder vielleicht sogar auch als deutsches Statement. Und das ist das, was ein amerikanischer oder ein asiatischer Kunde, wenn er einen Audi kauft, haben will. Ich meine, wenn sie japanisch essen gehen, dann wollen sie auch nicht – wie man in Bayern so schön sagt – Leberkäse Hawai, dann wollen sie Sashimi oder die Sushirolle und zwar so authentisch wie möglich, wie man sie in Kioto oder in Tokyo auch bekommen würde. Und ich denke, das ist unsere Stärke und darum sind auch alle Audis - bis auf kleine Gesetzesvorgaben, die in einigen Ländern uns zu kleinen Detailänderungen zwingen, gleich. Ob man den Audi A4 in Wladiwostok, in Hongkong oder hier in Detroit sieht, es ist immer der gleiche Audi A4.

DW-WORLD.DE: Hier in Detroit zu Beginn der Autoschau scheinen die Experten sehr optimistisch für die Autobranche in den USA im Jahr 2010 zu sein. Teilen Sie diesen Optimismus?

Stefan Sielaff: Ja, ich glaube man muss schon aufpassen, dass man jetzt nicht in alte Denkmuster zurückfällt. Als Designer muss ich schon ganz klar sagen, dass wir eine Musterunterbrechung anstreben müssen. Also wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher. Ich glaube schon, auch wenn ich gerade mit der jungen Generation rede, die Haltung zum Automobil ändert sich ganz stark, speziell in der westlichen Gesellschaft. Wir müssen uns ganz klar mit dem ökologischen Aspekt beschäftigen. Damit, wie sich die Antriebsart verändern wird, das wird nicht von heute auf morgen gehen. Auch Elektroantriebe sind nicht "der Stein des Weisen", solange der Strom noch aus herkömmlichen Stromquellen kommt. Man muss immer die gesamte Energiebilanz anschauen. Ich glaube der Wettbewerbsvorteil in der Zukunft liegt einfach darin, ein sehr progressives technisches Produkt mit hohem Anteil an Ästhetik zu liefern.

DW-WORLD.DE: A Propos Elektroautos - Welche Chance, welche Zukunft hat das Elektroauto Ihrer Meinung nach?

Stefan Sielaff: Es muss auf jeden Fall eine Kombination aus ökologischem Antrieb und Emotion gegeben sein. Ich glaube nicht, dass man zur Zeit das Thema Elektroantrieb mit Vernunft verkaufen kann. Sondern man muss schon auch ein Anreiz im Ästhetischen geben. Ich vergleiche das immer mit dem Thema Kochen. Vor 25, 30 Jahren wollte kein Mensch vegetarisch oder ökologisch essen. Die wenigen nannte man in Bayern "Körndle Esser". Heute geht man in solche Restaurants und bekommt eine absolute Topküche, die super ausschaut und vor allem auch super schmeckt. Und eine solche Akzeptanz von Neuem braucht halt seine Zeit. Und so wird es auch mit dem Antrieb, elektrisch oder hybrid sein. Also das sind alles nächste Schritte, die aber definitiv dazu führen werden, dass die Gesellschaft in ihrem Anti-Stigmatisierungsprogramm als Ökofreidenker ein Stück weiter kommt.

Stefan Sielaff ist Designchef der Marke Audi.

Das Gespräch führe Christina Bergmann

Redaktion: Insa Wrede