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Wirtschaft

Desertec: Ein heißes Projekt - nur für den Norden?

"Desertec" soll Europa mit Solarstrom aus Afrika versorgen. Eine Chance im Kampf gegen den Klimawandel ist das Projekt nur, wenn auch Entwicklungsländer einbezogen werden, meinen Romy Chevalier und Matthias Ruchser.

Symbolbild Gastkolumne vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Der Glaubenskrieg über die zukünftige Energieversorgung ist wieder voll entbrannt: Angeheizt durch die Gründung des Desertec-Konsortiums am 13. Juli in München stehen sich in der Energiedebatte die Anhänger zentraler gegen dezentraler und konventioneller gegen erneuerbarer Energieerzeugung verbittert gegenüber. Der einzige Unterschied zu vergangenen Jahren ist, dass sich die Befürworter der konventionellen Energien inzwischen in einer Rechtfertigungsposition befinden. Durch den sich beschleunigenden Klimawandel setzt sich die Einsicht durch, dass Energieversorgung in Zukunft erneuerbar sein muss. Falls in fünfzehn oder zwanzig Jahren Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung und -speicherung zur Verfügung stehen, werden die Erzeugungskosten für Kohlestrom höher sein als für Windkraft oder Bioenergie. Dann wird es interessant sein, wie die heutigen Kritiker der erneuerbaren Energien eine Subventionierung von konventionellem Strom rechtfertigen werden.

Das sind jedoch Luxusprobleme, wenn man die Energieversorgung Europas mit der Afrikas vergleicht. Auf einem Kontinent, wo Millionen Menschen überhaupt keinen Zugang zu Energie haben, muss sich die Debatte zunächst um Energiezugang im Allgemeinen drehen und seine Auswirkungen auf Sozioökonomie, Mensch und Technologie. Folglich macht eine dezentrale Energieproduktion mit Photovoltaik, Solarwärme oder Bioenergie dort Sinn, wo sie netzunabhängig und lokal stattfindet. Zentrale Energieerzeugungsstrukturen wie die von Desertec geplanten solarthermischen Kraftwerke (CSP), aber auch Wasserkraftwerke oder große Bioenergiekraftwerke werden hingegen für industrialisierte oder dicht bevölkerte Regionen geeignet sein, wo eine kontinuierliche Grundlast benötigt wird.

65 000 Quadratkilometer könnten die Welt versorgen

Die Energieversorgung ist derzeit nicht in allen Ländern gesichert. Dabei ist der Zugang zu Energie ein fundamentaler Bestandteil der Millenniumsziele der Vereinten Nationen zur Entwicklung und Armutsbekämpfung. Energie ist eine Grundvorrausetzung für wirtschaftliches Wachstum und nachhaltige Lebensgrundlagen in Afrika.

Der Zugang zu sauberen und nachhaltigen Energiedienstleistungen ist eine enorme Herausforderung für den afrikanischen Kontinent – obwohl eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) befand, dass 65.000 Quadratkilometer solarthermische Stromerzeugung in der Sahara alleine den gesamten weltweiten Energiebedarf decken könnten. Afrikas Anteil am weltweiten Verbrauch von Primärenergie macht dabei lediglich drei Prozent aus, der geringste Pro-Kopf-Verbrauch der Welt. Allerdings hat der Kontinent den höchsten Anteil am weltweiten Verbrauch herkömmlicher Biomasse: 59 Prozent der Bevölkerung sind immer noch auf ineffiziente Energiequellen wie Feuerholz angewiesen.

Der fehlende Zugang zu Elektrizität treibt die Produktionskosten in die Höhe und verringert die Wettbewerbsfähigkeit der Entwicklungsländer auf dem weltweiten Markt. Strom spielt eine ausschlaggebende Rolle, nicht nur für die Beleuchtung, sondern auch um Gesundheitsdienste, Kommunikation, Information und Bildung zu ermöglichen.

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