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Politik

Desertec bringt Wüstenstrom für Europa

Es ist eines der weltweit ambitioniertesten Vorhaben zur erneuerbaren Energie: In München wurde das Solarprojekt "Desertec" ins Leben gerufen, um Strom aus nordafrikanischen Sonnenkraftwerken nach Europa zu leiten.

Anlage zur Stromerzeugung (Foto: DW-TV)

Desertec: die Sonne Afrikas für europäische Wohnzimmer

Zwölf Konzerne wollen gemeinsam Strom aus Solar- und Windenergie vor allem in den Wüsten Nordafrikas gewinnen und nach Europa liefern. Das Projekt "Desertec Industrial Initiative" läuft unter Führung des Versicherers Münchener Rück. Von deutscher Seite vertreten sind außerdem: Siemens, die Energieversorger RWE und E.ON, der Solartechnik-Anbieter Schott Solar, die Deutsche Bank und HSH Nordbank. Geplant ist, die Sonnenstromkraftwerke in elf Jahren ans Netz gehen zu lassen. Die Kosten dafür werden auf 400 Milliarden Euro geschätzt.

Langfristig soll bis zum Jahr 2050 der durch Hochspannungsnetze transportierte Ökostrom bis zu 15 Prozent des europäischen Stromverbrauchs ausmachen. Ein Termin für den Baubeginn der geplanten Solarenergie-Kraftwerke und Windparks ist aber noch offen.

Wüstenstrom-Projekt muss Entwicklungsländern Mehrwert bringen

Der ehemalige Bundesumweltminister und Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, forderte die an dem Projekt beteiligen Unternehmen zu mehr Transparenz auf. Jeder müsse nachvollziehen können, "wer da welche Position vertritt", mahnte Töpfer im "Tagesspiegel am Sonntag". Afrika leide noch heute an den Folgen des Wachstums der Europäer und sei besonders hart von den Folgen des Klimawandels betroffen, den die Industriestaaten verursacht hätten. Daher müsse das Wüstenstrom-Projekt diesen Staaten einen Mehrwert bringen.

Dr. Gerhard Knies (Foto: desertec)

Dr. Gerhard Knies von der Desertec-Foundation

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec-Stiftung, Gerhard Knies, wies Kritik an dem Projekt zurück. Der Physiker sagte dem "Deutschlandradio Kultur", das Projekt sei umsetzbar, könne technisch sofort begonnen werden und sei bereits mittelfristig billiger als Stromerzeugung durch Kohle-, Öl- oder Kernkraftwerke. Desertec sei auch zum Vorteil der beteiligten afrikanischen Länder: "Wir nehmen ihnen überhaupt nicht die Wüsten weg, sondern wir werten ihre Wüsten auf", sagte er. Der desertec-Aufsichtsratschef würdigte zugleich das große Interesse aller politischen Parteien an dem Projekt. Er klagte aber über "eine sehr effiziente Lobbyarbeit der Atomenergiekraftwerksbauer". Diese wirke sich dahingehend aus, dass den afrikanischen Ländern Atomkraft als Alternative angeboten werde.

Projekt bleibt vorerst nur eine Idee

RWE-Chef Jürgen Großmann verwies in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" allerdings darauf, dass es sich bei dem Vorhaben bisher nur um eine Idee handele. Bevor daraus ein Projekt "und dann möglicherweise eine Investition" werde, müsse sie genau überprüft werden. Wenn das Projekt machbar sei, sei RWE aber mit dabei. Der Wüstenstrom könne Kohle- und Atomkraft aber nicht schon in zehn Jahren ersetzen. Eine solche Prognose sei nicht seriös, sagte Großmann.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, die Gründung der Wüstenstrom-Initiative könne zum Meilenstein für die Nutzung von Solarkraftwerken werden. Die Energiekonzerne, Finanzinstitute und Anlagenbauer können die Nutzung von Wüstenstrom zu einem weltweiten Vorbild machen, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Die Vision vom Sonnenstrom aus den Wüsten dürfe aber nicht zum grünen Feigenblatt verkommen. Unternehmen müssten Desertec als Alternative zu umweltschädlichem Atom- und Kohlestrom verstehen und nicht als Konkurrenz zu Windkraft und Photovoltaik in Deutschland. (hp/det/rtr/ap/dpa/afp)

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