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Testseite Wirtschaft

Des einen Leid – des anderen Freud'

Die geplante Liberalisierung des Auto-Handels soll Verbrauchern europaweit deutliche Vorteile verschaffen. Die Gewerkschaften dagegen befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen - 100.000 allein in Deutschland.

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Nachteile für die Industrie - Vorteile für die Verbraucher?

Die EU-Kommission macht ernst: Am Mittwoch (17.07.02) soll die Reform verabschiedet werden, die durch die geplante Liberalisierung des Auto-Handels Verbrauchern europaweit deutliche Vorteile verspricht.

So sollen vor allem die Preise deutlich fallen. Mit der Durchsetzung der Reform übergeht Brüssel massive Kritik seitens der europäischen Autohersteller. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und die IG Metall kritisieren das Vorhaben. Die Reform soll im Herbst mit dem Auslaufen der bisherigen Regelung in Kraft treten und anschließend innerhalb von zwölf Monaten in den EU-Staaten umgesetzt werden. Es geht im Wesentlichen um die Stärkung der Position des Autohändlers gegenüber dem Hersteller.

Zwar wird es Letzterem immer noch möglich sein, Auflagen zu machen und sich etwa für ein exklusives Händlernetz zu entscheiden. Jedoch soll es dem Händler künftig freigestellt sein, gleichzeitig mehrere Marken zu vertreten und er soll nicht länger verpflichtet sein, Kunden von außerhalb seines Absatzgebietes abzuweisen. Abhängig vom Vertriebssystem soll er auch europaweit aktiv für sein Angebot werben und Verkaufsststellen in anderen Mitgliedsstaaten eröffnen dürfen.

Langfristig: Anpassung der Preise

Ziel der Maßnahmen ist eine Anpassung der Preise, die innerhalb der EU zur Zeit noch je nach Modell um bis zu 35 Prozent variieren können. Auf Druck des Europaparlaments und des EU-Sozialausschusses, die die Schließung zahlreicher kleiner Niederlassungen befürchten, soll dieser Teil der Reform allerdings erst später in Kraft treten - voraussichtlich Ende 2004 oder 2005.

Weitere wichtige Neuerungen: Das Monopol der Autohersteller auf Ersatzteile soll gekippt werden. In Zukunft sollen diese direkt vom Zulieferer vermarktet werden können. Außerdem soll freien Werkstätten das Recht zugestanden werden, Einblick in die Unterlagen der einzelnen Modelle zu erhalten. Auch der Zugang zu Ersatzteilen soll ihnen nicht länger verwehrt sein.

Lob und Kritik

Vorteil für die Kunden: Freiheit in der Entscheidung, bei welcher Werkstatt sie ihr Auto warten und reparieren lassen – angesichts der Tatsache, dass dies 40 Prozent der Kosten eines Autos ausmacht, ein wichtiger Faktor.

Jedoch finden die Brüsseler Liberalisierungsbestrebungen auch ihre Grenzen: Der Internet-Autohandel soll vorerst nicht zugelassen werden und Supermärkte werden ebenfalls bis auf weiteres vom Vertriebsnetz ausgenommen.

Mit der Durchsetzung der Reform scheitert die Kritik, die vor allem von deutscher Seite laut wurde. Neben "enormen Wettbewerbsnachteilen" für die deutsche Auto-Industrie, die Bundeskanzler Schröder befürchtet, sprach die IG Metall vom drohenden Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen allein im deutschen Kfz-Gewerbe. Dahingegen lobte der ADAC die Reform als verbraucherfreundlich: Von der zu erwartenden Anpassung der Preise würden vor allem Kunden in Deutschland profitieren. AFP/ (fgö)