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Wirtschaft

Der Zug ist abgefahren

Hartmut Mehdorn verlässt nach zehn Jahren als Chef die Deutsche Bahn. Er beugt sich dem Druck und gibt auf - was eigentlich gar nicht seine Art ist. Ein Porträt des studierten Ingenieurs.

Hartmut Mehdorn (Foto: AP)

Ein Jahrzehnt das Gesicht der Bahn: Hartmut Mehdorn

In jungen Jahren war Hartmut Mehdorn Ruderer. Leistungssportler, das Ziel stets fest im Blick. Ein Kämpfer. Aufgeben ist nicht seine Sache, aber jetzt muss er. Der Vorsitzende der Deutschen Bahn AG beugt sich dem öffentlichen Druck und tritt zurück. Mehdorn war zehn Jahre lang das Gesicht der Deutschen Bahn.

Seine großen Hände verraten es: Der Hobby-Schmied ist ein Mann der Tat, einer, der anpackt. Präsent war er vor allem immer dann, wenn es etwas zu meckern gab - und gemeckert wurde viel: verschobener Börsengang, kaputte ICE-Achsen, immer wieder Tarifkonflikte. Jüngster Aufreger: der Daten-Skandal. Peinlich, wollte Mehdorn doch eigentlich vor allem die Korruption bekämpfen.

"Wir sind nicht irgendwo in Afrika"

Hartmut Mehdorn in der Drehtür der Bahn-Zentrale (Foto: dpa)

Nichts wie weg: Mehdorn hat genug

"Wir sind hier nicht irgendwo in Afrika oder sonst wo. Wir sind die Deutsche Bahn. Da darf es solche Sachen nicht geben. Es muss klar sein, dass wir das verfolgen und jagen werden bis wir richtig fündig geworden sind und die richtigen Leute vor Gericht stehen", sagte der Bahnchef im Jahre 2001.

Und es wurde gejagt. E-Mails von zehntausenden Mitarbeitern wurden mitgelesen, Verräter in den eigenen Reihen gesucht. Mehdorn ist ehrgeizig und erfolgreich, das war er auch als Airbus-Manager vor seiner Bahn-Karriere. Penibel und akribisch arbeitete er auch bei der Bahn: "Wissen Sie, bei der Bahn geht es nicht nur um Pünktlichkeit es geht auch um innere Sauberkeit, das ist mir schon ein Anliegen", sagte er.

Von Methodenn wie der Mail-Schnüffelei will Mehdorn aber nichts gewusst haben, wie er Anfang 2009 erklärte: "Hier ist keine Rechtswidrigkeit, wie immer wieder kolportiert wird, keine Bespitzelung und schon gar keine Rasterfahndung durchgeführt worden", rief er auf einer Pressekonferenz, "wir sind entsetzt, wie diese Themen hier aus dem Zusammenhang heraus polemisch gegen die Bahn hervorgebracht werden".

Wie ein Blitzableiter

Hartmut Mehdorn mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (Foto: AP)

Nicht immer einer Meinung: Mehdorn (l.) und die Politiker

Kein Skandal, alles Medienhysterie also. Mehdorn gibt sich wie immer undiplomatisch, manchmal taktlos. Er ist ein Raubein. Da verwundert auch der Titel seiner Biografie "Diplomat wollte ich nie werden" nicht.

Der 66-Jährige ist kein Liebling der Massen. Wenn Züge ausfallen, zu spät sind, wenn die Toiletten im ICE verstopft sind - immer ist Mehdorn schuld. Er eckt an. Er teilt gern aus, kann aber auch einstecken. Immer wieder kritisieren ihn auch ranghohe Politiker öffentlich. Mehdorn bleibt cool, selbstsicher, selbstbewusst.

Anlässe zum Abtreten hatte der studierte Leichtbau-Ingenieur reichlich. Gelegenheiten ihn rauszuwerfen gab es auch genug, aber die Regierung hielt immer wieder an ihm fest. Mehdorn ist starrköpfig und verschlimmert so Konflikte stets. Er wirkt nie geläutert, entschuldigt sich nicht, räumt selten Fehler ein. Der Vorteil für die Politiker: Mehdorn ist wie ein Blitzableiter. Er bekommt den Ärger und die Negativ-Schlagzeilen ab. Daher hielten sie immer wieder an ihm fest - bis jetzt.

Sein Problem: Die Daten-Affäre könnte sich noch ausweiten. Schlecht für Politiker, die in Zeiten des Bundestagswahlkampfs zu Mehdorn halten, deshalb musste er nun gehen. Die Erfüllung seines ehrgeizigsten Ziels bleibt Mehdorn nun verwehrt: Jetzt bringt wohl ein anderer die Bahn an die Börse.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Thomas Grimmer

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