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Ostmitteleuropa

Der Zloty fährt nach Zürich - Die Polen können ab dem 1. Oktober Bankkonten im Ausland eröffnen

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Warschau, 5.9.2002, Newsweek Polska, poln.

(...) Die Vertreter ausländischer Banken sind wie reinrassige arabische Pferde zu dem Rennen um die polnischen Kunden gestartet. Die Strecke ist kurz und die Zeit drängt. Ab dem 1. Oktober werden die Polen zum ersten Mal seit über 50 Jahren legal eigene Konten im Ausland eröffnen können.

Ottonormalverbraucher (der auf Polnisch der durchschnittliche Kowalski genannt wird) wird seine Ersparnisse, die nur einige Tausend Zloty betragen, eher nicht im Ausland anlegen wollen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass ein Teil des großen Privatvermögens aus Polen weggebracht wird.

Einige ausländische Geldinstitute bieten den polnischen Kunden eine Verzinsung an, die mit der in Polen durchaus vergleichbar ist. Zusätzlich werden jedoch auch andere Investitionsmöglichkeiten und eine absolute Diskretion geboten. Was aber dabei am wichtigsten ist, man kann dadurch die Zinsabschlagsteuer in Polen umgehen.

Zum wiederholten Male nimmt also die Regierung Miller, die sich laut Programm, um die Ärmsten kümmern wollte, versehentlich die Reichsten in Schutz. (...)

Die Folgen dieser Maßnahme wird man jedoch erst nach einigen Jahren wirklich einschätzten können. Die Polen zeigten jedoch schon in der Vergangenheit, dass sie gut rechnen können und wenn ihnen die Möglichkeit geboten wird, eine Steuerabgabe zu umgehen, werden sie mit Sicherheit ihre Chance auch wahrnehmen. Ab März d. J. kassiert der Fiskus automatisch ein Fünftel von den Sparzinsen bei Geldanlagen. Die Polen waren jedoch schlauer: Aus den Untersuchungen des Meinungsforschungsinstitutes Pentor geht hervor, dass etwa 1,1 Millionen Polen ihr Geld so anlegten, dass sie keine Steuerabgabe zu entrichten brauchen. Es handelt sich dabei nach verschiedenen Schätzungen um eine Summe von 15 bis 17 Milliarden Zloty (etwa 3,75 bis 4,25 Milliarden Euro). Im Endeffekt werden auch die geplanten Einnahmen des Fiskus niedriger ausfallen und anstatt 800 Millionen Zloty (etwa 200 Millionen Euro) nur 500 bis 600 Millionen Zloty (ca.125 bis 150 Millionen Euro) betragen.

Wir können im Westen als arme Verwandte aus dem Osten angesehen werden, aber das Geld der Polen ist für die westlichen Geldinstitute viel Wert. Nach Schätzungen der Firma The Boston Consulting Group (BCG) gibt es in Polen 100 000 reiche Haushalte, deren Gesamtvermögen 212 Milliarden Dollar beträgt. Diese Summe übersteigt sogar das polnische Bruttoinlandsprodukt. Trotz der wirtschaftlichen Flaute schätzt die Firma BCG, dass das Vermögen der Reichen in vier Jahren einen Gesamtwert von fast 400 Milliarden Dollar erreichen wird. Deswegen ist der polnische Markt für die ausländischen Banken so wichtig. (Sta)

  • Datum 05.09.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2cOA
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