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Asien

Der Wirtschaftsriese und der arme Kontinent

Auf dem diesjährigen China-Afrika-Forum an diesem Wochenende in Ägypten diskutieren Entscheidungsträger die Fortschritte in den Beziehungen. Diese haben sich in den letzten Jahren enorm entwickelt.

Männer vor Elefantenbild (Foto: AP)

Mit großen Schritten treibt China sein Engagement in Afrika voran

Bereits seit Mitte der 1990er Jahre nimmt das Engagement Chinas in Afrika stetig zu. Das Reich der Mitte ist heute in nahezu jedem Land des afrikanischen Kontinents aktiv. Dabei verfolge China in Afrika in erster Linie wirtschaftliche Interessen, erklärt Helmut Asche, Professor für Afrikanistik an der Universität Leipzig. "Chinas Interessen sind zweifach in Afrika und nicht wie oft gesagt wird, nur die Suche nach Rohstoffen, Öl, Kupfer oder Aluminium. Chinas Interesse richtet sich zugleich auch auf den afrikanischen Markt, als etwas, für das man produzieren kann."

Chinesischer Händler auf afrikanischem Markt (Foto: AP)

Der afrikanische Markt ist attraktiv für chinesische Händler

Insbesondere billige Konsumgüter setzt China in Afrika ab. Auch viele Infrastrukturprojekte in Afrika werden von chinesischen Firmen realisiert. Zwischen 2004 und 2008 hat sich das Handelsvolumen zwischen China und Afrika mehr als verzehnfacht.

Kooperation auch mit Diktatoren

Zudem verfolgt China politische Interessen auf dem afrikanischen Kontinent. Als aufstrebende Weltmacht versucht das Reich der Mitte, Verbündete in internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen zu gewinnen. Gerne betont die chinesische Führung die gemeinsame Opferrolle während des Kolonialismus im 19. Jahrhundert. Themen wie Demokratie und Menschenrechte spielen bei der Kooperation zwischen China und afrikanischen Staaten keine Rolle.

Chinas Präsident Hu Jintao, mit Äthiopiens Premier Meles Zenawi (Foto: AP)

Der Regierungsstil der afrikanischen Partner ist den Chinesen egal

"Das ist sicherlich etwas, was von vielen afrikanischen Regierungen, gerade solchen, die eher autoritär gesinnt sind, doch sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird." sagt Denis Tull von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. So könne der Druck, der diesbezüglich von westlichen Staaten häufig aufgebaut werde, reduziert werden.

Wen Jiabao in Ghana (Foto: AP)

Freundschaft sichert Macht und Wirtschaftsbeziehungen

Die Zusammenarbeit mit Diktaturen ist einer der Hauptkritikpunkte am Afrika-Engagement Chinas. Autoritäre Regierungen wie der Sudan oder Simbabwe zählen zu Chinas Partnern in Afrika. Mitte Oktober schloss ein chinesisches Unternehmen mit der Militärjunta in Guinea einen Vertrag über den Abbau von Bodenschätzen im Wert von sieben Mrd. US-Dollar. Nur wenige Wochen zuvor hatte die Militärregierung des westafrikanischen Landes bei einer Demonstration in der Hauptstadt Conakry ein Blutbad angerichtet. China müsse unbedingt wegen seiner Kooperation mit solchen Ländern kritisiert werden, sagt Denis Tull. "Ich habe den Eindruck, dass die chinesische Regierung zunehmend um ihre internationale Reputation besorgt ist, dass sie zumindest darauf reagiert, wenn Kritik geäußert wird, nicht nur von westlicher Seite, sondern auch mal von afrikanischer Seite", sagt der Afrika-Experte.

Eine Chance für Afrika

Infografik Chinas Exportströme 2007

Afrika wird für den chinesischen Export immer wichtiger

Traditionell hatten die afrikanischen Staaten kaum eine andere Wahl, als mit dem Westen zu kooperieren. Das führte zu einer starken politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit. Insbesondere in den 1990er Jahren war Afrika ein vernachlässigter Kontinent. Die Welt verschloss die Augen vor dem Völkermord in Ruanda.

Mit den aufstrebenden Schwellenländern und insbesondere China sind nun neue Akteure auf dem Kontinent aktiv. Das kann durchaus positive Auswirkungen auf Afrika haben. Es entsteht eine völlig neue Wettbewerbssituation auf dem Kontinent.

Chinesischer Arbeiter in Äthiopien (Foto: AP)

Bei Infrastrukturprojekten zeigt China den afrikanischen Ländern gern, wo es lang geht

Afrika rückt wieder zunehmend in das Blickfeld der Weltpolitik. In Zukunft hätten afrikanische Staaten mehr Auswahlmöglichkeiten, mit wem sie wirtschaftlich oder politisch zusammenarbeiten, erläutert Helmut Asche. "Der Westen hat nach meiner Meinung noch gar nicht richtig realisiert, wie weitgehend die Herausforderung ist, die sich aus dem Aufkommen Chinas ergibt und dann nachgeordnet Indiens, Brasiliens als neuer bedeutender Partner Afrikas." Unklar ist, ob Afrika auch langfristig von dem chinesischen Engagement auf dem Kontinent profitieren kann. Denn durch den Eintritt Chinas in den afrikanischen Markt drohen afrikanische Arbeitsplätze - beispielsweise in der Textilindustrie - verloren zu gehen.

Autor: Christoph Ricking

Redaktion: Martin Muno