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Nahost

Der wirtschaftliche Preis der Gaza-Krise

Der Konsum ist eingebrochen, Touristen bleiben weg: Je länger die Militäroffensive im Gazastreifen andauert, desto mehr leidet die israelische Wirtschaft. Betroffene Branchen fordern Unterstützung durch die Regierung.

Der Krieg hat allein den Verteidigungshaushalt bislang mit mehr als einer Milliarde Schekel belastet, das sind rund 200 Millionen Euro. Und, so vermutet Eitan Avriel von der Wirtschaftszeitung "The Marker", die Armee wird dieses Geld von der Regierung zurückfordern. Hinzu kommen Ausgaben für Notprogramme zur Unterstützung der Menschen in den südlichen Landesteilen. Zum Beispiel erhalten Eltern Entschädigungen für den Verdienstausfall, wenn sie zu Hause bleiben müssen, um minderjährige Kinder zu versorgen: Denn aufgrund der Raketenangriffe haben fast alle Sommerlager im Umkreis des Gazastreifens geschlossen. Bei 15 Sekunden Vorwarnzeit vor einem Raketeneinschlag wäre es unmöglich, größere Gruppen von Kindern rechtzeitig in die Schutzräume zu bringen.

Weniger Konsum, weniger Tourismus

"Die Regierung hat schon 400 Millionen Schekel bereitgestellt um die Gemeinden am Rand des Gazastreifens zu unterstützen", so Eitan. Der größte Verlust sei aber der Einbruch beim Bruttosozialprodukt. Der Konsum habe sich faktisch halbiert. Im Süden sei er sogar ganz zusammengebrochen. "In Ashdod, Ashkelon und Sderot sind die Verkaufszahlen um 60 bis 70 Prozent zurückgegangen. Im Gebiet um Tel Aviv ist es etwa ein Drittel. Beim öffentlichen Nahverkehr haben wir Einbußen von 20 Prozent", rechnet der Journalist im israelischen Fernsehen vor.

Markt in Tel Aviv. Foto: dpa.

Touristen Mangelware: Markt in Tel Aviv

Besonders hart hat es die Tourismusbranche getroffen, erklärt Yossi Fatael vom Verband der Reiseunternehmer. Denn eigentlich ist jetzt im Sommer Hochsaison, die normalerweise bis zu 40 Prozent der Jahreseinnahmen bringt: "Wir haben aber einen kompletten Stopp bei den Buchungen und viele Stornierungen. Dadurch entstehen uns Schäden wie während des zweiten Libanonkriegs im Jahr 2006." Darum habe man sich an die Regierung gewandt und gebeten, dass sie der Branche bei der Weitervermittlung der Arbeitnehmer und bei Sozialplänen hilft.

Abstriche beim Verbraucherschutz

Arbeitnehmer, die derzeit wegen der Krise nicht gebraucht werden, sollen möglichst nicht entlassen werden, sondern Lehrgänge und Fortbildungen besuchen. Dafür wünschen sich die Arbeitgeber Unterstützung der Regierung. Auch Lockerungen beim Verbraucherschutz würden helfen, so Yossi Fatael: "Zum Beispiel müssen wir durch ein neues Gesetz zum Verbraucherschutz bei Verspätungen oder Stornierungen von Flügen Entschädigungen bezahlen. Wir fordern jetzt, dass dieses Gesetz ausgesetzt wird."

Und schließlich fordert die Tourismusbranche, dass der Staat einen alternativen Flughafen bereitstellt. Der Internationale Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv sei ins Visier der Hamas geraten und schon angegriffen worden, so Fatael. Flüge würden in einem solchen Fall nach Amman in Jordanien oder Larnaca auf Zypern umgeleitet. Stattdessen sollte die Regierung auf den kaum genutzten Negev-Flughafen Uvda 60 km nördlich von Eilat ausweichen.

Am Ende zahlen die kleinen Leute

Palästina Israel Luftangriff auf den Gazastreifen am 13.07.2014. Foto: REUTERS/Ammar Awad

Luftangriff auf Gaza: Nur die Rüstungsindustrie profitiert

Die bisherigen Verluste durch die Offensive in Gaza betreffen in erster Linie den Handel und den Mittelstand. Letztendlich aber, so Wirtschaftsexperte Avriel, leide die gesamte Volkswirtschaft unter dem Einbruch beim Konsum. "Wenn die Händler Einbußen haben, bezahlen sie weniger Steuern und dadurch gehen die Steuer-Einnahmen des Staates zurück." Mit Sorge blickt er zudem auf die Haushaltsverhandlungen für das kommende Jahr, die demnächst beginnen: "Dann wird das Verteidigungsministerium, das ohnehin schon 5 Milliarden Schekel, ungefähr 1,8 Milliarden Euro, mehr verlangt hat, noch mal die Hand aufhalten und seine Forderungen sicher verdoppeln.“

Die Mehrausgaben und die Mindereinnahmen wiederum werden von einer Kürzung der Sozialleistungen aufgefangen werden, ist Avriel überzeugt. Den Krieg bezahlen werden also in Israel die kleinen Leute.

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