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Sport

Der Wettlauf um die 8000er-Krone

Drei Bergsteigerinnen haben eine realistische Chance, als erste Frau alle 14 Achttausender zu besteigen. Derzeit spricht viel für einen Zweikampf zwischen der Spanierin Pasabán und der Südkoreanerin Oh.

Edurne Pasaban (Spanien), Oh Eun Sun (Südkorea) und Gerlinde Kaltenbrunner (Österreich). Extrembergsteigerinnen die die besten Chancen haben, als erste Frau alle 14 Achttausender zu besteigen. DW-Grafik: Per Sander mit ap/picture-alliance/dpa/newscom

(v.l.) Edurne Pasaban, Oh Eun Sun, Gerlinde Kaltenbrunner

Die spanische Bergsteigerin Edurne Pasaban streckt bei einer Pressekonferenz in Nepal den Zeigefinger nach oben. Foto: picture-alliance/dpa

Edurne Pasabán will nach oben

"Es war hart, sehr hart. Aber am Ende hat es sich ausgezahlt“, sagte die Spanierin Edurne Pasabán, nachdem sie am vergangenen Samstag (17.04.2010) den Gipfel der Annapurna erreicht hatte. Der 8091 Meter hohe Bergriese gilt wegen der ständig lauernden Lawinengefahr als gefährlichster aller Achttausender. Pasabán fehlt in ihrer Sammlung jetzt nur noch die 8027 Meter hohe Shishapangma. Sollte es der 36-Jährigen Baskin in kurzer Zeit gelingen, auch den Berg in Tibet zu besteigen, könnte sie als erste Frau in die Fußstapfen Reinhold Messners treten, der als Erster 1986 die Sammlung komplettierte. Pasabán winken ein Platz in den alpinen Geschichtsbüchern und noch lukrativere Werbeverträge, als die Spanierin in ihrer Heimat ohnehin schon hat.

Mit allen Mitteln

Mit dem Erfolg an ihrem 13. Achttausender zog Pasabán mit Oh Eun-Sun gleich, die ebenfalls an der Annapurna auf ihre Chance wartet. Die 44 Jahre alte Südkoreanerin hatte in kürzester Zeit die in der Achttausender-Statistik führenden Europäerinnen Pasabán, Gerlinde Kaltenbrunner und Nives Meroi überholt. Neun ihrer bisher 13 Achttausender bestieg sie zwischen 2007 und 2009. Fragen des Stils spielten dabei für sie keine Rolle. Oh Eun-Sun und auch ihre Landsfrau Go Mi-Sun rückten den Achttausendern mit großen Teams auf den Pelz, setzten teilweise Atemmasken ein, flogen, um Zeit zu sparen, mit Hubschraubern von einem zum nächsten Basislager. Allein im Frühjahr 2009 bestieg Go innerhalb von sechs Wochen drei 8000er, im Sommer desselben Jahres wollte sie drei weitere folgen lassen. Doch sie zahlte den höchsten Preis für ihren waghalsigen Wettlauf: Am Nanga Parbat stürzte die 41-Jährige zu Tode. Es wäre Go Mi-Suns elfter Achttausender gewesen.

Achttausender Annapurna in Nepal. Foto: Wolfgang Beyer-sa

Die Annapurna, mit 8091 Metern der zehnthöchste Berg der Erde, gilt als äußerst gefährlich

"Projekt 14"

Oh Eun-Sun ließ sich davon nicht beeindrucken, setzte konsequent ihr "Projekt 14" fort. Die Koreanerin ist in der Bergsteiger-Szene umstritten. Ihr Erfolg am Kangchendzönga wurde wegen eines nicht ganz eindeutigen Gipfelfotos angezweifelt. Bergsteiger berichteten, sie hätten gesehen, wie Sherpas die Koreanerin an einem Achttausender am kurzen Seil den Berg hinaufgezogen hätten. Oh spricht von einer "Kampagne“ gegen sie. Ihr bevorstehender Aufstieg auf die Annapurna soll live im koreanischen Fernsehen übertragen werden. Ein 30-köpfiges TV-Team begleitet die Bergsteigerin, die übrigens Pasabáns zurückgelassene Fixseile - mit deren Zustimmung - benutzen will.

Abstieg mit Atemmaske

Auch Edurne Pasabán wurde in den vergangenen Jahren häufig kritisiert, weil sie stets auf Normalrouten unterwegs war und sportlich anspruchsvolleren Aufstiegen aus dem Weg ging. "Ich klettere das, was ich klettern kann“, entgegnet die 36-Jährige. Zudem muss sie mit dem Makel leben, bei zwei Abstiegen von Achttausendern zur Atemmaske gegriffen zu haben. Sowohl 2001 nach der Besteigung des Mount Everest als auch 2009 am Kangchendzönga ging es ihr so schlecht, dass sie Flaschen-Sauerstoff benötigte, um heile ins Tal zu kommen.

Schwierige Route

Basislager an der Mount Everest-Nordwand, April 2010 / © Ralf Dujmovits www.amical.de

Einsames Basislager an der Everest-Nordwand

Gerlinde Kaltenbrunner hat noch nie zur Sauerstoffflasche gegriffen, war stets mit kleinen Teams und ohne Sherpas unterwegs. Ihr fehlen noch die beiden höchsten Berge der Erde, der Mount Everest und der K 2. Ihr kommt es nach eigenen Worten nicht darauf an, die Gipfel einfach abzuhaken. Mit ihrem Mann Ralf Dujmovits versucht sie sich derzeit an der schwierigen "Supercoloir"-Route in der Everest-Nordwand. Dieser Anstieg ist bisher erst einmal im Alpinstil gelungen, also ohne Träger, Hochlager, Fixseile und Atemmaske: 1986 einem Schweizer Team. "Einen Wettlauf gibt es für mich nicht", sagt Kaltenbrunner, angesprochen auf die anderen Bergsteigerinnen, die sich anschicken, die Achttausender-Sammlung zu vervollständigen. Für die Einstellung der Südkoreanerin Oh Eun-Sun hat die 39-Jährige kein Verständnis. "Sie will die 14 Achttausender unbedingt als Erste besteigen, egal mit welchen Mitteln. Das hat für mich mit selbstverantwortlichem, schönem Bergsteigen nichts zu tun."

Mit Hubschrauber ins Basislager

Auch Edurne Pasabán hat es bisher stets abgelehnt, von einem Wettlauf um die Achttausender-Krone zu sprechen. "Es wäre doch absurd und gefährlich, Höhenbergsteigen als ein Wettrennen zu betrachten. Ich will eine zufriedene alte Greisin werden und nicht mein Leben aufs Spiel setzen, um irgendeinen Rekord aufzustellen", sagte sie einmal in einem Interview. Doch für die Anreise zur Annapurna nutzte auch Pasabán einen Hubschrauber.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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