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Politik

Der Weise vom Kap: Nelson Mandela wird 90

Südafrika ist mit seinem Helden Mandela untrennbar verbunden: Er riskierte sein Leben für die Freiheit der Schwarzen unter der Apartheid, saß 27 Jahre im Gefängnis - und verzieh danach seinen Unterdrückern.

Kaum ein Mensch hat so viele Bewunderer wie Nelson Mandela, jetzt wird er 90: Herzlichen Glückwunsch! (Foto: AP)

Kaum ein Mensch hat so viele Bewunderer wie Nelson Mandela, jetzt wird er 90: Herzlichen Glückwunsch!

Mandela gilt weltweit als einer der populärsten Staatsmänner. Der erste schwarze Präsident Südafrikas mit der Vorliebe für bunte Hemden hat mit Humor und Charme bisher noch immer die Schönen, Mächtigen und Reichen dieser Welt für wohltätige Zwecke um sich scharen können. Weise, würdig und wegweisend warb er als moralische Instanz um Ausgleich und Versöhnung, schrieb Memoiren, vermittelte bei Friedensgesprächen, sammelte Spenden und arbeitete üppig gefüllte Terminkalender ab.

In Qunu in der Provinz Ostkap, in der vor allem Angehörige des Xhosa-Volks wohnen, wurde Nelson Mandela am 18. Juli 1918 als Rolihlahla Mandela geboren. "Rolihlahla" bedeutet soviel wie "Unruhestifter", den englischen Namen "Nelson" erhielt er erst in der Schule. Seine Familie gehört einem Teil der Monarchie der Thembu an, der für die Beratung des Königs zuständig war.


Nelson Mandela (Mitte rechts) singt mit Unterstützern und Angeklagten anlässlich des ersten Prozesses 1956

Mandela: 1964 zu lebenslänglicher Haft verurteilt



In den Untergrund

Als junger Mann floh Mandela vor einer arrangierten Ehe nach Johannesburg. 1944 trat er der Befreiungsbewegung Afrikanischer Nationalkongress (ANC) bei. 1952 gründete er mit Oliver Tambo das erste Anwaltsbüro von Schwarzen im Land. Im ANC wurde der Boxer Mandela schnell zu einem der zentralen Organisatoren der Widerstandskampagnen gegen die Rassentrennung und die Ausbeutung schwarzer Südafrikaner.

Als der ANC 1961 verboten wurde, ging Mandela in den Untergrund und gründete den militanten ANC-Flügel "Umkhonto we Sizwe" ("Speer der Nation"). 1962 wurde er - nicht zum ersten Mal - verhaftet und 1964 im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

18 Jahre seiner Gefangenschaft verbrachte Mandela auf der berüchtigten Insel Robben Island vor Kapstadt. Obwohl keine Fotos von ihm existieren und er im Land nicht zitiert werden durfte, wird Mandela schnell zum berühmtesten Gefangenen der Welt. Ende der 1980er Jahre wuchs der Druck im In- und Ausland auf das Regime: Mandela und die weiße Führung nahmen heimlich Gespräche auf. 1990 ließ Präsident Frederik Willem de Klerk ihn frei.


Südafrikas Präsident Frederik Willem de Klerk (l.) und Nelson Mandela bei Gesprächen in Kapstadt 1990, Foto: AP

Ausgleich und Versöhnung: de Klerk und Mandela



Vom Häftling zur Integrationsfigur

Es folgen zähe und von Gewalt überschattete Verhandlungen für ein gemeinsames Südafrika, für deren Erfolg Mandela und de Klerk 1993 den Friedensnobelpreis erhielten. Mandela gelang es mit seiner berühmten Mischung aus Charme und Sturheit, in die erste "Regierung nationaler Einheit" sowohl rechte Weiße als auch schwarze Kriegsherren zu integrieren. Nach den ersten Wahlen 1994 wurde er Präsident. Er schuf auch den Begriff der "Regenbogennation", der symbolhaft für die zahlreichen verschiedenen Kulturen, Gebräuche, Sprachen und die unterschiedliche historische Entwicklung der Südafrikaner steht.

Zum Millenniumswechsel zog sich Mandela aus der aktiven Politik ins Privatleben zurück, dennoch ist er nach wie vor öffentlich präsent. Von seinen Landsleuten respektvoll als "Madiba" ("Vater") verehrt, hatte ihm seine politische Klugheit nicht nur den Weg ins höchste Staatsamt, sondern auch in die Herzen der Südafrikaner geführt. Diplomatisch gibt sich der rastlose Pensionär dabei nicht immer: Vor dem Irakkrieg nannte Mandela den US-Präsident George W. Bush einen Staatschef, "der nicht richtig denken kann und die Welt in einen Holocaust stürzen will".

Mit 80 heiratete Mandela zum dritten Mal: Graça, die Witwe des mosambikanischen Präsidenten Samora Machel, der 1986 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Die Ehe mit der umstrittenen Winnie Mandela war zuvor nach 38 Jahren in die Brüche gegangen: Seine Ex-Frau war wegen Beteiligung an der Entführung und Folterung schwarzer Jugendlicher verurteilt worden.


Erzbischof Desmond Tutu (l.) und Präsident Nelson Mandela 1994, Foto: AP

Weggefährten: Mandela und Tutu



Mandelas Erbe in Gefahr?

Derweil entfernt sich Mandelas Südafrika heute immer weiter von der Romantik der "Regenbogennation" der ersten demokratischen Jahre: Inflation, Fremdenfeindlichkeit, Aids und Arbeitslosigkeit quälen das Land. Kritische Stimmen in den Armenvierteln werfen Mandela vor, er habe die Apartheid nur politisch, aber nicht wirtschaftlich beendet.

Derzeit herrscht Skepsis, dass es unter Mbekis designiertem Nachfolger Jacob Zuma besser werden könnte: Sein irrlichternder Politikstil, seine abenteuerliche politische Biografie und seine teils grotesken Auftritte sind eher dazu angetan, alte Vorbehalte zu bekräftigen, die das "neue Südafrika" eigentlich vergessen machen sollte. Mandelas Wegbegleiter, der frühere anglikanische Erzbischof Desmond Tutu, hält dagegen: Alles wäre "für die Katz" gewesen ohne Mandela und seine Vermittlung, die größeres Blutvergießen am Kap verhinderten: "Er lebte das vor, was er von anderen erhoffte." Selbst ehemalige Apartheid-Hardliner schmolzen unter Mandelas Lächeln dahin, wenn er sich mit ihnen zum Kaffee traf. Als "Heiligen" sieht ihn Tutu aber nicht: "Er ist ein gewöhnlicher Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten." (ina)

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