1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik & Gesellschaft

Der Weihnachtsbaumwahnsinn

Rund 450 Millionen Euro geben die Deutschen pro Jahr für Weihnachtsbäume aus. 80 Prozent der Bäume kommen aus Deutschland. Aber wie kommen die Weihnachtsbäume eigentlich an den Mann?

Meinolf Mütherich steht neben einem Tannenbaum (Foto: DW/Marco Müller)

Weihnachtsbaumproduzent Meinolf Mütherich

Es ist 6:00 Uhr morgens an einem Samstag im Dezember. Für Meinolf Mütherich beginnt ein stressiger Tag. Vor 23:00 Uhr wird er nicht zu Hause sein – heute nicht und an keinem anderen Tag an den Dezember-Wochenenden. Die eigentlich besinnliche Zeit ist für ihn alles andere als besinnlich, denn Meinolf Mütherich hat einen Weihnachtsbaumbetrieb - und jetzt ist Hochsaison in der Weihnachtsbaum-Industrie. Auch wenn Weihnachtsbäume in Massen produziert werden, hält der 51-Jährige nicht so viel vom Wort "Industrie". Er spricht lieber von "landwirtschaftlichen Betrieben".

Meinolf Mütherich baut Weihnachtsbäume in Nordrhein-Westfalen an zwei Standorten an – im Sauerland und im Rheinland. 6000 bis 8000 Tannenbäume hat er pro Hektar angepflanzt. Und 100 Hektar ist seine Weihnachtsbaumproduktion groß. Damit ist er Herr über bis zu 800.000 Tannenbäume – ein beachtlicher landwirtschaftlicher Betrieb. Allerdings verkauft er pro Jahr nur einen Bruchteil der Tannen.

Wer Weihnachtsbäume anbauen will, muss Trendforscher sein

Traktor mit großem Greifarm (Foto: DW/Marco Müller)

Längst helfen Maschinen beim Weihnachtsbaumanbau

Bis die beliebte Nordmanntanne eine Höhe von 1,80 bis 2,00 Meter erreicht hat, dauert es zwölf Jahre, sagt Meinolf Mütherich und schaut auf hunderte bereits in Netzen verpackte abholbereite Tannen. Der 51-Jährige muss also in Dekaden denken – was in der in immer kürzeren Intervallen denkenden Geschäftswelt geradezu archaisch anmutet. Er muss heute schon abschätzen, wie viele Tannen er Weihnachten 2023 verkaufen kann. Planung ist also alles – nicht nur bei der Menge, sondern auch bei der Wahl der Baumart.

"Wenn ich vor zehn Jahren gewusst hätte, dass die Nordmann-Tanne so einschlägt, hätte ich vielleicht auch weniger Blaufichte oder Fichte gepflanzt", erklärt Mütherich und blickt auf den sich langsam füllenden Kundenparkplatz seines Betriebes am Rande der 27.000-Einwohner-Stadt Overath im Bergischen Land. Es ist kurz vor 11:00 Uhr und damit kurz vor Öffnungszeit.

Weihnachtsbaumschlagen als Event

Frank Zehrer, Ehefrau Jeanette Rink, Sohn Christoph und Tochter Ellen ziehen sich vor der offenen Heckklappe ihres Kombis Gummistiefen an (Foto: DW/Marco Müller) Foto: Marco Müller. 10.12.2011, Bergisches Land, Overath, Kreutzhäuschen.

Fertigmachen zum Baumsägen: Frank Zehrer mit Ehefrau Jeanette Rink, Sohn Christoph und Tochter Ellen

Als einer der ersten ist Frank Zehrer mit seiner Frau und seinen beiden Kindern vor Ort. Sie kommen bereits das dritte Jahr in Folge. "Das ist eine schöne Möglichkeit, den Baum selber zu sägen. Da kann mir unser Sohn mit seinen acht Jahren mittlerweile ganz gut bei helfen. Und wir können hier ein bisschen Zeit verbringen auf dem nett angerichteten Gelände." Das wirkt fast wie ein Vergnügungspark. Ordner mit leuchtend-gelben Warnwesten weisen den Kunden die Parkplätze zu. Dahinter steht ein großes weißes Zelt. Es mutet an wie ein Bierzelt, das man von Jahrmärkten kennt. Und in der Tat gibt es innen auch Bierbänke mit den zugehörigen Tischen sowie eine lange Theke für Essen und Getränke. Den Unterschied machen der Weihnachtsschmuck und der Nikolaus, der die Besucher empfängt.

Weihnachtlich geschmücktes Bierzelt von innen (Foto: DW/Marco Müller)

Bierzelt + Weihnachtsschmuck = Weihnachtszelt

Neben dem Bierzelt befindet sich eine große zweigeteilte Scheune. Jeder der beiden großen Räume ist mit Rindenmulch, Heizpilzen und einer Theke ausgestattet. Hier können Unternehmen aus der Region ihre Weihnachtsfeiern abhalten. Während der eine Raum noch leer ist, feiert in dem anderen bereits die "Homberg und Müller GmbH". In dem Zelt liegen auf vielen Tischen Zettel mit Aufschrift "Reserviert für Bankhaus Dellbrück". Nach der Feier kann sich jeder dann noch seinen Weihnachtsbaum mit nach Hause nehmen. Der Weihnachtsbaumverkauf ist mittlerweile ein richtiges Event. Dies wird auch klar, wenn man hinter das Zelt blickt.

WWW-Links