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Kultur

Der Weißheit letzter Schluss

Wer weiße Mäuse sieht, geht zum Arzt, Waschmittelhersteller lügen und weiße Westen sind immer mal wieder nützlich: Das Wort weiß ist Garant für so manches Wortspiel. Eine kleine Auswahl.

Weiße Tauben

Ein bisschen Frieden

An der Redewendung "weiße Mäuse sehen" ist wirklich etwas dran. Nach dem Vollrausch sitzen sie beim Katerfrühstück mit am Tisch. Weiße Mäuse sind eine Entzugserscheinung. Setzt man einen alkoholkranken Menschen aufs Trockene, treten ziemlich schnell Symptome auf. Zum Beispiel Halluzinationen. Das nennt sich dann Entzugsdelirium. Neurologen schätzen, dass ein Drittel der Alkoholiker dabei Tiere sieht. Meistens Insekten, Spinnen oder Schlangen. Und in fünf von hundert Fällen wollen die Abhängigen tatsächlich auch weiße Mäuse gesehen haben.

Weiße Maus

Wann sind Sie ihr das letzte Mal begegnet?

Hwiz! Kein Witz!

Jetzt etwas Geschichtliches: Das Wort "Weiß" ist sehr betagt. "Es taucht nachweislich seit dem achten Jahrhundert im Althochdeutschen auf," weiß Martin Evertz. Er ist Dozent für Sprachwissenschaften an der Universität Köln und kennt sich aus mit weißen Wörtern. Damals wurde Weiß aber ein wenig anders ausgesprochen und geschrieben, als wir es heute kennen. Um das neunte Jahrhundert herum schrieb man es in etwa "hwiz". Manchmal mit, manchmal ohne h. Gesprochen aber immer mit langem i.

Farbe oder nicht Farbe?

Physikalisch gesehen ist Weiß gar keine Farbe. Dafür ist es zu unbunt. Zustande kommt das so: In unserem Auge befinden sich drei Typen von Rezeptoren. Jeweils gleich viele für rotes, blaues und grünes Licht. In unserem Kopf mischen wir dann die passende Farbe zusammen – genauso wie im Kunstunterricht. Wenn aber alle drei Rezeptoren bis zu ihrem Maximum gereizt werden, sehen wir weiß.

Und wie steht es um die Farbe Weiß in der Sprache? Die Bedeutung ist in der Zeit nahezu unverändert geblieben: "Weiß bedeutete schon immer glänzen und Helligkeit," erklärt Martin Evertz.

Internationale Weißheit

Hochzeitstorte mit Braut Foto: Anne Schultes

Weiß ist die Unschuld

Was mit Weiß assoziiert wird, ist in jedem Kulturkreis unterschiedlich. In Westeuropa sind das zum Beispiel Unschuld, Heiligkeit oder Reinheit. International kann man sich aber ganz schön auf die Nase legen. "In sorbischsprachigen Gegenden ist es zum Beispiel die Farbe der Trauer," so Martin Evertz. Schwarz wird dort bei Beerdigungen nicht gerne gesehen. In China assoziiert man mit der Farbe Weiß vor allem das hohe Alter oder den Herbst. Hierzulande steht Weiß für positive Dinge. Frieden ist zum Beispiel weiß: Deswegen hissen wir die weiße Flagge. Die ist übrigens eine römische Erfindung aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Seit 1899 ist sie sogar völkerrechtlich in der Haager Landkriegsordnung fest geschrieben. Wer die weiße Flagge schwenkt, ergibt sich kampflos und darf nicht mehr beschossen werden.

Vertrauen Sie Weiß!

Hygiene ist in unseren Augen auch ziemlich weiß. Belege dafür finden sich überall im Alltag – vor allem aber im Job. In Berufen, bei denen es vor allem auf Sauberkeit ankommt, ist weiße Kleidung angesagt. Allen voran natürlich bei Ärzten, genauso aber auch bei Bäckern, Köchen oder Forschern in sterilen Labors. Ihnen kommt der Effekt der "weißen Weste" zugute: Weiß ist nämlich sehr verletzlich. Der Arzt kann selbst den winzigsten Fleck auf seinem Kittel nicht verstecken. Weil eine weiße Weste sich so leicht verschmutzen lässt, haben wir Vertrauen in den, der sie sauber hält. Deswegen sind übrigens auch Sanitäreinrichtungen – speziell das Klo - eigentlich immer weiß. Was noch nicht lange heißt, dass sie deswegen sauber sind.

Text: Tim Wessling

Redaktion: Sabine Oelze

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