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Sport

Der Weiße Ring - Das Skirennen von Lech Zürs

Es gilt als das längste Skirennen der Welt: Der "Weiße Ring" in Lech Zürs am Arlberg. Dort waren ambitionierte Hobbyfahrer, aber auch ehemalige Profis zum gemeinsamen Wettstreit über 22 Kilometer angetreten.

Start zum Skirennen Der Weiße Ring

Start mit Anstieg

Im alpinen Ski-Zirkus ist wieder einmal die Zeit der legendären Weltcup-Abfahrten angebrochen. Nach dem Lauberhorn-Lauf in Wengen stehen nun das Hahnenkamm-Rennen auf der legendären Streif in Kitzbühel und die berüchtigte Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen auf dem Programm. Hier rasen die besten Skifahrer der Welt über Steilhänge mit mehr als 100 Stundenkilometer in die Tiefe. Dabei benötigen die Profis für rund vier Kilometer weniger als zwei Minuten. Eher beschaulich ging es dagegen bereits in Lech Zürs am Arlberg zu. In der österreichischen Wintersport-Metropole stand die 4. Auflage des "Weißen Rings" an. Bei diesem Jedermann-Rennen galt es, 22 Pistenkilometer und insgesamt 5.500 Höhenmeter zu bewältigen. Das Besondere an diesem Ski-Spektakel: Das Fahren über mehrere Lifte gehörte mit dazu. Die ehemalige deutsche Weltcupfahrerin und Vorjahressiegerin Petra Haltmayr sieht darin einen besonderen Reiz: „Ich finde es ganz lustig, wenn es über Täler und mehrere Lifte geht. Trotzdem sind Schwierigkeiten dabei sind wie Tore, die man passieren muss. Sonst wird man disqualifiziert"


Das längste Skirennen der Welt

Schild zur Skirunde

Die Skirunde gibt es schon über 50 Jahre

Der Weiße Ring bezeichnet eigentlich eine Skischaukel, die die Orte Lech, Zürs, Zug und Oberlech miteinander verbindet. 2006 hatte sich zu ihrem 50-jährigen Bestehen die Idee entwickelt, daraus das längste Ski-Rennen der Welt zu machen. Die Strecke ist für geübte Skifahrer gut zu bewältigen, geht es doch über eher leichte (blaue) und mittelschwere (rote) Pisten. "Die erste Hälfte bis Zürs kann man es gut laufen lassen. Wenn es dann das Madloch runter geht, wird es jedoch kriminell", erzählt Siegmund aus Konstanz. Und tatsächlich: Die steile und eisige Abfahrt am Madloch-Nordhang, dem mit 2438 Meter höchsten Punkt, gilt als die anspruchsvollste Etappe. Aber, so bemerkt Siegmund weiter: "Ich bin da schon runter gefahren, da gab es nur Eisplatten. Doch diesmal war die Piste ordentlich präpariert."


"Eine der schönsten Abfahrten im Alpenraum"

Impressionen am Arlberg

Impressionen am Arlberg

Nimmt man nun die Tour durch die Bergwelt als Genussfahrt mit Einkehrschwung in eine der zahlreichen Hütten, dauert sie zwei bis drei Stunden. Den Streckenrekord über 44:35,07 Minuten besitzt jedoch Lokalmatador Patrick Ortlieb. Der ehemalige Olympiasieger und Weltmeister unterhält heute ein Viersterne-Hotel in Oberlech und kennt den "Weißen Ring" ganz genau. Obwohl noch immer ambitioniert, steht für den 41-Jährigen aber der Spaß im Vordergrund. "Es ist eine der schönsten Abfahrten im ganzen Alpenraum. Es ist für mich jeden Tag wieder eine neue Herausforderung, die Runde zu fahren. Ich genieße das Panorama, die perfekten Pisten und die schönen Liftanlagen."


1.000 Teilnehmer aus 14 Nationen

Die ehemaligen Profis Mark Girardelli und Tom Stiansen

Die Ex-Profis Girardelli (li.) und Stiansen

Gemeldet waren diesmal 1.000 ambitionierte Skifahrer aus 14 Nationen, darunter weitere ehemalige Profis wie Marc Girardelli, Tom Stiansen, Leonhard Stock und Frank Wörndl. Der deutsche Slalom-Weltmeister von 1987 freute sich vor allem darüber, die alten Rennfahrerkollegen wiederzusehen. Gelegenheit dazu hatte er auf einer der zahlreichen "Weißen Partys" in Lech und Umgebung, bei denen das Tragen weißer Kleidung Pflicht war. Realistische Siegchancen räumte sich Wörndl allerdings nicht ein: "Als Slalomfahrer bist du gegenüber den Abfahrern vielleicht ein bisschen benachteiligt." Ihr Können mussten die ehemaligen Skifahrer-Legenden schon bei einem Nachtslalom am Vorabend des Events zeigen. Hier ging es darum, die begehrten ersten 25 Startnummern auszufahren, die eine noch unberührte Piste garantieren. Die Eins holte sich der frühere Slalom-Weltmeister Tom Stiansen aus Norwegen.


Höchste Priorität für Sicherheit

Partylaune im Zielraum

Partylaune im Zielraum

Gestartet wurde das Rennen dann frühmorgens am Rüfikopf in 2.362 Meter Höhe. Von dort oben stürzten sich die Ski-Begeisterten in 20er Gruppen und etwa Zwei-Minuten-Abständen ins Pistenvergnügen. Dabei hatte Sicherheit höchste Priorität. So war die Rennstrecke für die Teilnehmer reserviert und teilweise mit Fangnetzen gesichert. Auch bestand Helmpflicht. Und wie in der Formel 1 waren Streckenposten verteilt, die mit gelben Fahnen vor möglichen Gefahren warnten, aber auch das korrekte Durchfahren der Tore überwachten. Für Charles aus Zürich war es ein gutes Gefühl, "dass da eine abgesicherte Piste ist mit vielen Leuten, die sofort einspringen und helfen, wenn man umfällt oder etwas passiert." Stürze waren dennoch nicht zu vermeiden, doch verliefen sie glimpflich, so dass der bereit gestellte Rettungs-Hubschrauber nicht zum Einsatz kam.


"Die Oberschenkel brannten wie verrückt"

Der Schnellste: Cornelius Greussing

Der Schnellste, Cornelius Greussing

Unterwegs waren auch etwa 30 Snowboard-Fahrer, obwohl diese es nicht immer leicht hatten, gab es doch auch recht flache Passagen und Ziehstrecken. Und beim Start musste gar ein 50 Meter langer Anstieg bewältigt werden, der sozusagen das Aufwärmprogramm für alle darstellte. Der überwiegende Teil der Pisten wurde von den Rennläufern dann zumeist in der Hocke gefahren. Für Rainer aus Konstanz gab es Warnzeichen dafür, "dass ich wieder mehr Sport machen muss, weil die Oberschenkel wie verrückt brannten." Und für Stefan aus Überlingen vom Bodensee war es ein Glück, "dass zwischendurch immer wieder Lifte zum Erholen dabei waren."


Die Stars hatten das Nachsehen

Anja Weiskopf (Mitte) siegt vor Eveline Stremitzer (re.)und Caroline Schertler-Manhart

Frauenpower in Lech

Im Ziel am Schlegelkopfplatz standen schließlich nicht die ehemaligen Weltcup-Stars auf dem Siegertreppchen, sondern Fahrer aus der Region, die über beste Streckenkenntnisse verfügten. Schnellste Dame war Anja Weiskopf aus St. Anton am Arlberg mit einer Zeit von 46:00,39 Minuten. Petra Haltmayr belegte Platz sechs. Und bei den Herren sicherte sich Cornelius Greussing aus Möggers in Vorarlberg mit einer Zeit von 44:35,73 den Sieg. Schnellster prominenter Teilnehmer war hier Marc Girardelli auf Rang 5, Vorjahressieger Ortlieb musste mit Platz 7 vorlieb nehmen. Frank Wörndl sah nur als 104. die Zielflagge. Und auf Rang 756 kam Hobbyfahrer Matthias aus Gauting bei München. Für ihn war die eigene Leistung "ohne Ehrgeiz zufriedenstellend." Dennoch fand Matthias für das Rennen nur Attribute wie "super, sensationell, einmalig." Wer nun 2010 bei der Skirunde mit dabei sein möchte, sollte im Internet die Seite www.derweissering.at ganz genau beobachten. Denn für dieses Jahr waren die 1.000 Startnummern bereits nach acht Tagen vergeben.

WWW-Links

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