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Wirtschaft

Der Weg ist frei für den Transrapid

Jahrelang war die Zukunft des Transrapidprojekts in München ungewiss. Nun ist der Weg frei: Der Hightech-Zug soll Wirklichkeit werden. Doch es regt sich neue Kritik.

Ein Transrapid steht am am Terminal 2 auf dem Münchner Flughafen (10.08.2007, dpa)

Ein Transrapid steht am am Terminal 2 auf dem Münchner Flughafen

Glücklich und erleichtert traten am Dienstagvormittag (25.09.2007) Bayerns scheidender Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Erwin Huber vor die Presse: Der Weg für die erste kommerzielle Transrapid-Strecke in Deutschland sei frei. Mit dem Bau der 37 Kilometer langen Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen solle im Sommer 2008 begonnen werden.

Finanzierungkonzept besiegelt

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hält ein Modell des Transrapid in den Händen (dpa)

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Zuvor hatte sich der Freistaat Bayern nach jahrelangem Streit mit der Deutschen Bahn sowie dem Transrapid-Konsortium um die beiden Konzerne ThyssenKrupp und Siemens auf ein Finanzierungskonzept geeinigt. Bislang war die Umsetzung der Transrapid-Pläne an einer ungeklärten Finanzierung gescheitert.

Gegen die Verlautbarung aus München regt sich inzwischen Protest. Dabei wird Kritik sowohl gegen die Finanzierung als auch gegen den Transrapid selbst Kritik laut.

Steinbrück warnt vor Kostenexplosion

Ein Wagen der Transrapid-Schwebebahn liegt zerstört (22.09 2006) auf dem Fahrweg der Transrapid-Versuchsstrecke in Lathen im Emsland. (AP)

Zankapfel Transrapid: Wegen des schweren Unfalls im Emsland in Negativ-Schlagzeilen

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück meldete Zweifel an der bisherigen Finanzierung des Münchner Transrapid-Projekts an. "Das Projekt wird deutlich teurer", sagte der SPD-Politiker der Tageszeitung "Stuttgarter Nachrichten". "Die Kosten werden auf keinen Fall bei 1,85 Milliarden Euro stehen bleiben." Die Zahl basiere auf einer fünf Jahre alten Schätzung und sei nicht mehr aktuell.

Steinbrück schloss zugleich aus, dass der Bund sich über die bislang gemachten Zusagen an etwaigen Mehrkosten beteiligen werde: "Wenn Ministerpräsident Stoiber die Finanzierungslücke schließen will, sage ich à la bonne heure", sagte Steinbrück. "Aber er muss wissen, dass der Bund seinen Betrag auf 50 Prozent von 1,85 Milliarden Euro deckelt. Bei 925 Millionen ist Schluss."

Haushaltspolitiker: Letztes Wort noch nicht gesprochen

Auch der Haushaltspolitiker der Union Steffen Kampeter meldete Zweifel an. Das Projekt sei nun "in finanzierbare Nähe gerückt", sagte er in Berlin. Das Bundesfinanz- und Verkehrsministerium müssten aber eine aktualisierte Kosten- und Finanzierungsrechnung vorlegen. "Der Teufel steckt im Detail", sagte Kampeter und verwies vor allem auf mögliche Mehrkosten beim Bau der Magnetschwebebahn.

Ähnlich äußerten sich Haushaltsexperten der SPD. Bereits in der Vergangenheit hatte es dort geheißen, der Bund sollte seinen Finanzierungsanteil von 550 Millionen auf maximal 925 Millionen Euro nur dann aufstocken, wenn Bayern mögliche höhere Baukosten trägt. Zu den Risiken steigender Kosten müsse es feste Übernahmevereinbarungen geben. In einer Realisierungsvereinbarung, die das Konsortium am Montagabend mit der Bahn und dem Freistaat Bayern unterzeichnete, ist von Gesamtkosten von 1,85 Milliarden Euro die Rede.

Stadt München gegen Transrapid

Transrapid in Shanghai (Archivbild, dpa)

Bisher gibt es eine einzige kommerzielle Strecke des Transrapid in Schanghai

Kritik kommt auch von der Stadt München. Sie will alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Bau des Transrapids zu verhindern. Oberbürgermeister Christian Ude kündigte am Dienstag Klagen sowohl gegen den Flughafenausbau durch den Transrapidbahnhof als auch eine Klage gegen eine Baugenehmigung an. Der Transrapid würde Stadtentwicklungschancen zerstören, sagte Ude. Er kündigte an, ein breites Bündnis von Parteien, Gewerkschaften, Umweltschützern und von der Trasse betroffene Gemeinden gegen die Schwebebahn aktivieren zu wollen. Der Finanzierungsplan für die Magnetschwebebahn sei vollkommen naiv und voller Luftbuchungen. Der Transrapid werde

mindestens 2,2 Milliarden Euro kosten, sagte Ude.

Industrie: Transrapid gut für Technikstandort

Der Verband Deutscher Ingenieure (VDI ) hingegen hat den Beschluss zum Bau des Transrapid als verkehrspolitisch richtigen Schritt gewertet. Aus verkehrspolitischer, ökonomischer und ökologischer Sicht sei der Transrapid unverzichtbar, schaltet sich Volker Wanduch, der Leiter Technik & Wissenschaft im VDI, in die Diskussion ein. Dies verdeutliche auch eine VDI-Studie zum Transrapid, sagte er. Der Bau einer Transrapidstrecke stärke den Technikstandort Deutschland und ergänze sinnvoll die

ausgelasteten bestehenden Verkehrswege. Die Magnetbahntechnik verbrauche zudem erheblich weniger Energie als vergleichbare Verkehrsmittel, beschreibt Wanduch die wichtigsten Vorteile des Transrapids. (vem)

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