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Nahost

Der Versuch, die Welt sicherer zu machen

Warum führen die USA diesen Krieg, gestützt auf nur wenige Verbündete und gegen den erklärten Willen der Mehrheit Nationen - auch und gerade im Sicherheitsrat? Ein Kommentar von Miodrag Soric.

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Alle Ultimaten sind abgelaufen. Jede "letzte Chance" blieb ungenutzt. Der Krieg gegen den Irak hat begonnen. Die alliierten Truppen hoffen auf keinen nennenswerten militärischen Widerstand zu treffen. Viele Iraker dürften die Invasoren in den ersten Kriegstagen als Befreier vom Joch des Diktators Hussein willkommen heißen.

Freilich weiß niemand genau, ob der bisherige Alleinherrscher von Bagdad Massenvernichtungswaffen einsetzen wird, ob Tausende oder sogar Zehntausende von Menschen getötet werden. Die Welt hofft, dass der Krieg so kurz wie möglich sein wird.

Die Politik vermochte es nicht, den Krieg zu verhindern. Schon seit Wochen schwand die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Amerikaner, Briten und ihre Verbündeten scherte es nicht, dass der Rest der Welt - darunter auch Deutschland - diesen Krieg ablehnt. Sie schlugen alle Warnungen in den Wind, dass ein Irakkrieg die Welt keineswegs sicherer macht. Im Gegenteil: Weltweit könnten sich islamistische Terroristen ermuntert fühlen - jetzt erst recht - gegen den verhassten Westen vorzugehen.

Seit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Widersprüche innerhalb des Westens immer größer. Der Streit um das Für und Wider des Irak-Krieges führte dazu, dass sich Europäer und Nord-Amerikaner inzwischen fragen, ob es "den Westen", so wie wir ihn bislang kannten, überhaupt noch gibt. Noch bevor der erste Schuss im Irak fiel, standen die Verlierer bereits fest: die NATO, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, und die UNO, die von Amerika einfach übergangen wird. Was zählt noch das internationale Völkerrecht, wenn es ausgerechnet jener Staat bricht, der sich in der Vergangenheit für mehr Gerechtigkeit in der Welt eingesetzt hat?

Weshalb dieser Krieg? Geht es den Amerikanern um Moral, um den Sturz eines diktatorischen Regimes? Wohl kaum. Zu lange haben die USA Saddam Husseins Macht geduldet, ihn früher - gemeinsam mit anderen westlichen Staaten - sogar mit Waffen und Geld versorgt. Geht es in diesem Krieg in erster Linie um das irakische Erdöl? Auch das ist nicht der Fall. Die Sanktionen der letzten Jahre haben die irakische Erdölindustrie hart getroffen. Raffinerien, Pumpen und Rohre sind veraltet. Es wird mindestens fünf Jahre dauern, bis das verrottete Gerät instand gesetzt ist. Erst dann könnte der Irak wieder größere Mengen Öl exportieren. Ob die Amerikaner aber in fünf Jahren noch im Irak präsent sein werden, weiß niemand.

Weshalb also führt George W. Bush diesen Krieg? Die Antwort ist in den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon zu finden. Viele Amerikaner sehen diesen Terror im eigenen Land - und noch dazu an den Schaltstellen wirtschaftlicher und militärischer Macht - als Kriegserklärung, wie einst Pearl Harbour es war. Und aus ihrer Sicht ist der Angriff auf den Irak nur eine Etappe in diesem Krieg.

Am Tag nach dem 11. September fragten sich amerikanische Sicherheitsexperten, was geschehen wäre, wenn die Terroristen Massenvernichtungswaffen eingesetzt hätten. Wer Messer in ein Flugzeug zu schmuggeln vermag, der bringt auch B- oder C-Waffen mit an Bord. Die Folgen eines solchen Anschlags wären für Amerika unabsehbar gewesen. Nicht 3000 Menschen, sondern vielleicht Millionen hätten ihr Leben verloren.

Ziel des amerikanischen Präsidenten ist es, dass Terroristen keine Massenvernichtungswaffen erhalten, um sie gegen die USA einzusetzen. Oder dass sie solche Waffen von Staaten wie dem Irak überhaupt erst bekommen. Der Sturz Saddam Husseins würde dies verhindern und er wäre eine Warnung an alle vergleichbaren Potentaten. Die Botschaft der USA an sie lautet, nicht den Besitz von Massenvernichtungswaffen anzustreben - andernfalls droht ihnen die Entmachtung.

Amerikas Sicherheitsbedürfnis nach den Ereignissen vom 11. September scheint keine Grenzen zu kennen. Präsident Bush ist von seiner Mission überzeugt und lässt sich durch Kritik nicht beeindrucken: Bewährte Verbündete werden vor den Kopf gestoßen, internationale Organisationen ignoriert, wenn sie der amerikanischen Regierung widersprechen. Die Welt, besonders aber Europa, braucht die USA als Partner. Umgekehrt wird auch Amerika erkennen müssen, dass es alleine die Welt nicht sicherer machen kann.