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Kultur

Der verlorene Schatz des Folkwang-Museums

Das Folkwang-Museum war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Zentrum für Avantgarde-Kunst. 1937 zerstörten die Nazis die Sammlung. Für "Das schönste Museum der Welt" kamen viele der verfemten Werke nach Essen zurück.

Fran Marcs Bild Die roten Pferde © President and Fellows of Harvard College / Foto: Rick Stafford

Franz Marc Weidende Pferde IV (Die roten Pferde), 1911

Paul Sachs, Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, kam 1932 ins Schwärmen, als er das Folkwang Museum in Essen besuchte. Begeistert sprach er von dem "schönsten Museum der Welt". Doch die legendäre Kunstsammlung wurde im Schicksalsjahr 1937 vernichtet, als die Nationalsozialisten viele Werke als "entartete Kunst" beschlagnahmten. Das Museum Folkwang verlor fast 1.500 Werke. Deutschlandweit haben die NS-Machthaber mehr als 17.000 Gemälde, Zeichnungen oder Skulpturen konfisziert. Einige wurden vernichtet, die meisten gegen Devisen in die ganze Welt verkauft. Mit der ersten Sonderausstellung "Das schönste Museum der Welt" soll der Glanz der großartigen Sammlung Folkwang rekonstruiert werden.

Rückkehr des verlorenen Schatzes

Etwa 50 Gemälde konnten die Ausstellungsmacher auf Zeit nach Essen zurückholen, darunter Werke von Klee, Chagall oder Kandinsky. "Die Bilder mussten aus der ganzen Welt besorgt werden", erzählt Kurator Uwe Schneede. "Wir haben damit gerechnet, dass viele Leihgeber, vor allem die amerikanischen Museen, zögern würden, Werke die hier einmal beschlagnahmt worden sind, für die Ausstellung zu verleihen." Durch persönliche Gespräche habe man die Angst zerstreuen müssen, die Bilder in Deutschland behalten zu wollen. "Es ist aber so, dass im Unterschied zur Raubkunst, die Beschlagnahmungs-Aktion der Nazis legal war und es gibt keinerlei Möglichkeiten der moralischen Rückgabeforderungen", so Schneede.

Fotografie: Albert Renger-Patzsch

So sah es im Folkwang-Museum um 1930 aus: Raum mit Georg Minnes Brunnen und Gemälden von Oskar Schlemmer

Denn anders als die Beschlagnahmung privater Kunstschätze gilt die von öffentlichem Besitz heute als rechtens, da die Nationalsozialisten vorher ein entsprechendes Gesetz erließen. Direkt nach dem Krieg konnte das Museum Folkwang einige Werke zurück kaufen, das berühmteste ist Paul Cézannes Landschaftsgemälde "Der Steinbruch Bibémus" von 1895. Das Bild hat eine Odyssee hinter sich: es befand sich im Besitz des Oberbefehlshabers der Deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, gelangte über die USA und die Schweiz wieder zurück nach Essen.

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Innenansicht Museum Folkwang um 1930 Fotografie: Albert Renger-Patzsch

Blick in die Große Galerie mit Gemälden von Paula Modersohn-Becker und Franz Marc

"Der Blick zurück ist zugleich der Neuanfang für das neue Museum Folkwang", betont Direktor Hartwig Fischer. "Es ist uns gelungen, ein Bild nach Essen zurück zu bringen, das der Direktor in den 1920er Jahren, Ernst Gosebruch, das 'Ladenschild' unseres Museums genannt hat: 'Die roten Pferde' von Franz Marc, die Karl-Heinz Osthaus, der Gründer des Museums, direkt von Marc gekauft hat." Auch dieses Bild wurde 1937 von den Nazis konfisziert und verkauft. Eigentlich hängt es in den USA, für die kommenden vier Monate ist es zurück in Essen. Die Meisterwerke werden gleichrangig nebeneinander, ohne thematische Gewichtung, präsentiert. Dazu ist die neue, etwa 1.400 qm große Ausstellungs-Halle durch weiße Wände unterteilt worden. Durch ausgeklügelte Blickachsen treten immer mindestens zwei Räume in einen Dialog miteinander.

Meilensteine der Kunstgeschichte

Insgesamt werden etwa 350 Gemälde, Skulpturen und Objekte alter Kulturen präsentiert. Die Ältesten stammen aus Ägypten. Hauptwerke sind aber Bilder, wie Renoirs "Lise", "Die 5 Frauen" von Ernst Ludwig Kirchner oder Paul Gauguins "Barbarische Erzählungen".

Das größte und imposanteste Exponat der Ausstellung ist "Das Leben Christi" von Emil Nolde aus dem Jahr 1911. Ursprünglich malte der Künstler nur einzelne Szenen und erst im Laufe der folgenden Monate entwickelte sich daraus ein gewaltiges Altarbild.

Der Flügelaltar besteht aus insgesamt 9 Tafeln und ist fast 6 Meter breit. Er ist nur einer von vielen Meilensteinen der Kunstgeschichte, die im "schönsten Museum der Welt" zu bestaunen sind.

Autor: Stefan Leiwen

Redaktion: Sabine Oelze

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