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Politik

Der vergessene Krieg in Uganda

Seit 18 Jahren bekämpfen sich Rebellen und Regierungstruppen in Uganda und die Weltöffentlichkeit nimmt den Konflikt kaum wahr. Opfer des Krieges ist die Zivilbevölkerung. Die Rebellen plündern, vertreiben, morden.

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Will eine militärische Lösung: Yoweri Musevini

Worum es bei dem Krieg eigentlich geht, ist nicht sicher. Die Lord Resistance Army (LRA) um Joseph Kony fordert keine territoriale oder politische Macht. Zunächst war das Ziel der Rebellen, einen christlichen Gottesstaat aufzubauen - es blieb stets zweifelhaft, ob diese Forderung ernst gemeint war. Seit einigen Jahren rücken die Rebellen ein neues Ziel in den Vordergrund: Den Sturz des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni. Die Justiz solle die Verbrechen Musevenis ahnden. Dennoch richtet sich der Krieg der Rebellen mit aller Grausamkeit gegen die ugandische Zivilbevölkerung.

Der LRA-Kommandant Kony behauptet von sich, er sei das Medium machtvoller Geister. Seinen Soldaten macht er glauben, dass "Heilige Öle" und "Heiliges Wasser" sie im Kampf unverwundbar machen. Auf diese Weise "von höchster Stelle legitimiert", kämpfen die Soldaten einen grausamen Krieg. Der Kampf findet vor allem in der Acholi-Region statt, "doch der Konflikt weitet sich aus", sagt der ugandische Erzbischof John Baptist Odama.

Tausende Ugander Flüchtlinge im eigenen Land

Die Rebellen überfallen die Acholis, "plündern ihre Felder, verwüsten ihre Dörfer, morden Männer und Frauen" – Hans-Peter Hecking, Afrikaexperte von missio bekommt immer wieder Schreckensberichte von Missionaren aus Uganda. Zehntausende haben die Rebellen seit Beginn des Bürgerkrieges getötet, unzählige mit Spaten und Macheten verstümmelt. Die Ugander versuchen dem Terror zu entfliehen – ganze Ortschaften sind entvölkert.

In "Schutzdörfern" der ugandischen Regierung sollen sie vor den Rebellen sicher sein. Doch fehlt es dort am Nötigsten. "In den Camps leben sie zusammengepfercht in primitivsten Behausungen", sagt Hans-Peter Hecking. Da die LRA auch Hilfskonvois internationaler Organisationen attackierte, spitzt sich die Versorgungslage der Flüchtlinge zu.

Kinder kämpfen gegen das eigene Volk

Die Kämpfer der LRA sind dabei zum großen Teil zwangsrekrutierte Kinder. Die Rebellen bewaffnen sie, setzen sie unter Drogen – sie erziehen die Kinder zum Morden des eigenen Volkes. "Die LRA zwingt die Kinder sogar, ihre eigenen Verwandten zu töten. Das ist eine Absage an ihr bisheriges Leben – denn sie können nie wieder zurück", schildert Odama.

"Die Kinder haben große Angst", erzählt der Erzbischof weiter. Jede Nacht kämen Tausende Kinder von den Dörfern in die Städte. Sie suchten Schutz vor den Rebellen. "Dort campieren sie unter freiem Himmel." Mit den Entführungen von Kindern erneuert sich die LRA seit ihrem Entstehen.

Sie formierte sich vor 18 Jahren aus der Armee des früheren ugandischen Präsidenten Milton Obote. Mit der Machtübernahme des jetzigen Präsidenten Museveni, hatten die Kämpfer Obotes ihren Status und ihr Einkommen verloren. Fast alle stammten aus dem Norden Ugandas, der Acholi-Region. Die Gegend verarmte. Es entstand eine Rebellenbewegung mit etwa 3000 Anhängern.

Unterstützung aus dem Sudan

Waffen und Geld kamen aus dem Sudan. Die Zusage, die Rebellen nicht zu unterstützen, blieb ein Lippenbekenntnis der Sudanesen. Auf Druck der USA verbesserten sich die ugandisch-sudanesischen Beziehungen vorübergehend. 2002 gestand der Sudan der ugandischen Armee zu, die Basis der LRA im Sudan bekämpfen zu dürfen. Die Ugander konnten die LRA in den Südsudan zurückdrängen – für kurze Zeit. Die Rebellen kamen zurück. Inzwischen berichten Menschenrechtsorganisationen von neuen Waffenlieferungen aus dem Sudan.

Museveni setzt auf militärische Lösung

"Der Krieg in Uganda kann nur mit Friedensgesprächen beendet werden", sagt John Baptist Odama. Als Präsident der "Acholi Religios Leaders Peache Initiative" (Friedensinitiative der Religiösen Führer in Acholi) hat er versucht, die Konfliktparteien zu einer Einigung zu bringen. Zwar gab es Gespräche zwischen LRA und Regierung. Doch der ugandische Präsident setzt lieber auf eine militärische Lösung. "Wir brauchen deshalb die Hilfe der internationalen Gemeinschaft", sagt Odama, "Hilfe von Ländern, die Einfluss auf die ugandische und sudanesische Regierung haben."

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