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Sport

Der vergötterte "blonde Engel"

Während Werder Bremen zum Auftakt der Champions League nur mit kränkelnden Kickern aufwartet, wird Gegner Real Madrid unter seinem neuen Trainer Bernd Schuster schon als "Fussballclub des 22. Jahrhunderts" bejubelt.

Der deutsche Mittelfeldspieler Bernd Schuster (l) kommt vor dem niederländischen Mittelfeldakteur Willy van de Kerkhof zum Flanken, Fußball-EM 1980, Foto: dpa

Immer noch so beliebt wie in den 1980ern: Bernd Schuster (l.)

Fast hysterische Fans flehen um Autogramme, Dutzende von Journalisten hängen an seinen Lippen - nach nicht einmal zwei Monaten vergöttert Madrid den Trainer Bernd Schuster, wie er einst im Real-Dress als "blonder Engel" verehrt wurde. Nach sechs mehr oder minder erfolgreichen Vorgängern haben die Königlichen ganz offensichtlich ihren Wunschcoach gefunden.

Real Madrid Coach Bernd Schuster, Foto: AP

Jede Menge Vorschußlorbeeren für Schuster

Die erste Champions-League-Partie gegen Werder Bremen am Dienstag (18.9.) war noch gar nicht gespielt, da wurden die Spanier in den einschlägigen Sportzeitungen schon als "Fußballer des 22. Jahrhundert" gefeiert - für Schuster Ansporn und Anspruch zugleich: "Real Madrid, das ist der Auftrag, muss schön und erfolgreich spielen. Meine Aufgabe ist es, die richtige Balance dafür zu finden."

Schreibt Schuster Fußballgeschichte?

Der 47-Jährige setzt bei allem Erfolgsstreben klare Schwerpunkte. "Spanischer Meister zu werden, ist okay, aber die Champions League ist ein ganz anderes Niveau. Wer dort gewinnt, geht in die Fußballgeschichte ein, zusammen mit den ganz Großen", so der Ex-Nationalspieler, dem die schier grenzenlose Euphorie um seine Person fast ein bisschen peinlich ist: "Als Trainer habe ich ja noch gar nichts gewonnen."

So viele Vorschusslorbeeren hat Werder Bremen und ihr Trainer Thomas Schaaf nicht erhalten. Bei den Hanseaten ist die Stimmung vor dem Spiel angesichts des Ausfalls von mehr als einem halben Dutzend Stammspielern gedrückt. Sie stehen bei Auftakt der Champions League als krasser Außenseiter der mit rund 120 Millionen aufgerüsteten Weltklasse-Auswahl aus Madrid gegenüber: Werder droht daher die vierte Auftaktpleite bei der vierten Champions-League-Teilnahme.

Schiefes Kräfteverhältnis

3:109 - diese Zahlen dokumentieren anschaulich das Kräfteverhältnis zwischen dem derzeitigen Dreizehnten in der Bundesliga und dem Tabellenführer der Primera Division. Gerade mal drei Tore haben die zur Verfügung stehenden Bremer Stürmer bisher in der Luxusklasse des europäischen Club-Fußballs erzielt, während allein Raul und Ruud van Nistelrooy zusammen im dreistelligen Bereich liegen. "Real hat eine bemerkenswerte Offensive", sagte Coach Thomas Schaaf voller Respekt: "Wenn man die gewähren lässt, wird es schwierig." Sein Rezept lautet: "Entscheidend ist, dass wir den Gegner auch mal in Not bringen."

Der Trainer Thomas Schaaf und die Spieler Jurica Vranjes aus Kroatien, Clemens Fritz, Miroslav Klose, von links nach rechts, Foto: AP

Physisch und psychisch angeschlagen: Werder Bremen

Ausgerechnet vor der schwersten Aufgabe der Gruppe C sind die Bremer aber physisch und psychisch angeschlagen. Sie mussten beim mühsam verhinderten Debakel in Dortmund (0:3) erkennen, dass die vielen Ausfälle selbst im Liga-Alltag kaum zu ersetzen sind. Schaaf klagt jedoch nicht, auch wenn die Liste der fehlenden Asse von den Nationalspielern Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz sowie dem brasilianischen Stareinkauf Carlos Alberto angeführt wird.

Manager Klaus Allofs sagte vorsichtig: "Wenn Spieler wie Frings, Borowski und Fritz dabei wären, würde sich der Druck auf mehrere Schultern verteilen." So lastet er vor allem auf Diego. Dass zudem in Aaron Hunt und Ivan Klasnic seit langem die erfolgreichsten Stürmer und Stammverteidiger Pierre Womé fehlen, zudem Patrick Owomoyela und Martin Harnik noch nicht hundertprozentig fit sind, wird bei Werder kaum mehr erwähnt. "Real steht für etwas Außergewöhnliches, für etwas ganz Besonderes." Da muss es für die Bremer fast wie eine Drohung klingen, dass der deutsche Nationalspieler Christoph Metzelder ankündigte: "Jetzt wollen wir auch gut in die Champions League starten." (ina)