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Der Vatikan drückt aufs Tempo

16. Februar 2013

Nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt kommen die Kardinäle möglicherweise früher als vorgeschrieben zur Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes zusammen.

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Blick in die Sixtinische Kapelle im Vatikan, in der die Papstwahlen stattfinden (Foto:AFP/Getty Images)
Bild: Valery Hache/AFP/Getty Images

Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15. März beginnen, kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom an.

Der 85-jährige Benedikt XVI. will am 28. Februar aus Altersgründen zurücktreten. Da sich die Kardinäle nach dieser Ankündigung entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen, teilte Lombardi mit. Die kirchenrechtlichen Vorschriften zur Wahl eines neuen Papstes könnten so interpretiert werden.

Gemäß der Regeln, die Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. festgelegt hatte, müsste das Konklave aus 117 Kardinälen zwischen dem 15. und dem 20. März zusammentreten. In dem Text heißt es, ab dem Tag, an dem der Papststuhl vakant sei, müssten die bereits im Vatikan versammelten Kardinäle "volle 15 Tage" auf die anreisenden Kardinäle warten. Wahlort und Stätte der Beratungen der Kardinäle ist die berühmte Sixtinische Kapelle (Artikelbild).

Spekulationen um Papst-Nachfolge

Das Datum für das Konklave ist wichtig, da bereits mit dem Palmsonntag am 24. März die Karwoche beginnt. Am 31. März ist Ostersonntag. Zu den Oster-Feierlichkeiten will die römisch-katholische Kirche bereits ein neues Oberhaupt haben. Daher müsste Benedikts Nachfolger bereits am 17. März in sein Amt eingeführt werden.

In den verbleibenden Tagen an der Spitze der Kirche absolviert der Papst derweil sein Programm wie üblich. Als einen seiner letzten Staatsgäste empfing Benedikt XVI. den Präsidenten von Guatemala, Otto Perez Molina. Gegenstand der Unterredung waren nach Vatikanangaben unter anderem der Kampf gegen Armut, Drogenhandel und organisierte Kriminalität in dem mittelamerikanischen Kleinstaat. An diesem Sonntag (17.02.2013) werden auf dem Petersplatz mehr als 100.000 Menschen zum traditionellen Angelus-Gebet erwartet. Mit einem riesigen Andrang von Gläubigen rechnet der Vatikan zur letzten Generalaudienz Benedikts am 27. Februar. Es seien bereits mehr als 35.000 Anfragen eingegangen, teilte Federico Lombardi mit.

Papst Benedikt XVI. mit dem Präsidenten Guatemalas, Otto Perez Molina und dessen Frau (Foto: Reuters)
Papst Benedikt XVI. mit dem Präsidenten Guatemalas, Otto Perez Molina, und dessen FrauBild: Reuters

Der Journalist Peter Seewald, der an einem neuen Buch über den deutschen Papst arbeitet, berichtet im Magazin "Focus", Benedikt habe seine Erschöpfung bereits vor längerer Zeit eingeräumt. Bei einem Treffen im Sommer habe der Papst auf die Frage, ob er an Rücktritt denke, geantwortet: "Das hängt davon ab, wie weit meine physischen Kräfte mich dazu nötigen werden." Er habe den Papst nie zuvor so erschöpft und niedergeschlagen gesehen, sagte Seewald dem "Focus" weiter. Mit letzter Kraft habe Benedikt den dritten Band seines Jesus-Werkes zu Ende gebracht. "Mein letztes Buch", habe der 85-Jährige gesagt.

wl/pg (dpa, ap, rtr, afp)