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Fußball

Der Vater der zweiten Luft

Deutschlands Nationalspieler wirkten bei der EURO stets körperlich fit. Der Drillmeister im DFB-Team heißt Shad Forsythe und kommt aus den USA.

Geht ein Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die Schlussphase, wundern sich Fans und Gegner oft, wie fit die Spieler bis zur letzten Minute über den Platz rennen. Grund für die "zweite Luft" ist die Arbeit von Shad Forsythe (39). Der Fitnesstrainer aus den USA betreut seit 2004 die Nationalmannschaft. DW-Reporter Peter Wozny traf ihn zwischen zwei Trainingseinheiten.

Deutsche Welle: Shad, bei den Spielen fiel immer wieder auf, wie gut die körperliche Verfassung der deutschen Spieler war.

Shad Forsythe: Oh, danke für das Kompliment.

Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Die Gesundheit hat bei uns höchste Priorität. Die meisten Dinge, die Sie beim Training beobachten können, dienen dazu, die Spieler körperlich stabiler zu machen. Erst dann verbessern wir Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Dabei arbeiten wir sehr individuell. Denn jeder Spieler muss zu jedem Zeitpunkt des Turniers topfit sein. Wir müssen jeden Muskel und jedes Gelenk optimal trainieren. Das ist bei 23 Spielern nicht leicht. Aber mittlerweile betreue ich die deutsche Mannschaft schon beim vierten großen Turnier, da funktioniert vieles von allein.

Man sieht sie immer noch mit den berühmten Gummibändern arbeiten. Was hat es damit auf sich?

Das ist nur eine von vielen Übungen zur Stabilisierung. Wenn jemand 15 oder 20 Jahre Fußball spielt, haben sich seine Beine unterschiedlich entwickelt. Die meisten haben ein stärkeres Schussbein und ein stabileres Standbein. Für das moderne Spiel ist es aber wichtig, dass die Beine möglichst gleichmäßig entwickelt sind. Denn Fußball ist eine immer schneller werdende Kombination aus Rennen und Schießen. Vor allem bei schnellen Richtungswechseln ist es wichtig, dass wir in beiden Beinen die gleiche Stabilität haben.

Was war bei dieser EM für die die größte Herausforderung?

Die hatten wir eigentlich gleich zu Beginn, weil fast alle Spieler zu unterschiedlichen Zeitpunkten in die Turniervorbereitung eingestiegen sind. Die Spieler von Bayern München und Real Madrid hatten zum Beispiel eine besonders lange Saison. Unser Job war es, den Fitnesszustand jedes Einzelnen, der dazu gestoßen ist, genau zu ermitteln und alle auf ein einheitlich hohes Level zu bringen. Da mussten wir schon einige Male sehr kreativ sein. Aber wir haben einen großen Stab an Medizinern, Physiotherapeuten und Trainern, und die Zusammenarbeit klappt mittlerweile unglaublich gut.

Wie sieht ihre Arbeit im Verlauf eines Turniers aus?

Wir müssen im Trainerteam jeden Tag neu einschätzen, was gut und richtig ist, den Umfang und die Intensität jedes Trainings genau absprechen. Wann macht es Sinn, hart zu trainieren und wann müssen wir den Umfang drosseln? Wir müssen die Spieler, die 90 Minuten durchgespielt haben, ganz anders behandeln, als die Ersatzspieler. Und wir müssen sie immer weiter aufbauen. Bisher ist es uns gelungen, jeden kontinuierlich zu steigern. Aber wie schon erwähnt, hat die Gesundheit zu jedem Zeitpunkt Priorität. Die Spieler sollen nach der EM gesund und fit zu ihren Clubs zurückkehren.

Wie schaffen Sie es, dass sich die Spieler bis zum nächsten Match erholen?

Wir betrachten die Erholung als einen aktiven Prozess. Wir haben zum Glück ein sehr junges Team. Denn je älter die Spieler werden, desto länger brauchen sie, um wieder aufzutanken. Die aktive Erholung beginnt bei uns direkt nach dem Spiel mit einer speziellen Aufbau-Mahlzeit von DFB-Koch Holger Stromberg. Dann hängt natürlich auch viel davon ab, wie viele Tage bis zum nächsten Spiel bleiben. Aber da haben wir natürlich unsere Tricks, die ich nicht verrate.