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Kultur

Der Vater der "Syrischen Braut"

Der Film "Die syrische Braut" handelt von Leben, Leiden und Liebe auf den Golan-Höhen - und wird von der Kritik hochgelobt. Ein Interview mit dem israelischen Regisseur Eran Riklis.

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Auf welcher Seite des Zauns ist Heimat?


Ihr erster Spielfilm, "An einem klaren Tag sieht man Damaskus" (1984), handelte von einem Israeli, der für Syrien spioniert, und hatte eine wahre Geschichte als Hintergrund. Kehren Sie diesmal wieder zum Spannungsfeld Israel-Syrien zurück?

Filmfestival von Locarno - Regisseur Eran Riklis Die syrische Braut Porträtfoto

Regisseur Eran Riklis

Eran Riklis: Wahrscheinlich zog mich immer der israelisch-arabische Konflikt an. Außerdem merkte ich bereits bei diesem naiven, kleinen Film, dass Menschen mit einer gemischten politischen Identität, die persönliche Probleme erleben, am besten die Geschichte dieses Konfliktes widerspiegeln. In jenem Film, den ich heute übrigens sehr langweilig finde, ging es um die Gegenüberstellung von nationaler Identität und Landesverrat. Ein Wegweiser war auch der Film "Cup Final" (1990) über einen israelischen Fußballfan, der im Libanon von der PLO inhaftiert wird und mit seinen Geiselnehmern die Liebe zur italienischen Nationalmannschaft teilt.

Welche Rolle spielte dabei Ihr Dokumentarfilm "Grenzen" (1999), den Sie in vier Grenzregionen Israels gedreht haben und in dem unter anderem die Geschichte einer drusischen Braut auf den von Israel 1967 besetzten Golanhöhen erzählt wird?

Das waren verschiedene kleine Grenzgeschichten über Juden und Araber, Schmuggler und Grenzsoldaten. Eine der Episoden handelte von einer Hochzeit, die aufgrund eines bürokratischen Wirrwarrs nicht stattfinden konnte. Ich war insgesamt fünf Stunden an der israelisch-syrischen Grenze, aber diese eine Geschichte und diese Menschen blieben in meinem Kopf. Zwei Jahre später nahm ich Kontakt zu drusischen Bekannten auf den Golanhöhen auf. Ich begann, sie alle zwei Monate zu besuchen, um mir ihre Geschichten anzuhören. Die Idee für "Die Syrische Braut" entstammt aus jenem Dokumentarfilm. Aber die neue Produktion ist vor allem das Ergebnis meiner langen Reisen zu den Drusen und der Auseinandersetzung mit der Psychologie dieser Menschen, die zwischen ihrer syrischen Identität und dem Leben unter israelischer Herrschaft stecken.

Sie haben die Arbeit an dem Film während der zweiten Intifada und den Terroranschlägen begonnen, in einer Zeit, in der die Israelis grundsätzlich Kinos mieden und ausländische Produktionen das Land verließen. Gleichzeitig wussten Sie, dass Sie ausländische Co-Produzenten brauchten. Hatten Sie so viel Vertrauen in diesen Film?

Als ich den Satz "Monas Hochzeitstag wird der traurigste Tag ihres Lebens sein: Sie weiß, dass sie von dem Moment an, wo sie die Grenze überschreitet, nie wieder ihre Familie in Israel besuchen kann" für ein Exposé zum ersten Mal niederschrieb, wusste ich schon, dass ich einen Film über Monas Hochzeit innerhalb von zwei Jahren drehen würde. Wenn ein Filmemacher die Klarheit im Kopf gewinnt, dass er einen bestimmten Film machen will, führt er diesen komplexen Prozess zu Ende. Zwei Monate später traf ich schon die deutsche Produzentin Bettina Brokemper, sechs Monate später verhandelte ich bereits mit französischen Produzenten und anderthalb Jahre später habe ich bereits gedreht.

Sie nennen Ihren Film "Die Syrische Braut". Wie syrisch fühlen sich die Drusen – eine islamische, aber keine arabische Gemeinschaft - auf den Golanhöhen?

Eran Riklis Die syrische Braut The syrian bride Filmszene

Eran Riklis Die syrische Braut The syrian bride Filmszene

Die alte Generation ist Hafiz al-Assad, seinem Sohn Baschar und der Baath-Partei absolut treu. Außerdem ist ihre Treue auch praktisch. Sie wollen, im Fall einer Rückgabe der Golanhöhen an Syrien, nicht als Kollaborateure mit Israel gelten. Die israelische Herrschaft über die Golanhöhen ist, im Gegensatz zu den Palästinensergebieten, relativ ruhig, abgesehen von den schweren Ausschreitungen 1981, nachdem die Golanhöhen annektiert wurden. Fast alle Drusen, die ich kenne, leben friedlich mit den Israelis, nicht zuletzt, weil sie von Israel abhängig sind. Andererseits war ich überrascht, wie sehr sie sich besetzt fühlen. Auch wenn Drusen mir erzählten, dass sie meinen Film schätzen und mir dankten, dass ich ihr Leben bekannt mache, sahen sie mich als Vertreter der Besatzung, nur weil ich Israeli bin.

Um die weibliche drusische Mentalität zu entschlüsseln, engagierten sie die palästinensische Israelin Suha Arraf als Co-Autorin sowie fast nur palästinensische Israelis als Schauspieler. Sie selbst sprechen kein Arabisch. In welcher Sprache verliefen die Proben?

Das Drehbuch wurde auf Hebräisch geschrieben und in dieser Sprache verliefen auch die Proben bis zum Zeitpunkt, an dem wir am Text arbeiteten. Dann wurde der Text ins Arabische übersetzt. Da ich ein gutes Ohr für Sprachen insgesamt habe, konnte ich das Arabische "hören", ohne es zu können. Es ist komisch, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Da ich den Text sehr gut kannte und er zu den Charakteren sehr gut passte, erschien mir die Produktion kinderleicht.

Nur ein einziger Druse spielt in diesem Film mit und nur in einer Nebenrolle. Warum?

Zuerst suchte ich einen drusischen Co-Autor, fand aber keinen geeigneten, weil die Drusen keine Kino- oder Theatertradition haben. Adnan Trabshi, der Amin spielt, den konservativen, machohaften Ehemann von Monas Schwester Amal, ist ein israelischer Druse. Aber er lebt nicht auf den Golanhöhen. Die Familienkultur eines klassischen arabischen Dorfes in Galiläa unterscheidet sich jedoch kaum von einem drusischen Dorf auf dem Golan. Und dies war Suha Arefs Beitrag zum Drehbuch.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Rückgabe des Golans für einen Friedensvertrag mit Syrien?

Der Golan ist wunderschön und auch die jüdischen Bewohner sind ihm sehr verbunden. Aber für Juden hat er nicht die emotionale Bedeutung wie beispielsweise die Stadt Hebron. Was verbindet uns mit dem Golan letztendlich außer Sicherheitsfragen, die lösbar sind. Ich betrachte die Golan-Drusen als Syrer, weil sie sich selbst so definieren. Da ich mit ihnen relativ leicht zurechtkam, habe ich das Gefühl, dass auch die Israelis sehr einfach mit den Syrern zurechtkommen können. Ich glaube daher an einen relativ baldigen Frieden mit Syrien.

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  • Datum 24.03.2005
  • Autorin/Autor Das Interview führte Igal Avidan, Qantara.de
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6P2w
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