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Wirtschaft

Der US-Immobilienmarkt bedroht die Weltkonjunktur

Für viele Amerikaner ist das eigene Haus die wichtigste Altersvorsorge. Doch nun brechen die Immobilienpreise ein. Das ist auch für die US-Konjunktur gefährlich - und damit für die gesamte Weltwirtschaft.

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Zu verkaufen: Häuser in Encinitas, Kalifornien

Die Zeitungsanzeige spricht Bände: "Haus, 490.000 Dollar, muss noch dieses Wochenende weg! 2000 Dollar bar auf die Hand für Big Screen TV oder neue Couch!", wirbt ein Hausbesitzer in Sacramento, Kalifornien. Der Traum vom eigenen Heim verkehrt sich für immer mehr Amerikaner zum Albtraum. Verzweifelte Verkäufer bieten kostenlose Extras wie Edeleinbauküchen, Swimmingpools oder gratis Leihwagen. Ein eiskalter Wind pfeift plötzlich durch den überhitzten US-Immobilienmarkt.

Ausflippen beim Makler

In den Regionen um San Francisco Bay oder in Orlando, Florida, bleiben Objekte wochenlang auf dem Markt oder gehen nur gegen heftige Preisabschläge weg. Patrick Newport, Ökonom von Global Insight nennt einen Grund für die Krise in der noch vor kurzen florierenden Immobilienbranche:"Vor einigen Monaten waren wir noch von einer weichen Landung ausgegangen. Doch es hat sich einiges geändert. Vor allem sehen wir eine extreme Angebotssteigerung. Im Januar 2005 standen noch zwei Millionen Häuser zum Verkauf. Im Juni 2006 waren es 3,7 Millionen."

Noch vor wenigen Monaten waren Häuser im Durchschnitt nicht länger als zwei Tage auf dem Markt. Heute sind es knapp drei Monate. Neil Brooks ist Immobilienmakler in Arizona und er kennt das Geschäft seit 15 Jahren. Doch von diesem Wutausbruch einer aufgebrachten Kundin war selbst er überrascht. "Sie hat ihr Handy von einer Hand in die andere gewechselt - wie ein Messer", erzählt er. "Dann warf sie das Telefon nach mir. Ich habe mich geduckt, und das Handy hat ein Loch in der Wand hinterlassen."

Köder für die Kunden

Brooks hatte seiner Kundin mitteilen müssen, dass ihr Haus rund 60.000 Dollar weniger wert war als auf dem Papier. Bei so einer Summe könne man schon mal die Fassung verlieren, denn bei vielen geht es schlichtweg um die Existenz, sagt Brooks. "Der Immobilienmarkt ist so emotional. Schließlich ist es für die meisten Amerikaner der wertvollste Besitz. Für viele ist ihr Haus schlicht und einfach ihr Investment in den Ruhestand."

In den besseren Tagen haben Amerikaner ihre Häuser unrenoviert verkauft, heute sind sie in der Regel zwei Wochen damit beschäftigt, Wände, Fußböden und Sanitäreinrichtung auf Vordermann zu bringen, bevor sie das Objekt in die Zeitung setzen. Auch der Luxus-Markt ist gegen diese Preisschwankungen nicht mehr immun, sagt Fred Cooper, Finanzvorstand von Toll Brothers, dem wichtigsten US-Luxus-Bauunternehmen mit Sitz in Pennsylvania. Dementsprechend versucht auch Toll Brothers, Kunden mit Extras zu ködern. "Käufer könnten sich etwa eine dritte oder vierte Garage anbauen. Oder ein zusätzliches Zimmer für die Schwiegereltern", sagt Cooper.

Doch es handelt sich nicht nur um Hausbauerschicksale. Die Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt ist eine ernsthafte Gefahr für die gesamte US-Konjunktur - und damit letztendlich auch für die Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds warnt seit Monaten vor den Risiken des abkühlenden Immobilienmarktes. Sogar eine Rezession als Folge des Preisverfalls wird nicht ausgeschlossen - auch wenn die meisten Ökonomen dieses Szenario noch für übertrieben halten. Wie verzweifelt Makler und Hausbesitzer sind, zeigt ein Blick in die Zeitung. Dort versuchen immer mehr Immobilienprofis ihre Objekte mit Erotikfotos an den Mann und die Frau zu bringen. Frei nach dem Motto "Sex Sells". Aus konjunktureller Sicht wäre ihnen der Erfolg eigentlich zu wünschen.

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