1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Der "Unvollendete" kehrt zurück

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, nun ist es offiziell: Michael Ballack wechselt zu Bayer 04 Leverkusen. Er kehrt damit an seine alte Wirkungsstätte zurück und gab anderen Clubs einen Korb.

Ballack im Dress von Leverkusen (Foto: AP)

"Mit meiner Rückkehr zu Bayer 04 schließt sich für mich ein Kreis", ließ Ballack verlauten, der von 1999 bis 2002 für der Werkself vom Rhein spielte. Es war eine erfolgreiche Zeit für den Mittelfeldregisseur, der seine Mannschaft 2002 bis ins Finale der Champions League und zur Vize-Meisterschaft führte. Da es jedoch stets höchstens nur zu Rang zwei reichte, kehrt Ballack als der "Unvollendete" nach Leverkusen zurück.

Michael Ballack (r.) und Rudi Völler (Foto: AP)

Völler (r.) holte Ballack zurück

Dort frohlockten die Verantwortlichen, als der entscheidende Anruf in der Bayer-Zentrale eintraf: "Er kommt und er wird mit offenen Armen empfangen", versprach Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Die Verpflichtung von Ballack soll der Werkself dem Traum vom ersten Titel näher bringen: "Michael hat große Führungsqualitäten, wir erhoffen uns sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene viel von ihm", betonte Holzhäuser.

Fürstlich: Sechs Millionen Euro pro Jahr

Der Mittelfeldstar kommt ablösefrei vom FC Chelsea und soll in Leverkusen für seinen Vertrag bis Juni 2012 jährlich sechs Millionen Euro erhalten. Dabei habe man nicht das höchste Angebot abgegeben, betonte Sportdirektor Rudi Völler. "Wir haben alles getan, um Michael zu überzeugen." Die besten finanziellen Argumente hatte Bayer dem Vernehmen nach nicht. Der VfL Wolfsburg sowie der Hamburger SV hatten dem Star großzügige Angebote gemacht. "Dass er Bayer 04 trotz unserer im Vergleich zur Konkurrenz begrenzten finanziellen Möglichkeiten den Vorzug gegeben hat, zeigt seine emotionale Bindung zum Club", meinte Völler.

Michael Ballack beim FC Chelsea (Foto: AP)

Ballversiert und brandgefährlich: Michael Ballack spielte vier Jahre lang für den FC Chelsea

Die Tatsache, dass Michael Ballack eine enge emotionale Bindung zu einem Club im tiefen Westen der Republik aufbaute, hat eine längere Geschichte. Denn Ballack wuchs in der ehemaligen DDR auf hätte beinahe eine andere Sportlerkarriere eingeschlagen. Im Kindergarten wurde "Balla" routinemäßig von Sportärzten vermessen und beurteilt. Die Prognose: Er hat das Zeug, ein exzellenter Eisschnellläufer zu werden. Doch schnell wurde klar, Ballack bevorzugt nicht das Eis, sondern den Rasen. Beidfüssig, ballversiert, und vor dem Tor brandgefährlich – diese Attribute zeichneten Michael Ballack schon als jungen Bub aus. "Da gab es Spiele, da haben wir 20:0 gewonnen und da hat der Michael zehn Tore geschossen. Er war seinen Mitspielern etwa drei bis vier Jahre voraus", erzählt sein damaliger Jugendtrainer Stefan Hänisch. Zwei Jahre nach seinem ersten Profivertrag, wechselte Michael Ballack 1997 zum 1. FC Kaiserslautern. Überraschend gewann der Mittelfeldspieler mit dem Bundesliga-Aufsteiger in seiner ersten Saison die Meisterschaft. Zwei Jahre später unterschrieb er einen Vertrag bei Leverkusen. Dort entwickelte sich Ballack zu einem Führungsspieler.

Respekt erarbeitet

Michael (r.) und Simone Ballack (Foto: AP)

Privates Glück: Michael und Simone Ballack heirateten 2008

Einen Titel aber konnte er mit diesem Team nicht gewinnen. Dafür musste Ballack zum ersten Mal erfahren, wie es ist, einen Titel knapp zu verpassen: Im Jahr 2000 benötigte Leverkusen am letzten Spieltag gegen Außenseiter Unterhaching nur ein Unentschieden, um Meister zu werden. Aber durch ein unglückliches Eigentor von Ballack verlor Leverkusen das Spiel und damit auch den Titel. Auch im Finale der Champions League 2002 musste Ballack mit seinem Team als Verlierer vom Platz gehen, dasselbe passierte im DFB-Pokal. Während Ballack bei der EM 2000 in den Niederlanden und Belgien kaum zum Einsatz kam, hatte er sich bis zur WM 2002 in Japan und Südkorea zum Stammspieler entwickelt. Unvergessen sein taktisches Foul im Halbfinale, das eine große Torchance verhinderte – ihm aber die zweite gelbe Karte bescherte, so dass er im Finale gesperrt war. Wenige Minuten nach dem Foul schoss Ballack Deutschland ins Endspiel, an dem er nicht teilnehmen durfte. "Ein WM-Finale zu spielen ist das Größte, was ein Fußballer erreichen kann. Deshalb ist es sehr traurig für mich", meinte Ballack damals. Fügte aber fast trotzig hinzu: "Ich muss das irgendwie wegstecken."

Bitterste Niederlage seiner Karriere

Ballack nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng (Foto: AP)

Syndesmose gerissen, Traum geplatzt: das WM-Aus

Die europäischen Top-Vereine wollten Ballack verpflichten, doch der damals 26-Jährige entschied sich, zum FC Bayern München zu gehen. Mit dem deutschen Rekordmeister schaffte er dreimal das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Mittlerweile war Ballack nach der enttäuschenden EM 2004 in Portugal zum neuen Mannschaftskapitän der deutschen Nationalmannschaft ernannt worden. Bei der WM 2006 im eigenen Land erreichte sein Team zwar nicht das Endspiel, aber immerhin einen achtbaren dritten Platz. Jetzt aber wollte Ballack endlich auch mal einen internationalen Titel gewinnen. Deshalb entschied er sich, zu einem ausländischen Klub zu wechseln. Beim FC Chelsea sah er die besten Perspektiven. Zwar hat Ballack mit seinem bisherigen Verein schon einige nationale Titel errungen, aber keinen internationalen. Besonders frustrierend die wohl bitterste Niederlage in seiner Karriere: Im Champions League Finale 2008 unterlag er mit seinem FC Chelsea Manchester United im Elfmeterschießen. Auch im strömenden Regen waren seine Tränen deutlich zu erkennen. Im Nachhinein sagt Ballack: "Für einen zweiten Platz muss man sich nicht schämen."

Boatengs Grätsche ließ Ballacks WM-Träume platzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Michael Ballack bei der EM 2008 (Foto: AP)

Auch die Kanzlerin konnte ihn nicht trösten: Ballack 2008

Auch bei der Europameisterschaft 2008 sollte es nicht sein mit dem Titel. Zwar stand Deutschland im Finale – auch dank des fulminanten Treffers von Ballack gegen Österreich in der Vorrunde – aber es reichte erneut nicht. Spanien war die bessere Mannschaft und wurde verdient Europameister. Auf seine vermutlich letzte WM in Südafrika freute sich Ballack besonders – bis zu seinem letzten Spiel für den FC Chelsea: Mit einer üblen Attacke machte der Ghanaer Kevin Prince-Boateng alle WM-Hoffnungen Ballacks zunichte. Die dabei erlittene Syndesmoseband-Verletzung macht dem Star aus Görlitz weiter zu schaffen, so dass er erst später in die Saisonvorbereitung bei Leverkusen einsteigen kann.

Dann wird er sie ergreifen wollen, seine letzte Chance auf einen großen Titel. Denn erst dann würde er sich einreihen in die Riege der ganz Großen des deutschen Fußballs.

Autoren: Joscha Weber/Sarah Faupel

Redaktion: Arnulf Boettcher