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Nahost

Der unterschätzte Vermittler in Nahost?

160.000 libanesische Flüchtlinge hat Syrien bereits aufgenommen. Auch diplomatisch könnte das Land eine Rolle spielen: als einer der wichtigsten Verbündeten von Hisbollah und Hamas.

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Syriens Präsident Baschar al-Assad könnte helfen, den Nahostkonflikt zu entschärfen

Ein kleines Zimmer mit fünf Betten ist die neue Bleibe von Familie Mzana. Ahlam Mzana sitzt auf einer Matratze und gibt ihrem zwei Monate alten Sohn die Flasche. Dank privater Spenden hat die junge Libanesin alles, was sie braucht: Decken, Handtücher, saubere Wäsche und Milch für ihr Baby. "So einen Empfang haben wir uns nicht träumen lassen", sagt sie, "wir sind geflohen mit dem, was wir am Körper trugen und jetzt fehlt es uns an nichts."

Bei ihrer Flucht aus dem Südlibanon seien sie israelischen Raketenangriffen nur knapp entkommen, erzählt Ahlam. Die siebenjährige Fatima ist froh, in Sicherheit zu sein. "Ich habe unterwegs laute Explosionen gehört, da hatte ich Angst. Hier habe ich keine Angst. Gott schütze Hassan Nasrallah." Und auch Präsident Bashar Al Assad, fügt Ahlam schnell hinzu, schließlich befinden sich die Mzanas nun in seiner Obhut.

Vermittler mit eigenen Interessen

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Bauarbeiten an einer neuen israelischen Siedlung auf den Golan-Höhen

Der Hisbollah-Führer und der syrische Staatschef sind dieser Tage überall zu sehen. An Häuserwänden und Autofenstern hängen Fotos der beiden Männer, die vor allem eines verbindet: die Feindschaft zu Israel.

Im Gegensatz zum Iran hat Syrien kein religiös-ideologisches, sondern ein praktisches Problem mit Israel. Bis heute besetzt Israel die syrischen Golanhöhen. Durch den aktuellen Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah könnte auch der Golan auf die Tagesordnung der Weltgemeinschaft zurückkehren. "Wer will, dass Syrien die Hisbollah beeinflusst, muss einen Anreiz für Syrien schaffen", sagt Samir Al Taqi, Leiter des Zentrums für Internationale Beziehungen in Damaskus. Und das sei der Golan oder zumindest der Beginn von Verhandlungen.

Gleichgewicht der Abschreckung

Eines hätten die anhaltenden Kämpfe auch bereits erreicht, meint Al Taqi: ein Gleichgewicht der Abschreckung. Die Strategie der Israelis und Amerikaner, wonach im Nahen Osten alles so laufen soll, wie sie es wollen, sei nicht aufgegangen, so der Politikberater.

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Kämpfen statt verhandeln - Hisbollah Führer Hassan Nasrallah

Eine dauerhafte Lösung in Nahost sei nur möglich, wenn sich alle Konfliktparteien daran beteiligten, sagt auch der syrischer Politikwissenschaftler Marwan Kabalan. Hamas und Hisbollah seien militärisch nicht zu besiegen, sie müssten deshalb politisch eingebunden werden. Syriens Politiker könnten dabei eine konstruktive Rolle spielen. "Syrien will raus aus der Isolation und Teil der internationalen Gemeinschaft sein", so Kabalan, "Syrien will den Golan zurück und eine Garantie, dass Washington keinen Regimewechsel in Damaskus anstrebt, sondern seine regionale Rolle anerkennt."

Sollten Amerikaner und Europäer auf diese Forderungen eingehen, könnte es gelingen, einen Keil zwischen Damaskus und Teheran zu treiben. Wenn Syrien mit am Verhandlungstisch säße, wäre der Iran weiter isoliert, so das Kalkül.

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  • Datum 02.08.2006
  • Autorin/Autor Kristin Helberg
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  • Permalink http://dw.com/p/8sj4
  • Datum 02.08.2006
  • Autorin/Autor Kristin Helberg
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