1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Der unscheinbare Tod: Landminen

Sie sind die tödlichen Überbleibsel des Krieges: Landminen. Am 4. April war der Internationale Tag der Minenaufklärung. Meist dauert es Jahre, die Minen zu bergen. Auch im Jemen lauert an vielen Stellen die Gefahr.

Landminen-Warnung (Foto: DW)

Landminen werden besonders Kindern beim Spielen zum Verhängnis

Ein falscher Schritt beim Spielen kann in einer Sekunde alles verändern. So auch für die mittlerweile 13-jährige Hadia, die im Jemen lebt. Die kleine Metalldose im Boden war unscheinbar, Hadia hatte sie gar nicht gesehen. Durch die Landmine verlor das Mädchen beide Beine.

Der deutsche Chirurg Theophilactos Emmanoulidis hat sie später behandelt. Der Arzt verurteilt den Einsatz von Landminen aufs Schärfste: "Das sind schreckliche Verletzungen", sagt er. "Immer sind die Extremitäten betroffen, manchmal auch noch das Gesicht oder die Augen." Die betroffenen Gliedmaßen müssten meist amputiert werden, erklärte der Arzt. Und Prothesen sind im Jemen Mangelware.

Mangelhafte medizinische Versorgung

Minenopfer (Foto: AP)

Weltweit gibt es Millionen Minenopfer, viele haben ihre Beine verloren

Seit 1997 fährt Emmanoulidis nach Taiz und operiert dort mehrmals im Jahr in einer Kinderklinik. Dort hat er schon mehrmals Kinder mit einer Minenverletzung versorgt. Darunter auch ein zehnjähriger Junge, dem beim Spielen eine Landmine in der Hand explodiert ist. "Die Hand, die ich da versorgt habe, wäre wahrscheinlich, wenn ich nicht da gewesen wäre, amputiert worden", so Emmanoulidis.

Die jemenitischen Ärzte der Klinik seien noch viel häufiger mit Minenunfällen konfrontiert, schildert er. So musste ein Kollege allein im vergangenen Jahr 13 Kinder nach Minenunfällen behandeln.

Bleibende Gefahr

Minenräumung (Foto: AP)

Minenräumung ist eine riskante und schwierige Sache

Dabei setzt Jemen eigentlich schon seit 1999 die Ottawa-Konvention um. Diese Konvention verpflichtet, Landminen zu vernichten und verbietet den Einsatz, die Lagerung, Herstellung und Weitergabe dieser Waffe. Thomas Küchenmeister, Leiter des Aktionsbündnis "Landmine.de" sieht dadurch auch schon Fortschritte im Jemen. "In den letzten Monaten und Jahren sind die Opfer-Zahlen erheblich zurückgegangen."

Offiziell gibt es im Jemen rund 5000 Minenopfer. Doch die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher. So nennt beispielsweise ein Kollege von Emmanoulidis nach Anfrage bei dem zuständigen Ministerium wesentlich höhere Zahlen: Insgesamt habe es seit 1982 etwa 5500 Minentote und 30.000 Minenverletzte gegeben.

Gefährliche Erinnerungen an den Krieg

Rund 520 Quadratkilometer riskantes Gebiet sind im Jemen nach dem aktuellsten Bericht, dem "Landmine Monitor Report 2009", noch nicht geräumt. Durch die Konflikte im Jemen seit 1962 kam es vor allem an der Grenze zwischen Nord- und Süd-Jemen sowie an der Grenze zu Saudi-Arabien zur Verseuchung.

Doch dem Land fehlt es an Geldern zur Minenräumung: Jemen hat deshalb eine fünfjährige Verlängerung für den Kampf gegen die Landminen beantragt.

Rückkehr sehr gefährlich

Landminen (Foto: AP)

Landminen fallen im Boden kaum auf

Problematisch ist außerdem, dass es durch die Waffenruhe zwischen Rebellen und der jemenitische Regierung jetzt zu einer schnellen Rückkehr vieler Flüchtlinge kommen könnte. Ein gefährliches Unterfangen, denn viele wissen nicht, wie verseucht der Boden in ihrer Heimat ist.

Die Aufklärungsarbeit wird deswegen zurzeit verstärkt. Doch vor allem die von den Rebellengruppen improvisiert hergestellten Landminen potenzieren die Gefahr für Kinder, berichtet Küchenmeister: "Die Minen sehen häufig aus wie Spielzeug oder wie eine Zigarettenschachtel." Von 20 Landminenopfern 2008 sollen 13 Kinder gewesen sein. Allein in den vergangenen Monaten gab es daher schon zehn Minen-Unfälle.

Lebenslanges Leiden

Selbst wenn es gelingen würde, weitere Minenopfer zu vermeiden: Die Verletzten leiden ein Leben lang, sagt Emmanoulidis. Im Jemen mit Prothesen zu laufen sei sehr schwer. Auch Küchenmeister betont: "Die Opferhilfe braucht mehr Geld." Denn Kinder wie die 13-jährige Hadia benötigen in spätestens zwei Jahren neue Prothesen. Und die sind für die Eltern unbezahlbar.

Autorin: Sonja Gillert

Redaktion: Anna Kuhn-Osius