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Kunst

Der Universalkünstler Ernst Fuchs ist tot

Maler, Grafiker, Architekt, Komponist und Dichter: Der Österreicher Ernst Fuchs war ein Multitalent und Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Jetzt starb der Künstler im Alter von 85 Jahren.

Die Markenzeichen des Österreichers mit dem Hang zum Phantastischen waren eine selbstentworfene Brokatkappe und ein rötlich schimmernder Bart, und sein Leben war ähnlich bunt und manchmal grell wie sein Schaffen. Er galt früh als zeichnerisches Wunderkind. "Schon als Vierjähriger konnte er mit seinen Bleistiftzeichnungen die Erwachsenen in Sprachlosigkeit versetzen", sagte der Dirigent Friedrich Haider einmal, der Fuchs von Jugend auf kannte.

Der Künstler selbst schrieb Jahre später über seine frühen künstlerischen Erfahrungen: "Im Winter 1945/46 bemerkte ich zum ersten Mal, wie ein medial-zwanghafter Schaffensdrang von mir Besitz ergriff. Meine Hand schuf, in Trance geführt, mir Unerklärliches. Wie unter einem Zwang stehend, brachte ich in wenigen Tagen eine große Anzahl zarter, linearer Zeichnungen hervor und tauchte ein in die mir noch unbekannten Gründe meiner Fantasie. Es dauerte nicht mehr lange, bis mir klar wurde, dass ich ein Surrealist war."

Ein Anhänger des Phantastischen

Ernst Fuchs vor einem seiner Gemälde (Foto: Imago)

Der Meister vor seinem Werk

International bekannt wurde Fuchs als Mitbegründer der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus". Zusammen mit Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) galt er als einer der prominentesten österreichischen Nachkriegskünstler. Zu seinen Vorbildern gehörten Salvador Dalí, Egon Schiele, Gustav Klimt und Pablo Picasso.

Fuchs wurde am 13. Februar 1930 in Wien als Einzelkind geboren. Da seine Vorfahren väterlicherseits jüdischer Herkunft waren, sah er sich schon früh antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Von 1946 bis 1950 studierte Fuchs in der Wiener Akademie der Bildenden Künste, und bereits 1949 bekam er in Paris seine erste Einzelausstellung.

Der spanische Meister des Surrealismus, Salvador Dalí, lernte den jungen Ernst Fuchs bei einem Kunsthappening kennen und wurde zu seinem Mentor. In den 1960er Jahren erwarb sich Fuchs mit seinen bunten Bildern, geprägt von erotischen und mythischen Anspielungen, endgültig internationale Anerkennung.

Enormer Schaffensdrang

Auf rund 500 bedeutende Ölbilder und ebenso viele Radierungen schätzt Cornelia Mensdorff-Pouilly Fuchs' Lebenswerk. Sie leitet das Haus, das Fuchs 1988 als Privatmuseum eröffnete. Untergebracht ist es in der 1972 von dem Künstler erworbenen Otto-Wagner-Villa am Wiener Stadtrand.

Das Ernst Fuchs Museum in Wien (Foto: Imago)

In dieser Villa hat das Ernst Fuchs-Museum ein Zuhause gefunden

Hier befand sich sein Atelier, in dem er Berühmtheiten wie Placido Domingo oder Falco porträtierte und Freunde wie Grace Kelly, Curd Jürgens oder Yoko Ono empfing. Hier lebte Ernst Fuchs auch seine architektonischen Niegungen aus und widmete sich dem Bau der Brunnenanlage "Nymphäum Omega".

Selbsternannter "Malerfürst"

Die Kunst machte den Exzentriker reich. Er besaß mehrere goldene Rolls Royce und war auch sonst dem Luxus nicht abgeneigt. Gern inszenierte er sich als Malerfürst nach Renaissance-Vorbild, der sich vom schönen Geschlecht umgarnen ließ. "Ich war von einem Rausch, einem Lebenshunger befallen, wie von einer Sucht", schilderte er der österreichischen "Kronen Zeitung" einmal seine Affären. Fuchs hatte 16 Kinder mit sieben Frauen.

Gunther Sachs im Gespräch mit Ernst Fuchs (Foto: Imago)

Gunther Sachs und Ernst Fuchs im Gespräch: Beide liebten Kunst und Frauen

Auf seiner Homepage kann man über den verstorbenen Künstler nachlesen: "An Musen, Modellen und Geliebten fehlte es ihm nie. Gegensätze bestimmen sein Leben und sein Werk. Gott, Eros, Ritter, Tod und Teufel." Diese Worte hat er selbst verfasst – ein vorweg genommenes Nachwort auf sein bewegtes Künstlerleben.

suc/kk (dpa, www.ernstfuchs-zentrum.com)