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Politik

Der ungeliebte Freund

Ein Experte im Pentagon beschrieb Saudi-Arabien als strategischen Feind der USA und traf damit einen empfindlichen Nerv. Das offizielle Dementi folgte prompt. Denn diese Diskussion kommt für die US-Regierung zur Unzeit.

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Saudi-Arabien sei seit langen Jahren ein Freund und Verbündeter Amerikas, und seine Leistung im Kampf gegen den Terrorismus werde sehr geschätzt. Das Pentagon beeilte sich, diese offizielle Sichtweise bekannt zu machen. Denn das, was die Washington Post an diesem Tag enthüllt hatte, rüttelte gefährlich an den Grundfesten amerikanischer Interessen im Nahen Osten.

Worum ging es? Ein Analyst eines rechtskonservativen Think Tanks, der Rand Corporation, hatte die umstrittenen Thesen über die Saudis in einem Vortrag gegenüber einem Beratergremium des Pentagon aufgestellt und dafür offenbar von einigen Mitgliedern des Stabes Applaus bekommen.

"Kern des Bösen"

Hilfe für Amerikas Feinde Unter anderem hieß es, die "Saudis seien auf jeder Ebene des Terrorismus aktiv, von Ideologen über Fußsoldaten bis hin zu Finanziers und Planern" von Terrorakten. Sie seien der "Kern des Bösen, der gefährlichste Gegner im Nahen Osten." Und für den Fall, dass die Regierung in Riad dies nicht ändere, empfahl der Rand-Experte, das saudische Vermögen in Amerika einzufrieren und zur Not die Ölfelder im Wüstenland zu besetzen.

So radikal wie diese Einschätzung und Schlussfolgerungen auch klingen mögen, so klar ist auch, dass sie im rechten Spektrum der Hauptstadt immer mehr Anhänger finden, nicht nur bei der jüdischen Lobby, der die amerikanische Freundschaft zu den Scheichs schon lange ein Dorn im Auge ist.

Strategischer Supergau

Nein, generell wächst die Ungeduld mit den "politischen Alliierten" im Nahen Osten. Vor allem im Kampf gegen den Terrorismus - 15 von 19 Luftpiraten vom 11. September sowie Osama Bin Laden waren immerhin saudische Staatsbürger - ist Riad bisher erschreckend erfolglos geblieben. Außerdem haben die machtbewussten Scheichs schon klargemacht, dass ihr Land einen Krieg gegen seinen nördlichen Nachbarn Irak nicht unterstützen wird.

Aus US-Sicht ein strategischer Supergau, denn die saudische Wüste wäre der ideale Aufmarschplatz für eine Bodeninvasion und perfekt für einen Luftkrieg. Der gerade erst für viel Geld ausgebaute US-Militärflughafen 'Prince Sultan', der u.a. als Kommandozentrale für einen Angriff auf Irak gedacht war, ist jetzt nutzlos. Das ärgert vor allem die Falken in Washington, auch wenn die Mehrzahl vielleicht von den Saudis nicht von einem Feind, sondern von einem 'großen Problem' sprechen würde.

Widerspruch von Kissinger

Dem Rand-Experten soll übrigens ein Pentagon-Berater widersprochen haben, dessen Namen immer noch klingt wie Donnerhall: Henry A. Kissinger. Er wird zitiert mit den Worten: "Die Saudis tun zwar Sachen, mit denen ich nicht einverstanden bin, aber sie sind kein strategischer Gegner." Nun kann man dem ehemaligen US-Außenminister Vieles vorwerfen, aber nicht, dass er kein Pragmatiker ist.

Es ist einfach pragmatisch für die USA, unter den jetzigen Umständen die Freundschaft zu Riad aufrecht zu erhalten. Sie sind der Schlüssel zum Öl und vielleicht auch zu ein bisschen Frieden im Nahen Osten. Sollten sich diese Umstände ändern - beispielsweise durch einen Regimewechsel in Bagdad und damit einhergehend eine Änderung des Ölflusses - dann kann man ja noch einmal neu nachdenken. Solange jedenfalls bleibt Saudi-Arabien (O-Ton Pentagon) "ein sehr geschätzter Freund und Verbündeter der USA."