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Kultur

Der unbeliebte Präsident

Für den Tag der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten haben zahlreiche Kulturschaffende zu Protesten aufgerufen. Viele Museen bieten freien Eintritt und Sonderveranstaltungen – als Alternative zu den Feierlichkeiten.

Selten war ein US-Präsident beim Amtsantritt unbeliebter: Laut Umfragen tritt der Immobilienmilliardär mit den niedrigsten Zustimmungswerten für einen neuen Präsidenten in der US-Bevölkerung seit 40 Jahren an. Nur rund 40 Prozent der Bürger sehen ihn positiv. Sein Vorgänger Barack Obama verlässt dagegen mit hohen Popularitätswerten das Weiße Haus.

Man wisse nicht, was der neue US-Präsident Donald Trump denke und ob er denke, sagt Leon Botstein, US-Dirigent und Musikwissenschaftler. Trumps Verhalten sei "aggressiv und faschistisch", sein Stil vergleichbar mit dem Mussolinis oder Francos, so Boststein am Freitag im Deutschlandfunk. Viele US-Bürger hätten Trump gewählt, weil sie Angst vor der Globalisierung, Angst vor Armut und sozialem Abstieg hätten. Botstein ist Präsident des Bard College in New York, an dem in den 1940er Jahren auch viele Emigranten aus Europa Zuflucht fanden, darunter die Deutsche Hannah Arendt.

Filmstill Michael Moore in Trumpland (picture-alliance/dpa/Dog Eat Dog Films)

Protestierte mit seinem Film "Michael Moore in Trumpland" : Der Regisseur Michael Moore

US-Dirigent fordert alternative Zukunftsvision

"Die kommenden vier Jahre werden schwierig sein, könnten aber auch ein Weckruf sein für die USA", sagte Botstein. Von den Intellektuellen des Landes erwartet er viel zivilgesellschaftliches Engagement, um eine "alternative Zukunftsvision" zu der von Trump zu schaffen."Ich bin optimistisch, dass die US-Politik Trump überleben wird", betonte Botstein.

Für den Tag der Inauguration haben zahlreiche US-Künstler und Kritiker dazu aufgerufen, sämtliche Kunsteinrichtungen, Museen, Theater und Konzerthäuser zu schließen und für Proteste auf die Straße zu gehen. Ihr Appell unter dem Twitter-Schlagwort "J20ArtStrike" richte sich gegen die "Normalisierung Trumps", heißt es da. Zu dessen Unterzeichnern zählen unter anderem die Fotografin Cindy Sherman, der Bildhauer Richard Serra und die Performance-Künstlerin Joan Jonas. Zahlreiche Museen haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Auch Teile des linksliberalen Kunstpublikums bleiben den Feierlichkeiten fern. Viele Museen in den USA bieten Sonderveranstaltungen und freien Eintritt. Dazu zählt etwa das Museum of Contemporary Art in Los Angeles. Auf seiner Facebook-Seite wirbt es mit einem Bild der amerikanischen Künsterlin Nicole Eisenman dafür, die Vielfalt der Lebensentwürfe und des eigenen Landes zu feiern - mittels Kunstgenuss. Das New Yorker Whitney Museum of American Art lässt seine Besucher zu einem pay-what-you-wish- Tarif herein – aus Solidarität mit #J20 und dem Protest von Künstlern, Autoren und Aktivisten "gegen das herrschende politische Klima". Auf Instagram präsentiert das Museum dann noch Bilder aus seiner Sammlung, um kulturelle Vielfalt zu demonstrieren.

Donald Trump (Reuters/l. Jackson)

Ziel der Proteste - der President Elect Donald Trump

Kein Musik-Star will für Trump spielen

Auch unter Musikern ist die Ablehnung Trumps weit verbreitet. Viele Superstars aus der Musikszene haben es abgelehnt, bei der Amtseinführung zu spielen. Bei der Vereidigungszeremonie wird deshalb ein Mormonenchor, der Mormon Tabernacle Choir, das Rahmenprogramm bestreiten. Die 16-jährige Jackie Evancho singt die Nationalhymne. An der auf die Vereidigung folgenden Parade über die Pennsylvania Avenue zum Weißen Haus nimmt die Rockettes-Tanztruppe aus New York teil - allerdings wohl nicht vollständig, weil das Management den Tänzerinnen die Teilnahme freigestellt hatte. Während zu den zwei Vereidigungen Obamas zahlreiche Megastars auftraten, hatte sich das Trump-Team vergeblich um Künstler der ersten Garde bemüht.

Robert De Niro spricht mit erhobenen Armen zu den Protestierenden

Protest gegen Trump: Der Schauspieler Robert De Niro

Noch am Vorabend der Amtseinführung haben Tausende Menschen in New York gemeinsam mit Stars wie Alec Baldwin und Robert De Niro gegen den kommenden US-Präsidenten Trump demonstriert. Mit Plakaten und Sprechchören versammelten sie sich am Donnerstagabend (Ortszeit) mitten in Manhattan, wo mehrere Wolkenkratzer Trumps Namen tragen. "Trump ist ein schlechtes Beispiel für dieses Land, für diese Stadt", sagte Schauspieler De Niro von einer Bühne zu den Demonstranten.

Sd/pg (afp/dpa/dlf.de/http://whitney.org/Events/SpeakOut/ Twitter/ Instagram)

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